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Autor Betreff: Datierung - Vermutung, oder Nachgewiesen?
speerstark
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[*] Verfasst am: 6-9-2008 um 20:58
Datierung - Vermutung, oder Nachgewiesen?



Bei der Beschreibung einer Kirche in Frankreich, die südlich merowingische und nördlich karolingische Mauern haben soll, bin ich mal in einem meiner Bücher stöbern gegangen um zu erfahren, wie alt bei uns die ältersten "erhaltenen" - wenn auch Ruinen -Kirchen und Burgen sind.

Bei Klöstern bin ich bis auf das späte 7. Jhdt gekommen - Erzabtei St. Peter in Salzburg.

+ Gibt es ältere Kirchen/Klöster ?
+ Wie ist es da bei Burgen oder Schlössern?

Wenn geht in Österreich!
*OK, ich schreibe viel über Objekte außerhalb unserer Grenzen, bin aber dennoch an heimischen mehr interessiert*

lG
speerstark
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Andreas
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[*] Verfasst am: 6-9-2008 um 21:26


Behaupten die Linzer nicht, dass die Martinskirche auf dem Römerberg die älteste Kirche Österreichs ist (799)?
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speerstark
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[*] Verfasst am: 6-9-2008 um 21:37


Ja ... "behaupten" .... in St. Peter ist die Gründung nachgewiesen. Was ich nicht nachvollziehen kann, ob aus dieser Zeit dort auch Bauwerke erhalten sind. Oder es sind in St. Peter nur die Höhlen der Mönche?
In Bayern gibt es ein Stift/Abtei Altmünster, die soll vor 600 gegründet sein.
Wie in Österreich, so ist auch in Bayern leider der Barock-wahn *sorry* oft über die alten Gemäuer gefahren.

Deshalb mag ich Frankreich. Am Land gibt es dort Barock nicht!
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Andreas
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[*] Verfasst am: 6-9-2008 um 21:41


aber nichts gegen eine spätantike Kirche aus dem 5. Jhd! Am Frauenberg bei Leibnitz wurden Teile einer spätantiken frühchristlichen Kriche ausgegraben - angeblich war das dort ein spätantikes Rückzugsgebiet.
http://www.bda.at/text/136/1280/10597/

Zumindest im Frühjahr sah das ganze (für mich als Laien) nicht besonders spektakulär aus, doch haben die Archäologen angeblich erst einen kleinen Teil freigelegt.

das Bild zeigt die römischen Reste des keltisch/römischen Latobius-Tempels, gleich rechts davon (nicht im Bild) waren die Ausgrabungen der frühchristlichen Kirche.

Gibt's nicht auch in Kärnten Reste von frühchristlichen Kirchen?

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frauenberg.jpg - 102.26kb
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Oliver de Minnebach
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Motto: Wen interessiert Bauforschung?!?

[*] Verfasst am: 6-9-2008 um 21:43


Oh ja... mein ABSOLUTES Lieblingsthema!!!!! Speerstark jetzt lieb ich dich!!!! :)

Ich einmal duschen und dann platzt die Seite hier,..... [ganz ruhig bleiben lieber Oliver!!!!]


Bis gleich ;)
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speerstark
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[*] Verfasst am: 6-9-2008 um 21:47


Hähä, warte was ich aus Frankreich dazu zu bieten habe .

Ein Vorgeschmack ... siehe Bild

speerstark hat dieses Bild als Anhang hinzugefügt:
Église Saint-Léger -  012 bs.jpg - 83.73kb
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Motto: Wen interessiert Bauforschung?!?

[*] Verfasst am: 6-9-2008 um 22:22
Bewiesen und Datiert!!!



Zitat
Ursprünglich verfasst von speerstark

+ Gibt es ältere Kirchen/Klöster ?
+ Wie ist es da bei Burgen oder Schlössern?

Also ich versuche hier im Forum den Part für Niederösterreich und auch Oberösterreich zu übernehmen. Jeder der will kann und darf sich natürlich konstruktiv einklinken!
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Oliver de Minnebach
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Motto: Wen interessiert Bauforschung?!?

[*] Verfasst am: 6-9-2008 um 22:31
LINZ (OÖ)



Zitat
Ursprünglich verfasst von Andreas
Behaupten die Linzer nicht, dass die Martinskirche auf dem Römerberg die älteste Kirche Österreichs ist (799)?


Auf dem Areal einer spätantiken Höhensiedlung entstand wohl kurz nach der Mitte des 8. Jahrhunderts ein bairisch-herzoglicher Sitz, von dem sich Reste eines dem hl. Martin geweihten Zentralbaus erhalten haben. Nach dem Sturz des Herzogs Tassilo III 788 durch Karl den Großen fiel der Besitz an den Passauer Bischof, der hier einen geistlichen Stützpunkt mit Marktcharakter anlegte. 799 werden erstmals urkundlich Kirche und castrum genannt, worunter keinesfalls eine klassische Burg zu verstehen ist. In der Folge schwindet die politische Bedeutung von Linz, auch der Weiterbestand einer Befestigung ist nicht nachweisbar.


Von dem 799 genannten "castrum" fehlen bislang eindeutige archäologische Belege, nur die am Schlossberg gelegene St. Martinskirche erbracht bislang frühmittelalterliche Reste. Auch die hoch- und spätmittelalterliche Burg fiel einem 1599 im Auftrag von K. Rudolf II. erfolgten Abriss für das 1604 begonnene Schloss zum Opfer. Allerdings haben sich umfangreiche Außenbefestigungen erhalten, die zu den urkundlich gut überlieferten Ausbauten zur Festungsresidenz unter Erzhg. Albrecht VI. (1458-1463) sowie K. Friedrich III. (1458-1492) gehören.

Zu den Befuden der Martinskirche

Der westliche Schlossberg präsentiert sich noch heute inmitten der Großstadt als teilweise unbebaute Hochfläche der spätantiken bzw. frühmittelalterlichen Siedlung. Hier hat sich die höchst bemerkenswerte Martinskirche erhalten, die trotz eingehender Forschungen bislang nicht letztgültig datiert werden konnte. Nach Koch sind Fundamente eines rechteckigen Saalbaus, zu dem ornamentierte Schrankenplatten gehört haben, als die agilolfingische Martinskirche des 8. Jhs. zu deuten, die 799 urkundlich genannt wird. Teilweise noch aufrecht steht darüber ein ehemals großer Zentralbau mit vier Kreuzarmen, drei Apsiden und zentralem Vierungsturm. Diese Kapelle könnte noch in karolingische Zeit, zumindest aber in ottonische Zeit datieren und stellt somit einen der wenigen noch zumindest teilweise erhaltenen Bauten dieser Zeit in Österreich dar. Im 11. Jh. wurde daraus ein länglicher Saalbau geschaffen, der in der Gotik durch einen polygonalen Chor ergänzt wurde.



Seit 1995 Baubegleitende archäologische Untersuchungen durch das Bundesdenkmalamt sowie durch das OÖ Landesmuseum.

Grundriss mit Baualtersinterpretation von Patrick Schicht:

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346_23_20050809120033.gif - 71.21kb
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[*] Verfasst am: 6-9-2008 um 22:51
Pfarrkirche WIESELBURG (NÖ)



Nach der Herrschaft der Ungarn im heutigen Niederösterreich (907 bis 955) wurde in einer zwischen 976 u. 979 ausgestellten Urkunde Kaiser Otto II. an Bischof Wolfgang von Regensburg das Recht erteilt, am Zusammenfluss der Großen und der Kleinen Erlauf ein "cstellum" zu errichten. Im Rahmen der Heiligsprechung des Namenspatrones Ulrich ließ der Bischof 993 das zentrale Kirchenoktogon errichten. 1107 konnte das Kloster Mondsee ältere Besitzansprüche durchsetzen.

Innerhalb des Befestigungsareals liegt die dem Hl. Ulrich geweihte Pfarrkirche, die Teile der ehemaligen Burgkirche integriert. Sie wird mit dem Superlativ "ältester aufrechter Kirchenbau östlich der Enns" ausgezeichnet. ;)

Anlässlich eines großangelegten Kirchenumbaus 1953 bis 1958 wurde die Anlage des 10. Jh. wieder neu entdeckt und 1956 bis 1965 teilweise ausgegraben.

Die meisten Befunde sind heute wieder zugeschüttet bzw. stark rekonstruiert.

Das Oktogon ist zu 3/4 vollständig erhalten. Nach Herta Ladenbauer-Orel zufolge war der Kirchenbau ein quadratischer Kubus mit einst 4 eingerückten Rechteckräume mit Triumphbögen, darüber ein Oktogongewölbe. Es sind nicht nur die ursprünglichen Fenster erhalten sondern weite Teile der ursprünglichen Freskenausstattung.

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Kirche Wieselburg (105).JPG - 38.52kb
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[*] Verfasst am: 6-9-2008 um 22:52
WIESELBURG (NÖ)



Querschnittmodel des Oktogon in der Kirche:

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[*] Verfasst am: 6-9-2008 um 22:53
WIESELBURG (NÖ)



Modell/rekonstruktion der ergrabenen Befunde:

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[*] Verfasst am: 6-9-2008 um 22:55
WIESELBURG (NÖ)





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[*] Verfasst am: 6-9-2008 um 23:05
BURG RAABS an der THAYA (NÖ)



Geschichtliches:

Die schriftlichen Quellen setzten erst mit der Nennung eines Burgherrn „Gotfridi admissus in castrum Racouz“ in der Chronik Cosmas von Prag im Jahre 1100 ein. Aus den Jahren 1074 und 1076 kennen wir die Nennung eines Waldgebietes, der „silva Rogacz“ in zwei Königsschenkungen an die Babenberger Markgrafen. Noch heute wird Österreich von unsere nördlichen Nachbarn den Tschechen „Rakousko“ genannt – „das Land hinter Raabs“.
Die Instabilität im böhmisch-mährischen Raum in der 1. Hälfte des 11. Jahrhunderts führte immer wieder zu Konflikten. So ist uns in den Altaicher Annalen zum Jahre 1082 überliefert, dass der Sohn von Markgraf Adalbert eine „urbs“ im Bereich der heutigen nördlichen Landesgrenze eroberte nachdem sie seinem Vater gewaltsam entrissen wurde.
Der Chronist Cosma von Prag berichtet über den Gottfried von Raabs, dass dieser einen mit seiner Verwandtschaft offenbar zerstrittenen mährischen Přemysliden, Lutold, in seiner Burg aufgenommen hatte und dass dieser Gast dann nächtliche Überfälle auf mährisches Gebiet verübte, sodass sich schlussendlich Herzog Bratislaus von Böhmen veranlasst sah, mit einem Heer nach Mähren zu ziehen. Bevor aber es zu Kampfhandlungen kam, versuchte der Herzog die Situation friedlich zu lösen, indem er Gottfried an frühere Freundschaftsbündnisse erinnerte und die Auslieferung Lutolds forderte. Letzterer besetzte nun die Burg mit seinen Leuten. Auf Gottfrieds bitten belagerte der Herzog von Böhmen dann die Burg sechs Wochen, bis Lutold aufgab und er Gottfried die Burg Raabs wieder zurückgab.
Ein Gottfried von Raabs wird 1113 als Nürnberger Burggraf erwähnt, dieser soll schon 1104 durch Heinrich IV. eingesetzt worden sein.
Gottfrieds Bruder Konrad I. von Raabs erscheint bereits 1140 im Peronenverband um Markgraf Heinrich I.
Konrad II. erwirbt in der Folge den Grafentitel. Nach erlöschen der Raabser Grafen im Mannesstamm (um 1192) kommt es durch Heirat der beiden Erbtöchter zur Teilung der Grafschaft. Die älteste Tochter Sophie wurde durch ihre Vermählung mit Friedrich von Zollern zur „Stammmutter“ der Hohenzollern und der späteren preußischen Könige und deutschen Kaiser. Der Westen mit Burg ging an die Grafen Hirschberg-Tollenstein, der weitere Teil mit dem Markt Raabs um 1200 an Herzog Leopold VI. (O.F.)

Beschreibung der Befunde:
Angeregt durch Einzelfunde die bei „Schatzgrabungen“ durch den Vorbesitzer W. Enk im ca. 6 x 12 m großen Keller, unter dem so genannten „Großen Rittersaal“ zutage gefördert wurden, veranlasste zu archäologische Grabungen (1996) in diesem Bereich. Das Ergebnis der durch S. Felgenhauer-Schmiedt durchgeführten Grabung stellt sich heute wie folgt dar: An eine 1,12 m starke, W-O verlaufende Bruchsteinmauer mit Mörtelbindung ist eine trocken verlegte Binnenmauer angestellt. Westlich bildet die Mörtelmauer einen abgeschrägten Abschluss aus, vermutlich die Laibung einer Öffnung. Im Osten zeichnet sich noch innerhalb des Kellers eine Ecksituation ab. Der jüngere, aus dem 12. Jh. stammende Bering ist direkt an die S-Front dieser Mauer angestellt. Im Inneren laufen zahlreiche Begehungshorizonte, zumeist aus Estrich, an die ältere Mörtelmauer. Der Fund- und Befundsituation zufolge ist auf dem Raabser Burgberg eine Besiedlung des 11. Jh. zu erschließen. Die aufgefundenen baulichen Reste belegen einen frühen Steinbau, welcher noch an anderen Bereichen der heutigen Burg zu erwarten ist und datiert stratigraphisch in die Zeit um 1050. (O.F.)

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Grabung Raabs.jpg - 35.49kb
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[*] Verfasst am: 7-9-2008 um 07:29


nochmals zur ältesten Kirche - St. Peter im Holz / KTN bzw. das römische Teurnia haben auch gute Chancen auf einen Platz am Stockerl - 5./6. Jhd frühchristlicher Bischofssitz.

http://www.landesmuseum-ktn.at/Landesmuseen/Teurnia/teurniafr.html
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[*] Verfasst am: 7-9-2008 um 18:53
Nochmals BURG RAABS



Hier eine steingerechte Zeichnung des stratigraphisch datierten Mauerwerks aus der Zeit um 1050.
(Grafik aus:Sabine FELGENHAUER-SCHMIEDT, Archäologische Forschungen in der Burg Raabs an der Thaya in: Beiträge zur Mittelalterarchäologie in Österreich, 22/2006, 15ff.)

Die Mauerstruktur wirkt sehr tektonisch und wenn ich sie so in natrua sehen würde, dann würde sie mir Datierungsansätze um 1200 bieten.

Dieser Befund ist für eine Burg im hochmittelalterlichen Sinn nördlich der Alpen etwas ganz Besonderes.

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[*] Verfasst am: 8-9-2008 um 15:24
St. Martin in KLOSTERNEUBURG (NÖ)



Frühmittelalter St. Martin I (9./10. Jh.)

Die Spuren des ältesten Sakralbaus, der vorromanischen Holzkirche, wurden vor dem heutigen Triumphbogen nachgewiesen. Es blieben nur die Pfostengruben der Westwand eines Holzhauses erhalten. Der Eingang wird wegen der Lage des frühmittelalterlichen Friedhofes an der Südseite angenommen.



Frühromanik St. Martin II (11. Jh.)

Wesentlich besser fassbar ist die erste Steinkirche. Nachweisbar sind das Langhaus von 13,5 x 8,5 m und die um Mauerstärke eingezogenen Längswände eines Chorquadrates. Auf Grund der archäologischen Auswertung wird diese Chorquadratkirche in die Zeit nach dem Jahre 1000 datiert. Der Bau war flach gedeckt und weist bei einer lichten Weite des Langhauses von 6 x 3,8 m die beachtliche Mauerstärke von 1,2 m auf.



Hochromanik St. Martin IIa (12. Jh.)

Die besondere Stellung der zweiten Martinskirche, auf die der Emporenbau hinweist, wird durch eine Erweiterungsphase noch unterstrichen. Vor der Westwand der frühromanischen Chorquadratkirche wurde ein rechteckiger Baukörper (Turm) über einem relativ mächtigen Trockenfundament (Schüttfundament) errichtet. Der ursprüngliche Aufriss und die Innengliederung des Westquerbaus von St. Martin IIa ist nur bedingt rekonstruierbar. Die relativ hohe Fundamentstärke lässt auf einen überhöhten Baukörper schließen, der als eine Art Westwerk vor dem erweiterten Kirchenbau liegt (erste und zweite romanische Bauphase).



Frühgotik St. Martin III (13. Jh.)

Die hochromanische Martinskirche scheint bis Ende des 13. Jahrhunderts den Ansprüchen als Pfarrkirche genügt zu haben. Die heutige Kirche wird in ihren Dimensionen im wesentlichen von einem frühgotischen Neubau bestimmt. Die hochromanische Kirche wurde abgebrochen und durch das bestehende Langhaus überbaut. Daran schloss ein Langchor unter dem ein Ossuarium (Beinhaus) angelegt wurde, welches heute den Schauraum 1 der archäologischen Gedenkstätte bildet.
Der ehemalige Aufriss des frühgotischen Neubaus ist an der Nordseite des Langhauses abzulesen. Hier wurden drei Rundfenster von durchschnittlich 1,45 m lichter Weite freigelegt. Etwa 1,20 m über den Öffnungen der Rundbogenfenster deutet eine dünne Linie im Verputz die ursprüngliche Höhe des frühgotischen Langhauses an. Es hatte demnach nur die halbe Höhe der jetzigen Kirche.



Zubau Frühgotik St. Martin IIIa (13./14. Jh.)

Aus dem Bestreben der Distanzierung vom üblichen Pfarrbetrieb bei gleichzeitiger baulicher Integration resultieren zwei zunächst räumlich voneinander getrennte Kapellenanbauten im Süden des frühgotischen Langhauses. 1291 wurde eine St.-Bartholomäus- und eine Maria Magdalena-Kapelle, welche später der Bäckerzunft als Grablege diente (heute Sakristei), von Ulrich von Kritzendorf gestiftet.1377 entstand an der Südseite ein weiterer Kapellenanbau - die Sigmundskapelle. Spätestens zu diesem Zeitpunkt wurde der seitliche polygonale Treppenturm errichtet und der Zugang zum Ossuarium erhielt eine Art Vorhalle mit äußerem Portal. Das Lichthäuschen (Grablaterne) mit der nicht ganz richtigen Inschrift "PRO FIDELIS DEFUCTIS" hängt mit dem Totenkult zusammen und konnte vom Treppenturm aus mit einer Lampe beschickt werden.



Spätgotik St. Martin IV (15. Jh.)

Eigentlich ist die Umgestaltung der Martinskirche im 15. Jahrhundert lediglich ein Umbau des frühgotischen Langhauses zur spätgotischen Wandpfeilerkirche. Der Beginn der rigorosen spätgotischen Veränderungen, welche gleichsam einem Kirchenneubau unter Verwendung des frühgotischen Baukerns gleichkommt, ist urkundlich nicht eindeutig überliefert. Nach der von Maximilian Fischer verfassten Biographie des Propstes Georg I. Müstinger wäre die Grundsteinlegung für den Chor am 12. Mai 1419 erfolgt, nach der Pfarrchronik erst 1421 am Vorabend von Peter und Paul.
Der frühgotische Chorbau wird bis auf den Turmbereich geschleift, um ein Joch verlängert und mit einem Polygon in fünf Seiten des Achtecks geschlossen. Der Chor fluchtet nun im Süden mit dem frühgotischen Langhaus. Außerdem wird der neue Chor gegenüber dem Langchor des 13. Jahrhunderts wesentlich überhöht und im Bereich des Turmes überbaut.



Zubauten Spätgotik St. Martin IV (Ende 15. Jh.)

Parallel zu den beiden westlichen Chorjochen wird ein Kapellenbau mit halbem Polychronchor angestellt, der später als Sakristei diente und nach 1982 zu einer Werktagskapelle umgestaltet wurde. Die beiden in der Frühgotik (1291 und 1377) angebauten Kapellen wurden verbunden, so dass ein Seitenschiff entstand.



Spätbarock St. Martin V (17./18. Jh.)

Die letzte große Umgestaltung des Kirchenraumes erfolgte nach der Zerstörung im Zuge der Türkenbelagerung von 1683. Die durch Brandschatzung schwer beschädigten Mauern und Gewölbe wurden nicht nur saniert, vielmehr nahm man die Zerstörung für einen Umbau der Kirche im Sinne des Barocks zum Anlass (Kanzelbau - neues Oratorium usw).
Die Barockisierung folgte einem von den Jesuiten entwickelten Raumschema und war 1727 abgeschlossen. Die neue Kirche konnte "in schöner Gestalt" für den Gottesdienst übergeben werden.


Das Buch "Die Pfarrkirche St. Martin, einst und heute" (von Johannes-W. Neugebauer und seinem Team) ist in der Pfarrkanzlei zum Preis von

26.-€ während der Öffnungszeiten erhältlich. Buchbestellungen per Fax

(Österreich 02243 38 1 58) oder e-mail (st.martin-klosterneuburg@utanet.at) zuzüglich Nachnahme und Portospesen möglich.

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[*] Verfasst am: 8-9-2008 um 20:32


Tolle Liste Oliver!

Also Linz (=älteste)?
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[*] Verfasst am: 8-9-2008 um 21:07


Nein, es geht noch weiter aber mir fehlt die Zeit!
Ab morgen Vormittag gehts weiter;)
lG Oliver
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[*] Verfasst am: 9-9-2008 um 07:25


Gelten die spätantiken Kirchen nicht?
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[*] Verfasst am: 9-9-2008 um 08:22


Klar, alles gilt!

Gibt es denn die in Österreich?

Nekropolen?
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[*] Verfasst am: 9-9-2008 um 08:41


Nekropolen, gibs in Österreich zu Hauf, doch was verstehst du genau unter einer Nekropole? Das klassische Bauwerk als Grablege oder doch eine Ansammlung von Grablegen?

lG Oliver
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[*] Verfasst am: 9-9-2008 um 09:11
spätantike Kirchen



bitte siehe oben:

Frauenberg / Leibnitz / STMK
St. Peter im Holz, KTN

und dann gibts, so glaube ich, noch ein paar
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[*] Verfasst am: 9-9-2008 um 09:16
spätantike Kirchen 2



Hemmaberg / KTN

http://homepage.univie.ac.at/elisabeth.trinkl/forum/forum0601/19hemma.htm

http://de.wikipedia.org/wiki/Hemmaberg

http://epub.oeaw.ac.at/2899-1

dagegen ist Linz mit dem 9. Jhd ganz, ganz "jung"
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[*] Verfasst am: 9-9-2008 um 09:16


Ja her mit den spätantiken Kirche! Die gelten schon!!!
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[*] Verfasst am: 9-9-2008 um 09:20
spätantike Kirchen 3



Grazerkogel, Kärnter Zollfeld / KTN

2 frühchristliche Kirchen 5./6. Jhd

http://de.wikipedia.org/wiki/Grazerkogel
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[*] Verfasst am: 9-9-2008 um 19:39
Mautern (NÖ) Favianis



Severinkloster

Halt ich hier frei... kommt später noch ausführlicher!
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[*] Verfasst am: 10-9-2008 um 09:09
Oberleiserberg (NÖ) im Weinviertel



Was immer gerne übersehen wird ist die Siedlung am Oberleiserberg im Weinviertel, das liegt nördlich der Donau.

Hier hat man eine immer wieder kehrende Besiedlung vom Neolitikum bis in die Frühe Neuzeit.

Sehr informatie ober nicht mehr aktuelle Seite:
http://www.oberleiserberg.at/

Die Befunde dort sind für NÖ nördlich der Donau schon ein absoluter Knüller!

lG Oliver
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[*] Verfasst am: 10-9-2008 um 13:54
Gars am Kamp



Diese "Dark Ages" sind für Österreich extrem spannend, da so wenig bekannt ist. Nicht nur spätantike romanische (z.B. Kärnter Grazerkogel) oder germanische (spitzen link oben zum Oberleiserberg), sondern auch einige wenige slawische Siedlugnen mit "Burgwällen" sind erforscht (z.B. Gars am Kamp) - aber das fällt ja in "Deinen" Bereich - Oliver!?

wikipedia: Um 800 n. Chr. errichteten Slawen auf der „Holzwiese“ und der angrenzenden „Schanze“ eine stadtähnliche Siedlung, die von einem Burgwall umgeben war. Ausgrabungen förderten auch Reste einer Kirche sowie Fürstengräber aus jener Zeit zutage. Lange dachte man, dass diese slawische Stadt durch die Babenberger 1041 zerstört wurde, doch wahrscheinlicher ist, dass sie bereits im 10. Jhdt. einem Ungarn-Einfall zum Opfer fiel.
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Motto: No Mood

[*] Verfasst am: 10-9-2008 um 15:57


Eine nette Spätantike Kirche hätten wir auch in Teurnia in Kärnten.

http://de.wikipedia.org/wiki/Teurnia
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Oliver de Minnebach
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Motto: Wen interessiert Bauforschung?!?

[*] Verfasst am: 10-9-2008 um 18:27
Salvische Burganlage in Gars-Thunau (NÖ)



Das Gebiet um Gars hat eine bis in die Jungsteinzeit zurückreichende Siedlungstradition. Anstelle einer prähistorischen Siedlungsstätte entstand um 800 bei Thunau ein lokales slawisches Herrschaftszentrum auf der "Holzwiese" auf dem Schanzberg. Die durch einen Wall befestigte Höhensiedlung wurde um 900 ausgebaut und vermutlich im Zuge der Ungarneinfälle im 10. Jahrhundert zerstört. Die ältere These, sie wäre 1041 von den Babenbergern zerstört worden, gilt inzwischen als widerlegt.

Im Laufe des 11. Jahrhunderts wurde Gars (Gorze) babenbergisch. Unweit der alten slawischen Anlage entstand auf dem Taborberg vermutlich eine - möglicherweise nach der Schlacht von Mailberg (1081) gegründete - pfalzartige Residenz der Babenberger, die vorübergehend zum regionalen Zentrum des Landesausbaus nördlich der Donau wurde und wohl den Machtanspruch der Babenberger im neu gewonnenen Gebiet dokumentieren sollte. Diese residenzartige Anlage ist archäologisch allerdings nicht nachweisbar, denn der älteste erhaltene Bauteil der Burg, das so genannte "Feste Haus" auf der Hügelkuppe, wird in die erste Hälfte des 12. Jahrhunderts datiert.

Oliver de Minnebach hat dieses Bild als Anhang hinzugefügt:
Gars (2).JPG - 101.29kb
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