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Autor Betreff: Erfahrungen und Beobachtungen eines experimentellen mittelalterlichen Keramikbrand
Oliver de Minnebach
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Motto: Wen interessiert Bauforschung?!?

[*] Verfasst am: 6-8-2008 um 10:45
Erfahrungen und Beobachtungen eines experimentellen mittelalterlichen Keramikbrand



Schon seit längerer Zeit brannte in mir das Bedürfnis Keramik in der Weise des Mittelalters herzustellen und dann in einem selbst gebauten Ofen zu brennen.

Nach einigen Versuchen im Feldbrand hab ich mich dazu entschlossen, einen "richtigen" Brennofen mit Feuerraum, Lochtenne und Brennraum zu bauen, um dann meine selbst hergestellte Ware zu brennen.

Den Ofen hab ich auf meinem Grund, inmitten der romantischen Weingärten von Rehberg gebaut.

Die Grube für den Ofen habe ich in eine Geländekante eingetieft und größtenteils aus Bruchsteinen und Lehm aufgebaut.

Ansicht von Vorne:

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Oliver de Minnebach
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[*] Verfasst am: 6-8-2008 um 10:59
experimenteller Keramikbrand



Ansicht von Oben:

Der Feuerraum ist abgedeckt, die Brennkammer nicht. Man kann die Lochtenne schön erkennen.

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Oliver de Minnebach
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[*] Verfasst am: 6-8-2008 um 11:00


Weiter Infos folgen bald... muss jetzt wieder Arbeiten! ;)
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Oliver de Minnebach
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[*] Verfasst am: 6-8-2008 um 11:04
"Brenntagebuch" und die Brennkurve



Eigentlich hab ich schon mit einer älteren Konstruktion Tonfabrikate bei ca. 600°C gebrannt, doch wollte ich jetzt doch einen Brennofen hart am Original herstellen.

Dafür habe ich auf meinem bereits erwähnten Grundstück in Rehberg (NÖ, bei Krems) einen kleinen mittelalterlichen Brennofen anhand einiger Befundbeispiele gebaut.

Bei meinem nachgebauten Ofen handelt es sich um einen unterzügigen Ofen mit vorgesetzter Feuerung. Das Feuer befindet sich teilweise unterhalb der Brennkammer. In die Tenne (das ist die tragende Zwischendecke, aus Weinrebengeflecht und Lehm) habe ich einige Löcher gemacht, damit die Flammen und die Hitze sich gleichmäßig verteilen können. Die Brennkammer hat nur ein bescheidenes Fassungsvermögen von ca. 60l.

Die Feuchtigkeit im Brenngut, sowohl im Ofen muss im Anfangsstadium des Brandes langsam entweichen, darum ist der Temperaturbereich bis 480°C ein äußerst kritischer, sonst kommt es zur Zerstörung des Brenngutes.

Insgesamt habe ich für den Bau des Ofens 250kg Bruchstein und Ziegelbruch, sowie 100 kg Lehm verwendet. Den Lehm zum Verkleiden der Steinkonstruktion habe ich zusätzlich mit Stroh und Heu gemagert. Dieses angeworfene Gemisch habe ich dann mit Brettchen bestmöglich verdichtet.

Die Heizkurve des Ofens wurde mit 20°C pro Viertelstunde veranschlagt, um die Restfeuchte vorsichtig aus dem Brenngut und dem Ofen auszutreiben.
Mit einem kleinen Feuerchen im Schürkanal um 13Uhr habe ich begonnen, wobei die Temperatur nach einer Stunde bereit bei 155°C angelangt war. Um 15Uhr 45 begann mit 300°C eine äußerst kritische Phase des Brandes. Als dann um 17Uhr 45 schon 520°C erreicht waren, entwickelte der Ofen eine Eigendynamik, die Temperatur stieg oft sprunghaft um 90°C an. Als dann ein Teil der Tennenvorderwand abbrach, kam es zu einem rapiden Abfall der Temperatur weil der Hitzestrom teilweise unterbrochen wurde.
Als ich mit Stangen es dann geschafft hatte den glühenden Lehmbrocken aus dem Ofen zu befördern stieg die Temperatur innerhalb einer Stunde um 250°C an. Noch eine Stunde Vollfeuer und die Temperatur erreichte um 20Uhr 15 seine Spitze von 882°C.

Da bereits eine Unmenge an Glut einen geregelten Luftstrom vom Schürkanal in den Feuerraum und unter die Tenne verhinderte sank die Temperatur wieder langsam ab um dann konstant bei 750°C zu bleiben.

Um 21Uhr musste die Befeuerung abgebrochen werden und der Schürkanal wurde durch eine Steinplatte geschlossen um ein unkontrollierten Anstieg der Temperatur durch einen neu beginnenden Luftstrom zu verhindern.

Der Brand hat also insgesamt 8 Std. kontrolliert stattgefunden. Am nächsten Tag um 18Uhr war noch immer ein gewaltiger Glutstock im Feuerraum und die Brennware hatte eine Temperatur von 70°C!!!!!

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[*] Verfasst am: 6-8-2008 um 17:33
experimenteller Keramikbrand



Leider bin ich wieder einmal auf keinem der Bilder zu sehen...

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[*] Verfasst am: 6-8-2008 um 17:36
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Luftzufuhr mit einem Karton... durch meinen Bruder Andreas

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[*] Verfasst am: 6-8-2008 um 17:37
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[*] Verfasst am: 6-8-2008 um 17:38
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[*] Verfasst am: 6-8-2008 um 17:41
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glühendes Brenngut.....!!!!!

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[*] Verfasst am: 6-8-2008 um 17:42
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ein Pyrometer war natrülich auch dabei....

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[*] Verfasst am: 6-8-2008 um 17:45
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[*] Verfasst am: 6-8-2008 um 17:48
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das Öffnen der Brennkammer....

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[*] Verfasst am: 6-8-2008 um 17:50
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meine gebrannten Töpfchenund Lampfen und Trinkstutzen...

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[*] Verfasst am: 6-8-2008 um 17:57
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Der verziegelte Brennraum mit der Lochtenne....

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[*] Verfasst am: 6-8-2008 um 18:01
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Das gelungen Brenngut zur linken....

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[*] Verfasst am: 6-8-2008 um 18:04
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..und die Fehlbrände zur rechten Seite!

Die Fehlbrände sind aber 2 sekundär gebrannte Gefäße aus einem fehlgeschlagenem Brand und eine Tonvariante bei der sich komischerweise Kalkklümpchen herauskristallisiert haben und die Ware geprengt haben...

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[*] Verfasst am: 6-8-2008 um 18:05


ja und der große Standbecher der war durch mich schlampig getöpfert, dat hat sich der Boden herausgelöst.
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[*] Verfasst am: 7-8-2008 um 09:07


Der Topf war SCHLAMPIG GETÖPFERT?

OK, welche Strafe erhält der Töpfer?
Ich meine, wenn schon Mittelalter, dann schon in vollem Umfang, oder? ;)

In Guedelon (die verrückten Franzoswen Bauen eine Burg) passiert das auch ständig ... siehe Bild von forschungsversuch dorteben mit der Univ. Paris zum Thema "Wie stellten die Leute im Mittelalter Bodenfliessen mit Farben in der noch heute vorliegenden Qualität her?"

dort haben sie einen Brennofen wie damals uvam. aufgebaut und versuchen und versuchen ....

Auch Dachziegen versuchen sie ... Ergebnis siehe Bild

teilweise starke Schüsselungen, Brandrisse - eh klar

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[*] Verfasst am: 7-8-2008 um 09:09


Der Brandofen in Guedelon

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[*] Verfasst am: 8-8-2008 um 21:05


Ein Ziegelbrand ist ja was viel "gröberes" als Gebrauchskeramik zu brennen!!! ;)
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speerstark
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[*] Verfasst am: 8-8-2008 um 21:20


auch Fliesen!

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[*] Verfasst am: 9-8-2008 um 08:57


Tolle Fliesen! Warum liegt da so viel Stroh herum? hat das irgend einen Sinn auf den noch zu trocknenden Fliesen?
lG Oliver
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speerstark
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[*] Verfasst am: 9-8-2008 um 20:12


Hallo Oliver!

Das Stroh ... keine Ahnung warum das so daliegt.
Die denken wohl, das sei damals auch herumgelegen.
Aber mit Trocknen hat es sicher nichts zu tun, soviel steht fest.
Es liegt dort überall herum!

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Rambo
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[*] Verfasst am: 10-8-2008 um 10:02


Stroh dient auch zu Magerung von Kermik.
Magerung: Fettiger Ton wird mit Sand oder häufiger mit organischen Stofen versetzt, wodurch die Schrumpfung und die Rissbildung der Tonware bei der Trocknung herabgesetzt wird


Gruß Rambo
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[*] Verfasst am: 10-8-2008 um 19:24


Was Magerung bei Keramik bedeutet, das ist mir schon klar!!! Doch dann lege ich nicht die Keramik ins Stroh! Ich denke das Stroh dient zum "schonenden" Trocknen der Fliesen...

lG Oliver
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[*] Verfasst am: 10-3-2009 um 16:26


...oder überhaupt zum Trocknen, da das Stroh die Feuchtigkeit aufnimmt!

lG Oliver
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