Burgenforum

Bürgerhaus in Kutna Hora (CZ)
austriaco - 20-12-2010 um 03:05

ein mittelalterliches Bürgerhaus in Kutna Hora (CZ)

Das sog. "steinerne Haus" bestand schon vor den Hussitenkriegen....bekam das heutige Aussehen aber erst um 1489...


austriaco - 20-12-2010 um 03:06

...


chateaufort - 20-12-2010 um 23:52

Mittelalterlich? - ich würde es ins beginnende 20. Jh. datieren, mit Ausnahme des Erdgeschosses.

Wenn ich dann in meiner Handbibliothek nachsehe, stammt ein beachtlicher Teil der Steinmetz- und Bildhauerarbeit tatsächlich von einer duchgreifenden Restaurierung 1900 - 1902 unter der Leitung von Ludvík Lábler, der auch bei der Restaurierung der Barbarakirche beteiligt war. Neu sind, geschaffen von Jan Kastner und Franisek Hnátek: die drei Statuen am Erker, die böhmischen Landespatrone darstellend, die Fialen, die Marienstatue am Giebel (im Zentrum eines Zunftzeichens der Töpfer), sowie die flankierenden Figuren von Adam und Eva.
Der Altbau wurde errichtet im Auftrag von Prokop Kroupa zwischen 1485 und 1495. Der Baumeister ist unbekannt, als Bildhauer ist der Breslauer Steinmetz Brixi überliefert.

Heute dient das ehemalige Eckgebäude als Stadtmuseum.
Das Innere scheint recht gut erhalten, gibt es davon Bilder?


austriaco - 21-12-2010 um 04:07

das Gebäude an sich ist durchaus mittelalterlich! (ja-an der Außenfassade wurde ein wenig "gepfuscht")

Das Erdgeschoss stammt jedoch aus vorhussitischer Zeit und die beiden anderen Stockwerke + Giebel wurden um 1489 angebaut!

Wie gesagt-am Figurenschmuck wurde ein wenig gespielt....
Angeblich ist es aber im originalen Zustand wieder restauriert:
laut Website der Stadt:
http://www.kutna-hora.net/de/steinhaus.php

"Das Haus besaßen dann ein paar Herren und einer von denen beschädigte ihm in Jahre 1839 die Fassade. Er hieß Josef Krčan, ließ Madonna entfernen, verschob einige Symbole und ersetzte sie durch unsinnige Dekorationen. Sei ihm der Himmel gnädig! Restauratöre brachten zum Glück alles in Ordnung und heutzutage können Sie sich das Steinhaus in seiner ursprünglichen Form ansehen."

1900-02 wurde auch das Museum eingerichtet...im Zuge dessen wurde wahrscheinlich auch die Außenfassade restauriert....

hier noch ein Link zur Geschichte des Hauses, wo man alles nochmals nachlesen kann: http://www.cms-kh.cz/gr/kd.php (wenn du auf Expositionen links oben klickst kannst dir auch ein paar Bilder vom Museum anschaun....bei mir hatte es leider geschlossen damals...)

und hier noch ein Bild des Hauses um 1894, also wahrscheinlich noch vor der Restauration.....soooo viel hat sich anscheinend auch nicht geändert....;)


chateaufort - 2-1-2011 um 03:32

Da ist tatsächlich weniger zu ergänzen gewesen als ich angenommen habe, auch wenn das Steinmaterial recht weitgehend ausgetauscht zu sein scheint. Insofern ist es immer lohnend, nach historischen Abbildungen zu suchen!
Danke für die Antwort.

Grüße, chateaufort


Oliver de Minnebach - 2-1-2011 um 16:44

Also ich bin mir da bei weitem nicht sicher!


Die steinsichtige Fassade ist jedenfalls ein historistischer Schwachsin. Bei unteren Fenstern des Erkers kann man ja erkennen dass hier mal ein Dreipass drinnengesessen hat, usw.

Die Abb. von 1894 ist aber auch mit Vorsicht zu genießen. Da sind wir schon mitten im Historismus.

Es ist nicht alles Gotik was glänzt!


chateaufort - 2-1-2011 um 17:38

Für mich ein tolles Vergleichsbeispiel ist die sog. "Münze" in Vic-sur-Seille (Moselle, Lorraine), die Anfang des 20. Jahrhunderts unter Leitung des Architekten Heppe restauriert wurde. Man kann dort am Steinmaterial sehr schön sehen was original ist und was ergänzt wurde - noch heute. Einen Teil des Materials kann ich in nächster Zeit einmal scannen - es passt in diese Diskussion.

Oliver hat mit der steinsichtigen Fassade natürlich recht.
Aber man sieht eindeutig e i n e n Zustand vor der Restaurierung 1900-1902, bei der zahlreiche Figuren (wieder) hinzugefügt worden sind. Es dürften aus der Zeit sicherlich Photographien existieren, die Auskunft über den damaligen Zustand der Werksteine der Fassade geben können.
Was den Quellenwert von Kupferstichen, Stahlstichen, Aquatinta-Radierungen, Lithographien und Holzstichen betrifft, sollte man den Künstler und seien Arbeitsweise genau kennen. Manche waren geradezu lausig schlecht, andere hingegen archäologisch sehr genau, und und haben sich damit begnügt, die Perspektive wirkungsvoll mit leichter Übersteigerung darzustellen.

Ein anderer Punkt ist vielleicht der, dass dieses Gebäude trotz der spätgotischen Formensprache schon sehr in die Neuzeit weist. Das ist allerdings ein schönes, neues, gut gefülltes Fass :cool: