Burgenforum

Wehrkirche Stronsdorf
Alex - 7-9-2011 um 17:34

erste urk. Erwähnung 1141 (laut Schautafel)

Die Kirche ist leider meist versperrt. Man muss schon jemand beim Unkrautzupfen stören, der einen dann weiterschickt zu dem Mann beim Rasenmähen, der normalerweise den Schlüssel hat, und einen dann netterweise die Tür öffnet.

Nordseite


Alex - 7-9-2011 um 17:35

Am Turm und am Hauptschiff ganz wunderbares romanisches Mauerwerk

links der gotische Chor, der vermutlich das alte romanische Hauptschiff überragte


Alex - 7-9-2011 um 17:36

der gotische Chor


Alex - 7-9-2011 um 17:37

am Hauptschiff findet man noch einige vermauerte romanische Fensteröffnungen


Alex - 7-9-2011 um 17:39

noch mehr vermauerte romanische Fensteröffnungen


Alex - 7-9-2011 um 17:40

rom. Mauerwerk (is des ned schen?)

Man beachte die Zeigerpflanze, ohne der die Kirche wirklich schwierig zu finden wäre :P


Alex - 7-9-2011 um 17:44

Unten am Mauerwerksockel finden sich tw. 1.5m lange Quader!

Ich vermute, dass die unterste Lage mit den kleineren Quadern früher nicht sichtbar war, sondern nur die langen protzigen Dinger über das Erdreich ragten.

Auffällig außerdem, dass die langen Quader an der Oberkante schräg behauen sind (am Dreck erkennbar...), und somit insgesamt etwas vorspringen.


Alex - 7-9-2011 um 17:47

Natürlich gibts auch am Chor was Vermauertes...

Hier vermute ich einen ehemals außenliegenden, hölzenen Aufgang zur nichtmehr vorhandenen Kanzel. Zumindest die Positionierung würde passen...
Und es wär ja auch nicht der einzige seiner Art.


Alex - 7-9-2011 um 17:49

der Turm


Alex - 7-9-2011 um 17:50

Mauerwerk am Turm

Vergleichbares Material und Form, und außerdem die Verzahnung des Mauerwerks von Turm und Kirchenschiff sprechen für eine gleichzeitige Errichtung.


Alex - 7-9-2011 um 17:54

Die Südseite ist leider mit unnötigem Barock verbaut, und deshalb sind bis zum Chor die Befunde überdeckt :o


Alex - 7-9-2011 um 17:56

Darum sollte man sich auf dieser Seite den Resten der ehem. Wehrmauer zuwenden.
Die Kirche selbst zeigt heute übrigens keinerlei erkennbare Wehreinrichtungen.

Hier der Schalenturm am Südeck.


Alex - 7-9-2011 um 17:58

An der Apsis ist noch ein Mini-Ausgussstein zu finden...

...wozu auch immer der genient haben mag. Vielleicht der geringe Durchmesser, damit man das Kind nicht mit dem Taufbecken ausgießt :cool:


Alex - 7-9-2011 um 18:01

Dadurch, dass das Hauptschiff im Barock auf die Höhe des Chors angepasst wurde, ist dieses innen ein Barock-Totalschaden.
Drum hier nur der Chor...


Alex - 7-9-2011 um 18:02

...eine von 2 Sitznischen...


Alex - 7-9-2011 um 18:03

...Konsole...


Alex - 7-9-2011 um 18:09

Auch wenn die angebaute Seitenkapelle Barock ist - einen Blick sollte man trotzem riskieren. Schließlich wird man mit diesem Grabstein belohnt!


Mart - 7-9-2011 um 18:09

Zitat
Ursprünglich verfasst von Alex
An der Apsis ist noch ein Mini-Ausgussstein zu finden...
...wozu auch immer der genient haben mag.

Klingt ganz danach als wäre das von einem Piscinium.


Alex - 7-9-2011 um 18:15

Nachdem weder in der Kirche, noch per Internet brauchbare Infos zu erhalten sind, sei es mit einem einfachen Datierungsversuch getan:
ALT
vermutlich ziemlich alt

Hier das Maxl oben.
Der Stab ist ja definitiv kein Bischofsstab. Ob einfache Priester sowas trugen weiß ich nicht. Auch das tunika-artige Kleidungsstück erscheint mir etwas seltsam.

Aber da findet sich ja hoffentlich jemand, der das Ding kennst, oder Literatur drüber hat (und diese Zitieren mag!), oder sich einfach besser auskennt als ich (was ja wirklich nicht schwer ist)


Alex - 7-9-2011 um 18:18

Unten die Darstellung eines Löwen (oder zumindest einer Groß-Miezekatze), mit zum Betrachter gedrehtem Kopf, schreitend, und mit seltsam aufgestelltem Schwanz.


Alex - 7-9-2011 um 18:20

Hätt bitte gerne Infos über Bau und Grabplatte!!!
Da hat sicher jemand was auf Lager!!!

LG
da Alex


Alex - 8-9-2011 um 09:01

Wie bereits oben erwähnt, besitzt die Kirche selbst keine wehrhaften Merkmale. Allerdings ist die umgebende Mauer etwas mehr als nur eine Friedhofsmauer - wer braucht schon einen Eckturm am Friedhof...

Überhaupt sind im (nördlichen) Weinviertel viele Kirchen wehrhaft angelegt. Meistens haben sie selbst keine Wehreinrichtungen, aber die Ummauerung, oder zumindest die Lage - viele davon stehen auf ehemaligen Hausbergen - machen die Gesamtanlage wehrhaft. (zB Oberstinkenbrunn, Gnadendorf,... das kannst dir aus dem NÖ-Atlas raussuchen).
Dass das eine Notwendigkeit war, kommt von der nahen Grenze nach Boheimien, die ja im 12. und 13. Jht durchaus umstritten war. Noch dazu ist dort die Gegend ziehmlich flach - das erste natürliche Hinderniss ist der Ernstbrunner Wald.

Wennst nach Stronsdorf fahrst kannst ja gleich Bilder vom Hausberg in Stronegg mitbringen (die Zufahrt nach Stronegg war letztes WE noch gesperrt für Bauarbeiten).


stefan der gogatzer - 8-9-2011 um 19:55

Es würde mich sehr wundern wenn der flankierende Eckturm aus dem 12/13 Jh. wäre?
Das Kirchen oft wie Befestigungen wirken oder innerhalb von Befestigungen liegen, hat vielmehr etwas mit der engen Beziehung von Kirche und Herrschaft (= manchmal ja ident, siehe Mailberg) denn mit "Wehrkirchen" zu tun. Die oft unbestreitbaren "Wehrelemente " auf Kirchen stammen eigentlich immer aus dem Spätmittelalter( St. Michael in der Wachau)! Also aus einer Zeit, als der adelige? Pfarrherr sehr wohl unversehens in irgdeneine fiese kleine Nachbarschaftsfehde unter streitlustigen Adeligen hineingeraten konnte( etwa Oswals v. Wolkenstein)

Die Mauern um Friedhöfe herum unterstreichen wohl den Frei-hof, also auch einen Ort, an dem die Leich nicht so leicht ausgegraben und damit Lösegeld erpreßt werden konnte, oder zum Thema Gürtler führt, deren Erzeugnisse wohl zumindest zeitweise eher der Erschwerniss zweifelhafter Sexualpraktiken dienten......... Frieden und Freiheit, stecken nicht von ungefähr in den Termini für den Gottesacker, wohl wirklich Themen für alle Menschen zu allen Zeiten


Alex - 8-9-2011 um 20:46

@Stefan
Ja, mit großer Sicherheit ist die Mauer spätmittelalterlich. Leider sind rundherum Privatgrundstücke - vielleicht wärs dort besser zu datieren....



Das Mauerwerk würd ich eher als "stellenweise rein zufällig systematisch wirkend, jedoch im Großen und Ganzen fast überall irgendwie geflickte ,absolut chaotische Schlamperei" bezeichnen;)


stefan der gogatzer - 9-9-2011 um 01:38

Netzmauerwerk ist eine an sich klar definierte Bezeichnung für ein aus Naturstein
ausgeführtes Mauerwerk des 15 Jh.. Große Steine werden von kleinen eingefasst, daher das Netz.
Findet sich oft auf auf Markt/ Minderstadt / Stadtmauern der Zeit Friedrich des Dritten! oder Zwingermauern!

Das da oben ist wohl am ehesten als frühneuzeiliches/neuzeiliches Geflicke zu sehen.
Das Weinviertel ist sicher nicht in allen Regionen mit gut zu bearbeitenden Steinen gesegnet!


Oliver de Minnebach - 9-9-2011 um 08:14

Ohne die örtlichen gegebenheiten zu kennen, aber wie Stefan schön angemerkt hat ist die Mauer als neuzeitlich zu datieren. Eine renaissancezeitliche Datierung ist naheliegend.

Die Putzträger (Ziegelbruchstücke) links im Bild indizieren, dass die Mauer dann auch ein weiteres mal (wohl im barock) verputz wurde.


stefan der gogatzer - 9-9-2011 um 09:49

Kirche und Burg, die Kirche in der Burg, die Burg auf der Kirche?
Burg-Kirchenanlage, eben Kirche und Herrschaft, das ist ein wirklich dichtes Thema


Alex - 9-9-2011 um 10:05

ja, da wirds dann schon haarig!
was war vorher, was kam nachher, und warum?

War zuerst die Kirche und wurde sie später "befestigt", oder wurde sie in einer ehemaligen Befestigung errichtet?

Gerade das Weinviertel war ja quasi zu allen Zeiten ein gefährdeter Bereich, von Böhmen über Hussiten, Schweden und herannahenden Türken. Gerade die letzten beiden könnten für die (etwas mangelhafte) Befestigung ausschlaggebend gewesen sein.

Die Bezeichnung "Wehrkirche" ist übrigens nicht auf meinem eigenen Mist gewachsen, sondern stammt von einer (leider nur spärlich informativen) Schautafel vor der Kirche.


Oliver de Minnebach - 9-9-2011 um 10:29

Also ich persönlich find ja das Mauerwerk höchst interessant ;)


Alex - 9-9-2011 um 11:42

;)
das Mauerwerk der Kirche fin ich ein Bissl ansprechender ;)

mich interessiert die Grabplatte jedoch viel mehr! Hast du da Infos?


Oliver de Minnebach - 9-9-2011 um 12:14

ja das hab ich eh gemeind....


Alex - 9-9-2011 um 12:18

Hab leider keinen DEHIO für NÖ - findet sich da vielleicht was?


Oliver de Minnebach - 9-9-2011 um 15:03

ja dann ab und einen kaufen, ich komm erst morgen abend wieder zu meinen blaubändigen Babys.


Alex - 9-9-2011 um 15:18

jaja, der kommt schon noch :)
Aber mir fehlt jetzt schon wieder fast ein Meter im Regal! Ich muss Platz schaffen, aber wo?
Vieleicht bau ich mir einen Bibliothekserker - wär doch hübsch!

Jedenfals bin ich gespannt, was du dann herausfinden kannst!
Und bitte schau auch gleich wegen den Steinmaxln in Laa nach!
Danke!

Und allen zusammen ein schönes Wochenende, ich bin dann weg!


Oliver de Minnebach - 10-9-2011 um 07:03

Schallaburg Schiessstätte, um 1540/50

zwar nbicht absolut vergleichbare Strukturen, dafür aber Bruchsteine in einem Meer aus Ziegelverschlag.


Alex - 12-9-2011 um 16:08

Na da kann man wenigstens noch Abgleichslagen erkennen.

die Mauer in Stronsdorf schaut aus wie hingesch...leudert


stefan der gogatzer - 12-9-2011 um 22:39

Meine Auffassung bißher war, Mauerwerk wie es sich am vorgelagerten Turm von Wimberg ( siehe Forumstreffen) zeigt, als Netzmauerwerk zu bezeichnen. Das Mäuerlein vom Oliver da oben, das sind die typischen Einfassungs- Neuzeitmauern , als man entweder Ausschuß aus der Ziegelproduktion vermauerte, oder auch Abbruchmaterial von Fußböden oder Deckenkonstruktionen wiederverwertete.


Alex - 13-9-2011 um 09:02

@Netzmauerwerk
voll bei dir, stefan


Oliver de Minnebach - 13-9-2011 um 18:14

Wie jetzt was jetzt!


Alex - 13-9-2011 um 18:34

Voll beim stefan, dass weder die von mir, noch die von dir gepostete Mauer ein Netzmauerwerk zeigt.

Sonder viel mehr das
http://burgenseite.com/MWK/mwk_wimberg.jpg
oder auch das
http://burgenseite.com/MWK/mwk_prandegg_rt.jpg

Und die unsrigen Mauern sind für mich nicht wirklich beschreibbar


stefan der gogatzer - 13-9-2011 um 19:10

Mit der Neuzeit wirds schwierig, eigentlich ist dann in Ostösterreich qualitätvolles Mauerwerk Ziegelmauerwerk, wie der Ausbau von Kollmitz oder Schallaburg ,- oder mein persönliches Highlight : das Neugebäude in Wien, das heißt aber nicht, das es nicht schon im Mittelalter Ziegeln gibt: Bodenpflaster/ Gewölbeziegel/ für Traufen und Ähnliches und wohl auch als Feuerfestbelag bei Herdstellen und Kachelöfen, die sind dann ja auch technische Keramik...........


Alex - 14-9-2011 um 17:52

@ Mart
hab in meinem posting-Rausch die Info mit dem Piscinium übersehen.
Danke, war mir als solches bisher nicht bekannt!