Burgenforum

Kegelstumpf / (unter anderem auch Hausberge in Nö)
Der Arnobär! - 18-2-2011 um 11:34

[ Aktualisiert, 4. März 2011 ]

Stichwortverzeichnis
Hausberg........Substruktion einer (frühmittelalterlichen) Befestigung oder Ansitz im (süd-)deutschen Raum.
Burgstelle........Abgekomme Befestigung oder Ansitz, allgemeiner Begriff (auch Burgstall).

In Literatur des 19. und 20. Jh. findet der Begriff Hausberg fälschlicherweise auch Anwendung auf viele Burgstellen die keine Hausberge im engeren Sinn darstellen.

Präambel
Die Burgstelle in Ried am Riederberg, weist zwar den Flurnamen Hausberg auf, es handelt sich um die Reste eines bis in das späte 14. Jh. erweiterte und in der 1. H. 15. Jh. abgekommenen, befestigten Ansitz.

Wenngleich die Kernburg auf einem kreisrunden Kegelstumpf (mit angeschnittenem Kreissegment im NO) lokalisiert ist, bildet die Situation keinen klassischen Hausberg mehr ab, sondern vielmehr die Reste eines ausgebauten, spätmittelalterlischen Ansitz.

Kegelstumpf
Kreisrunde aus dem Boden gearbeitete Kegelstümpfe findet man überall in NÖ, vor allem anhand der ALS Karten.

Referenz: http://www.binatang.at/archat1.html

Die Angaben sind aus dem Reclams Archäologieführer, dort als MA Hausberg verzeichnet.

Bin gespannt auf viele Anregungen und Erklärungen!

Abbildung: Hausberg Ried am Riederberg


Der Arnobär! - 18-2-2011 um 11:39


Der Arnobär! - 18-2-2011 um 11:44

Quelle: Nö Atlas


Der Arnobär! - 18-2-2011 um 11:53


Der Arnobär! - 18-2-2011 um 11:53

Nicht rund aber auch interessant.


Der Arnobär! - 18-2-2011 um 12:02

Unweit der Schallaburg


Der Arnobär! - 18-2-2011 um 12:05


Der Arnobär! - 18-2-2011 um 12:19


Der Arnobär! - 18-2-2011 um 12:28

Hausberganlagen im Löss, durch rezente Nutzung stark verändert.


wulf - 18-2-2011 um 19:03

Zitat
Auf Ried am Riederberg umsäumt das Perfekt kreisrunde Platau ....


Das "perfekte kreisrunde Plateau" ist für mich hier nicht erkennbar. Gerade nö verläuft doch die Ringmauer samt Graben in gerader Linie.


Der Arnobär! - 19-2-2011 um 14:18

Ja, richtig, im NO ist der Kreis angeschnitten - Aber von N über W bis SO ist es ein exakter Kreis.


Alex - 21-2-2011 um 10:18

ich seh schon, da ist jemand stundenlang mit der Nase auf dem Bildschirm geklebt:)
Mir gehts da genau so, Ergebnisse gibts demnächst (bin schon auf gut über 20 allein im Weinviertel...)


Alex - 21-2-2011 um 10:31

Ich denk mal, dass "streng kreisrund" meist nur mit "Landschaft brettl-eben" korreliert, weils da auch wirklich Sinn macht.

Modifizierte Böschungen haben dann eben eher die ursprüngliche Form (siehe Stronegg, oder den Schlossberg bei Klement, beides Weinviertel)

Beim Veiglberg (Stronegg II) handelt es sich angeblich um einen Frühzeitlichen Ringwall (wenn auch sehr klein im Vergleich zur "Altstadt" bei Michelstetten), mittelalterliche Weiterverwendung natürlich nicht ausgeschlossen...
http://www.stronsdorf.at/system/web/zusatzseite.aspx?menuonr=218266273&de...

LG
Alex


Der Arnobär! - 21-2-2011 um 12:31

Also bei den meisten runden Anlagen haben sie zumindest ein Schnürdel gespannt, sind ja doch sehr schön gearbeitet.

In Ried ist es allerdings so, dass es auch ein Polygon sein kann - also sich das Gelände womöglich nach dem polygonalem Mauerzug richtet - für ein älteres Kreisplatau darunter würde aber wiederum sprechen, weil das Polygon sich exakt in einen Kreis fügt. Blöd is auch, das ein 12m Breites Kreissegment im N/O abgeschnitten ist - aber sonst wäre es ja auch nicht Ried, wenns so einfach wäre ;)


Wilhelm von Baumgarten - 23-2-2011 um 16:12

Wofür du so Zeit hast - echt beachtlich. Jetzt mach aber weiter bis NÖ komplett ist !


M.A.Knapp - 3-3-2011 um 22:26

Hab mal die Laserscankarte durchgewassert .. da gibts ja unheimlich viele Hausberge in NÖ, grad in den heute "burgenleeren" gebieten.

Sowas in die Richtung wurde vielleicht draufgebaut:
http://www.turmhuegelburg.de/
http://www.bachritterburg.de


Der Arnobär! - 4-3-2011 um 00:12

Nennen wir es Burgstellen - das haben wir ja schon hier geklärt :cool:

Also ich glaube das vermag niemand nachweisen zu können, was für Arten von Gebäuden auf diesen künstlichen Hügelkuppen gesstanden haben. Aufpassen mit dem oben sollte man vlt, das es aus einer ganz anderen geographischen Lage kommt und auch nur eine Interpretation ist, die nicht stimmen muss. In Österreich sind nur wenige bis keine archäologisch erforscht (kann das sein?), bei vielen kann man keine Kalkmörtelreste vorfinden, was wiederum darauf hindeuten kann, dass viele der Gebäude nur aus Holz bestanden haben. Wichtig ist auch immer die jeweilige Zeitstellung von jedem Gupf zu beachten. So den Rest für die Experten ;)


Der Arnobär! - 4-3-2011 um 00:21

Berechtigte Frage, die Kuppen sind zumindest aus einer bestehenden Kuppe herausgearbeitet, einige sind auch durch das Ziehen eines oder mehrerer Gräben entstanden (siehe oben die Wassertropfen-Wellenmuster) - ob welche künstlich aufgeschüttet sind weiß ich nicht, das trifft eher auf älterer Grabhügel zu.

Zumindest ist von den oberen Beispielen kein Grabhügel dabei, es gibt da aber vermutlich auch einige (Verwechslungsgefahr?).


Der Arnobär! - 4-3-2011 um 00:40

Vlt. hast du da sogar recht.. obwohl einige der obigen auch sehr klein sind..

..ich glaub motto is ein böses word, da weiß keiern so genau was das sein soll(?)

lg ..ein noch ahnungsloserer Arnobär..


Oliver de Minnebach - 4-3-2011 um 06:29

Jetzt hast die Ried noch immer unter Hausberge drinnen. Und veralteter Begriff ist Hausberg keiner, weil er ein (süd)-deutscher für diese Kategorievon Befestigung/Ansitz ist.

Und die spätmittelalterliche Zwingermauer auf Ried bezeichnest du als Ringmauer.

Also mehr zu Beratungsresistent kann ich garnicht mehr sagen.

lG Oliver


Der Arnobär! - 4-3-2011 um 10:31

Zitat
Ursprünglich verfasst von Oliver de Minnebach
Jetzt hast die Ried noch immer unter Hausberge drinnen. Und veralteter Begriff ist Hausberg keiner, weil er ein (süd)-deutscher für diese Kategorievon Befestigung/Ansitz ist.

Wie jetzt? Ich kenne mich da nicht aus. Also es gibt echte Hausberge, auf denen Holzburgen standen im frühmittelalter? Und es gibt die volkstümliche Bezeichnung Hausberg für solche als auch ganz andere Burgstellen. Also Ried ist kein klassischer Hausbeg, ich galub das verstehe ich, also die Option dass die Anlage vorher einmal ein Hausberg war gibt es dann aber schon oder nicht?

Zitat
Ursprünglich verfasst von Oliver de Minnebach
Und die spätmittelalterliche Zwingermauer auf Ried bezeichnest du als Ringmauer.

Also mehr zu Beratungsresistent kann ich garnicht mehr sagen.

Kannst du beweisen, dass es sich auch wirklich um einen Zwinger handelt? Bzw. verstehe ich wahrscheinlich nicht ganz was ein Zwinger sein kann. Vor deiner Bezeichnung habe ich Zwinger nicht gekannt. Auf vielen Burgen gibt es auf dem Weg zum Haupthof eben so längliche Höfe, wie zb. auf Aggstein die ersten beiden Höfe? Ich kann mir das nicht vorstellen wie diese runde Mauer um die Burg geht, welche eien Kreissegmentfläche umstellt. Die Kernburg ist ja wahrscheinlich trapezoidisch (gibt es das Wort?)..

Und dann hab ich noch eien Frage: Was ist eine Ringmauer, das verstehe ich nämlich auch noch nicht, also die "umringt" eien Burg, aber ein Beispiel kenne ich garnicht.

Bitte um Wissensinput.


M.A.Knapp - 4-3-2011 um 12:14

Nur so: Größenvergleich: Sachsengang+Oberhausen / Leeberg (Großmugl) / Ried / Neulengbach


Otto von Floridus - 4-3-2011 um 14:07

Statt vieler Worte-hier 2 Links:
http://www.bernhardsthal.gv.at/gemeindeamt/download/219192715_1.pdf
http://home.pages.at/grosmugl/zahlen_daten_fakten/leeberg.html
lg otto


stefan der gogatzer - 4-3-2011 um 15:18

So segensreich ALS ist, was wir darauf sehen ist, was jahrhunderte lange Weidewirtschaft übriggelassen hat. Die HEUTIGE Oberfläche! Wege und Erdbrücken sind ganz oft spätere Zutaten, um Gelände Weide-und Forstwirtschaftlich zu Erschließen. Eine kombinierte Nutzung ist bis ins 19/20 Jh. durchaus üblich!

ALS ist ein Überaus wertvolles Hilfsmittel, aber keine außschließliche Grundlage der Forschung, das heißt in gewisser Weise hab ich Bedenken vor einer neuen Generation von Schreibtischtätern! Prospektive Methodik, das Behaupten einer Siedlungsstelle div. Zeitstellung, sollte immer auf mehreren Säulen ruhen. Die Burgstelle? Riederberg ist wohl rundgeweidet, der Bering wahr möglicherweise polygonal?


Sehr unscharf gesagt kommt bei den großen, etwa der mittleren Eisenzeit, entstammenden künstlichen Hügeln des Weinviertels die Dimension hinzu, das hier die Ortsnamen, große künstliche Erhebungen beschreiben Also Langen-LEBARN, Obermal-LEBARN, Groß-MUGL etc. Der Leebarn oder Leeberhügel ist das mittelhochdeutsche Wort für Grenzhügel. Also, ganz grob gesprochen, die waren schon da, als die Herrschaften, wer auch immer, die heute sichtbare(rezente Siedlung) und heute unsichtbare(Wüstung) Siedlungsstruktur schufen. Das ist im Falle des Weinviertels vielschichtig, und ich verweise wärmstens auf Roman Zehetmayers Einführung im Weinviertel-Burgenbuch und weiters auf sein ( auch im Internet aufrufbares) Urbar des Grafen Burkhard des Dritten wiel hier auf zeitgemäße weise die Beziehungen eines Angehörigen des Grafenstandes zu seinem kleinadeligen Gefolge(Klientel?) und seinen Grundholden beschrieben wird.

Auch im Weinviertelburgenbuch: Gaiselberg= Die Grabung eines Hausbergs

Ich hab jetzt auch ein Motto: Ich muß und hab nicht unbedingt beim ersten mal lesen alles verstanden, und 98 % hab ich auch wieder vergessen....