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Autor Betreff: Es war einmal eine Kirche
karolyi
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[*] Verfasst am: 20-2-2009 um 14:15
Es war einmal eine Kirche



Wie ich schon hier im Forum kurz angesprochen habe, habe ich eine Altkirche welche dem Eppensteiner Geschlecht zugeschrieben wird. Diese wurde bereits 1798 dem Erdboden gleichgemacht. Verschiedene Privatforscher haben diese Kirche um etwa 1930 freigelegt und von einem Baumeister bei der Ausgrabung diesen Plan anfertigen lassen. Es ist mir aus Urkunden bekannt, dass diese Kirche im 16. Jh. Erneuert und umgebaut worden ist. Diesen Teil habe ich rot hervorgehoben. Es war dieser Zubau ein zweiter Turm. In diesem Turm hat sich die Sakristei befunden (am Schnitt blau dargestellt). Der Grabungsbericht nennt in diesem Turm auch den Fund einer Wendeltreppe welche von der Sakristei in den Turm geführt hat. Ich nehme an, dass wo hier der Boden in dieser Sakristei vertieft ist, einstmals der Altar auf einem Lettner aufgebaut war und der Priester nur von der Sakristei aus zum Altar gelangen konnte. Die Decke von der Sakristei ist heute noch in einem Bauernhaus vorhanden (sog. Riamlandecke). Weiters wird die innere Raumhöhe der Kirche mit 5 Meter bezeichnet und die Kirche im Aussehen mit der Karnburg gleichgesetzt. Ich konnte noch einiges vor Ort sichten und musste feststellen, dass das meiste Material aus gotischer Zeit war und eben von diesem Umbau stammen muss. So konnte ich noch einen Sockel einer ¾ Säule sicherstellen aber auch eine dazugehörige Säulentrommel habe ich aufnehmen können.
Es war diese Kirche immer eine Eigenkirche. Zu ihr gehörten auch 2 Bruderschaften und das Recht der Bestattung. Deshalb gab es auch 3 Altäre in dieser Kirche. Die Kirche war zu keiner Zeit Pfarrkirche und das macht die Sache nur noch komplizierter. Soweit ich weiß gab es aber keine Bruderschaften in einer normalen Kirche! Ich habe es hier mit einem sehr ominösen Fall zu tun, da sämtliche Unterlagen ob in Graz, Salzburg oder Bayern nicht oder nur spärlich vorhanden sind. Aus Überlieferungen ist bekannt, dass die Bauern einen der 2 Türme retten wollten. Was noch an Figuren, Paramente und der Gleichen vorhanden war können wir aus dem Abbruchbescheid entnehmen. Mit dem Abbruchmaterial wurde eine Friedhofskirche errichtet welche es inzwischen auch nicht mehr gibt.
Geografisch lag die Kirche auf einem Ausläufer an einem Ried von 333m Seehöhe von West nach Ost gelegen. Der neue Turm war der Ostturm und er ist auch von der Mauerstärke dünner als der Westturm. Zwischen Ostturm und Wehrmauer war es kaum mehr als 2m. Der Hügel auf dem Die Kirche gestanden hat baut sich aus mehreren Terrassen auf. Die wohl höchste Terrassenstufe war auf der Ostseite mit etwa 7 bis 9 Meter, lt. Aussage des Besitzers. Die gesamte Ausgrabung wurde aus landwirtschaftlichen Überlegungen geschliffen und die besagte Stufe im Osten ein flacher Hang. Am Fuße der Anlage habe ich im Ackerboden die hier vorbeiführende Römerstrasse gefunden.
Nun meine brennende Frage an alle Kirchen und Burgenkundigen:
Wo befindet sich ein ähnlicher Wehrbau mit einer solchen Kirche?
Wer kennt eine ähnlich quadratische Kirche mit 2 Türmen?
Wer von euch hat Unterlagen oder Literatur über solche Kirchen?

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karolyi
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[*] Verfasst am: 20-2-2009 um 14:15
Säulentrommel





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karolyi
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[*] Verfasst am: 20-2-2009 um 14:16
Säulenfuß





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Oliver de Minnebach
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Motto: Wen interessiert Bauforschung?!?

[*] Verfasst am: 20-2-2009 um 19:39


Hallo Karoly!


Klingt ja sehr sehr interessant!!!

!.) GIBT ES ÜBERHAUPT KEINE RESTE DER KRICHE MEHR?
Gibts Fotos vom Mauerwerk, usw.?

2.) Eine quadratische Kirche istwirklich sehr selten!!!
Könnte sein, dass sie vorher etwas anderes war. Mich irretiert nur, dass der Chorraum bzw. der Turm im Osten jünger ist. Wenn der Bauteil primär wäre, wär es schon etwas klarer.

3.) Die gotischen Bauteile sind Anfang 16. Jh.

lG Oliver
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karolyi
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[*] Verfasst am: 21-2-2009 um 11:45


Leider, die Kirche ist für immer und endgültig verschwunden. Dank der Ausgrabung aus den 30.er kennen wir den Grundriss. Wie gesagt die bestehende Geländestufe, wo die Kirche gestanden hat, wurde zur Gänze um etwa 4Meter abgetragen. Allerdings dürften an der noch verbliebenen restlichen Oberfläche dieser Gelendestufe die Restfundamente vom Karner vorhanden sein. Dieser dürfte aber auch erst im 16.Jh entstanden sein. Das Einzige was hier am Ackerboden noch zu finden ist, sind Skeletteile und Weinmörtelreste. Aus der Barockzeit finde ich noch genug Material bei den umliegenden Bauern an (Kerzenleuchter, Truhen, Kasten, Figuren usw.). Beachtlich ist für mich der mächtige Turm an der Westseite, und die Fundamentmaße sind genau die Gleichen wie in Hengsberg.
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Herbert
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[*] Verfasst am: 21-2-2009 um 17:20


Kennst du vielleicht das Patrozinium der Kirche ? Wo liegt den die Kirche, Bruderschaften gab es in vielen Kirchen, jedoch eher in den Städten. Vom Grundriß hat die Kirche mit Karnburg wenig zu tun, da das Schiff in Karnburg länglich ist und hier quadratisch.
Der Rechteckchor soll ja aus der Barockzeit stammen, oder, bist du dir sicher ?
Für einen Ostturm scheint mir das Fundament ein bisserl zu schwach zu sein, vielleicht war es nur ein hölzerner Dachreiter, oder ein Holztürmchen als Aufsatz über dem Chorquadrat ?
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Herbert
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[*] Verfasst am: 21-2-2009 um 17:37


Stell mal ein Foto von der Riamlandecke ins Netz.
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karolyi
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[*] Verfasst am: 22-2-2009 um 09:51


Mit den Bruderschaften bist du im Irrglauben. Beinahe in jeder Altkirche welche eine Pfarrkirche war gibt es mindestens eine Bruderschaft in unserer Region. Eben wie gesagt nur in Pfarrkirchen! Die Kirche wurde nur einmal umgebaut und das war in der Gotik. Die 2 Türme sind in der Bevölkerung noch immer präsent, kein Wunder man wollte ja einen der Türme erhalten. Von der Decke habe ich leider kein Foto gemacht da diese nach dem Krieg mit weißer Ölfarbe gestrichen worden ist.
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Herbert
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[*] Verfasst am: 23-2-2009 um 12:36


Aus welcher Region bist du denn ? Meines Wissens gab es und gibt es im Mittelalter Pfarrkirchen, die einer Diözese unterstanden und für die Bevölkerung geöffnet waren und Eigenkirchen, die im Besitz von Adeligen oder Ministerialen waren bzw. sind. (z.B Burkkapellen, bzw. Burgkirchen, Grabeskirchen). Was du mit Altkirchen meinst weiß ich nicht.
In Stromberg(Hunsrück) gibt bzw. gab es eine Burgkirche mit nahezu quadratischem Grundriß. Sie besaß vermutlich zwei Geschosse war ein sogenannter Zentralbau und wurde Ende 12. Jh. erbaut und besitzt jedoch eine Rundapsis.
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Herbert
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[*] Verfasst am: 23-2-2009 um 12:55


Meinst du mit Altkirchen vielleicht Urpfarren ?
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karolyi
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[*] Verfasst am: 23-2-2009 um 17:34


Diese Kirche lag inmitten der karantanischen Mark und wie ich oben schon geschrieben habe war sie eine Eppensteiner Kirche. Möglicherweise war diese Kirche auch eine Urkirche. Sie hat bis ins 13Jh. Zum Geschlecht der Wildoner gehört. Das Ominöse ist, dass wir sehr viel über diese Kirche wissen, nur gibt es kaum oder nur spärlich Aufzeichnungen in div. Archiven. Auch nicht in Salzburg obwohl von der Umgebung hier der Zehent ab 1060 an Salzburg abgeliefert worden ist. Die Kirche war stets eine Eigenkirche hatte aber zeitweise einen eigenen Pfarrer. Auch Wallfahrten (z.B. Marcitag) wurden an bestimmten Tagen zu dieser Kirche von den Umliegenden Pfarren durchgeführt. Dabei wissen wir auch, dass an diesen Tagen Märkte abgehalten wurden, und dass obwohl der Ort zu keiner Zeit das Marktrecht besessen hat. Genau die Fragen von Hebert brenn mir auch unter meine Nägel.
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karolyi
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[*] Verfasst am: 13-2-2010 um 10:21
Schießscharte



Ich habe hier meine Forschungsarbeit weiter betrieben und bin auf einige Fundorte aufmerksam geworden. So z.B ist im Pfarrhof von Stainz wo eine Schießscharte eingemauert freigelegt wurde. Die gleiche ist detto bei einem Bauern in Ettendorf in einem Stall eingemauert. Es dürfte sich dabei um die Schießscharten der Friedhofsmauer handeln. Nachdem ich auch diese Schießscharte für gotisch halte, dürfte dieser Wehrbau meiner Meinung nach zur Türkenzeit arg in Mitleidenschaft gezogen worden sein.
In einem alten Buch aus dem Jahre 1930 konnte ich lesen, dass die älteren Einwohner damals noch von einer Festung ähnlich einer römischen Burg gesprochen haben.

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