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Autor Betreff: Bindemittel - im MA -- Womit vermauerten die Altvorderen ihre Steine?
speerstark
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[*] Verfasst am: 17-4-2009 um 21:41
Bindemittel - im MA -- Womit vermauerten die Altvorderen ihre Steine?



Was mich schon lange mehr oder weniger beschäftigt ist, dass die Burgen, Bürgerhäuser, Kirchen udgl. gemauert sind.
Ok, das ist nix besonders neues.
Aber wonach hat sich das Bindemittel und in weiterer Folge der Mörtel, gerichtet?

Nach den zur Verfügung stehenden Materialien dafür?
und/oder
Nach dem Wissen oder Unwissen diese Materialien herzustellen?
und/oder
Gab es verschieden, bewußt eingesetzte Materialien zum Mauern, für bestimmte Einsätze / verschiedene Bauten / verschiedene Anwendungen?

uvam.

Ich denke es gibt viele Arbeiten wissenschaftlicher Natur darüber, aber gibt es auch eine Art "Zusammenfassung"?
Was haben die alten Römer damit zu tun? Oder eben nicht zu tun? -wie es ja auch die Römer machten-
War auch auf diesem Gebiet der Bindemittel, des Mörtels, Wissen aus der Antike für das MA verloren gegangen?

Wieder so eine doofe Frage von mir. Verzeiht!

lG
speerstark
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Mart
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[*] Verfasst am: 17-4-2009 um 22:53


Zusammenfassend fällt mir in Kürze Folgendes dazu ein:

- Heutzutage enthält fast jedes Bindemittel "am Bau" Portlandzment als wesentlichen Bestandteil - der ist aber erst seit dem späten 18. Jhdt verfügbar.

- Davor verwendete man Kalkmörtel der auf einem anderen chemischen Kristallisationsvorgang beruht und einige technische Nachteile hat, aber auch leichter herzustellen war.

- Bereits die Römer kannten einen Stoff der auf einer ähnlichen Reaktion wie der Portlandzement beruhte (opus caementum oder so) und ähnlich wie Beton verarbeitet werden konnte (siehe Pantheon). Das Wissen um die korrekten Zuschlagstoffe ging aber bis zum Mittelalter verloren.

- Die Venezianer haben wasserfeste Spezialmörtel eingesetzt um die Fundamente ihrer Stadt zu errichten.

- Eine Vermutung von mir: Die Herstellung von Kalkmörtel setzt nicht nur einen gewissen Aufwand (Kalk finden & brennen) sondern auch ordentlich Fachwissen voraus, daher nehme ich an dass die Verfügbarkeit von Mörtel ein nicht so unwesentlicher (Kosten-?)Faktor bei der Errichtung einer Burg gewesen sein wird. Vielleicht erklärt das auch den vergleichsweise geringeren Mörtelanteil bei älterem Mauerwerk.




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gropli
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[*] Verfasst am: 18-4-2009 um 06:56


Grüezi

Brennen und Löschen von Kalk ist eine aufwendige und materialintensive Angelegenheit. Das erfordert viel Fachwissen und Erfahrung, das haben praktische Versuche in den vergangenen Jahrn gezeigt...
Für die Herstellung von gelöschtem Kalk braucht es neben dem richtigen Gestein, einem Brennofen und grosse Mengen an Brennholz. Deshalb war früher Kalk (Kalkmörtel, Sumpfkalk) sehr teuer und wurde bei Profanbauten nur sehr sparsam eingesetzt.

Gruss Gropli


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karolyi
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[*] Verfasst am: 18-4-2009 um 07:50


Der Kalkmörtel wurde nicht wie von Gropli angenommen mit Sumpfkalk sondern nur mit bis zur Korngröße zerkleinertem ungeloschenem Kalk und mit Bergsand hergestellt. Es ist das der sog. Weinmörtel und diesen kannten auch schon unsere alten Römer. Man muß bedenken, dass beim abmischen eines solchen Mörtels immer wieder starke Verletzungen gegeben hat, vor allem die Augen, und dass dürfte auch die Namengebung „Weinmörtel“ gewesen sein. Wer die gemörtelten Mauern in Burgen genau betrachtet findet in diesem Kalkreste bis zu 8mm im Mörtel. Daraus läßt sich auch die Sorgfalt für die Herstellung eines solchen Mörtels schließen. Weiters wurde dieser Mörtel auch für die Herstellung von Estrich verwendet. Wird vorwiegend in MA Kirchen gefunden.
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gropli
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[*] Verfasst am: 18-4-2009 um 08:40


Lieber Karolyi

Da hast du mich falsch verstanden. Ich wollte bloss sagen, dass gebrannter Kalk sowohl für Kalkmörtel, wie auch für Sumpfkalk verwendet werden kann.

Bist du sicher, dass man damals mit ungelöschtem Kalk Mörtel herstellte? Das würde ja bedeuten, dass man den gebrannten Kalk sofort weiterverarbeiten musste, da er sich aufgrund Luftfeuchtigkeit inner weniger Tage selber "löschte". Zudem ist ungelöscher kalk (wie du schon schreibst) stark ätzend. Übrigens; gebrannter Kalk zerfällt beim Löschen zu Brei, der muss nicht extra zerkleinert werden!

Das heute im Kalkmörtel noch Kalkkörner zu finden sind, würde ich eher dahingehend deuten, dass damals zu niedrig gebrannt wurde oder ungeeinetes Gestein verwendet wurde...

Gruss Gropli


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chateaufort
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[*] Verfasst am: 20-4-2009 um 21:01


Es ist keine doofe Frage, sondern eine der gefürchteten "Alles und Nichts"-Fragen.
Eine zentrale Frage für den Baubetrieb und in kalkarmen Gegenden sicher auch eine Kostenfrage. Ein schöne Stichwort in dieser Hinsicht: "Auszwickung".

Daher mache ich auf zwei Sonderfälle aufmerksam:
- Lehmmörtel bzw. stark lehmhaltiger Mörtel. Haltbar solange das Gebäude intakt ist. Als Ruine ein Problemfall.
- Trockenmauerwerk. Hier ist allerdings immer die Frage zu stellen, ob hier nicht ein ehemals vorhandener Mörtel verschwunden ist. Eine der interessantesten Burgen mit erheblicher Verwendung von Trockenmauerwerk ist der koppenstein bei Henau (südlich von Gemünden) im Rhein-Hunsrück-Kreis, einer der faszinierendsten Burg-/Stadtanlagen des Hunsrück.

Grüße, chateaufort




"Ein Räthsel, [...] (dessen) Geheimniss sich nur allmählich zu entschleiern beginnt, muss immer wieder vom Forscher neu zu rathen versucht werden. Die beste Vorübung aber erscheint dazu die stets erneute Untersuchung des räthselhaften Objektes selbst." (C[hristian] Mehlis, Zur Dürkheimer Ringmauer, in: Jahresbericht der Pollichia / eines naturwissenschaftlichen Vereins der Rheinpfalz zu Dürkheim a. d. H., Bd. 37-39, 1881, hier S. 71)
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speerstark
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[*] Verfasst am: 20-4-2009 um 21:43


Zitat
Ursprünglich verfasst von chateaufort
Es ist keine doofe Frage, sondern eine der gefürchteten "Alles und Nichts"-Fragen.
Eine zentrale Frage für den Baubetrieb und in kalkarmen Gegenden sicher auch eine Kostenfrage. Ein schöne Stichwort in dieser Hinsicht: "Auszwickung".
.......
Grüße, chateaufort


Na jo, "Alles oder Nichts" - Fragen ... sind i.d.R. doof, aber was solls. Sorry.

Zusammenfassend bisher:
+ Über das warum und wie wird wenig angemerkt.
+ Über das was es war (Mischung, Material, ...) mehr.

Ich kann mir jedoch nicht denken, dass NUR nach dem zur Verfügung stehenden Material beim Bau gefragt wurde.
Wie in Freyenstein, beim modernen Mörtel/Patschok, ist doch sicher auch "damals" an den Zweck, den Anforderungen an das Material nach dem Einbau, usw. gedacht worden.

Damals wie heute wurden spezielle Stoffe (Zusatzstoffe, ...) wenn nötig auch von weiter hergeschafft.
Jedoch, was waren die Grundlagen des Wissens um die Eigenschaften von Zusätzen oder Grundmaterialien??

Literatur gibt es fast unzählig viel dazu.
Jede Menge Geschwafel.
Bislang ist mir mir noch keine halbwegs eindeutige Aussage zum "Wissen" bzw. der "Wissensgrundlage" im MA bekannt.

lG
speerstark
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gropli
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[*] Verfasst am: 21-4-2009 um 06:35


Zitat
Ursprünglich verfasst von chateaufort
Es ist keine doofe Frage, sondern eine der gefürchteten "Alles und Nichts"-Fragen.
Grüße, chateaufort

...welche Frage meinst du?

Gruss gropli


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chateaufort
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[*] Verfasst am: 22-4-2009 um 15:49


"Aber wonach hat sich das Bindemittel und in weiterer Folge der Mörtel, gerichtet?"

Ja, wer kann Mörtelanalysen im größeren Umfang machen? Der Augenschein gibt einige Hinweise auf Bindemittel und Zuschlag, aber nicht mehr.

Ein weiterer Faktor für das Verwenden von Mörtel ist übrigens das Wasser. Wenn hier die Transportkosten zu groß wurden, hat man auch lieber Trockenmauerwerk verwendet... Steine gab es ja gelegentlich vor Ort.

Grüße, chateaufort




"Ein Räthsel, [...] (dessen) Geheimniss sich nur allmählich zu entschleiern beginnt, muss immer wieder vom Forscher neu zu rathen versucht werden. Die beste Vorübung aber erscheint dazu die stets erneute Untersuchung des räthselhaften Objektes selbst." (C[hristian] Mehlis, Zur Dürkheimer Ringmauer, in: Jahresbericht der Pollichia / eines naturwissenschaftlichen Vereins der Rheinpfalz zu Dürkheim a. d. H., Bd. 37-39, 1881, hier S. 71)
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gropli
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[*] Verfasst am: 22-4-2009 um 16:24


Zitat
Ja, wer kann Mörtelanalysen im größeren Umfang machen? Der Augenschein gibt einige Hinweise auf Bindemittel und Zuschlag, aber nicht mehr.

Ein weiterer Faktor für das Verwenden von Mörtel ist übrigens das Wasser. Wenn hier die Transportkosten zu groß wurden, hat man auch lieber Trockenmauerwerk verwendet... Steine gab es ja gelegentlich vor Ort.

Grüße, chateaufort
Mit deiner Aussagen bin ich nicht ganz einverstanden:

Um einen Mörtel zu beurteilen reicht ein Augenschein (und etwas Erfahrung) sehr wohl aus. Man erkennt das Bindemittel, die Zuschlagstoffe und die Verarbeitung. Was will man mehr?

Als Bauwasser wurde oft Regenwasser verwendet, das vorgängig in Fässern aufgefangen wurde. Im Winterhalbjahr gab es üblicherweise genügend Niedreschläge. Dazu kenne ich einige zeitgenössische Berichte.

Das Trockenmauerwerk ist nicht so einfach zu mauern, wie ein "Mörtelmauerwerk". Vieles hängt von der Qualität der Steine ab. Grad wenn bloss Lesesteine/Bachgeröll zur Verfügung standen, ist ein Trockenmauerwerk problematisch...


Gruss gropli


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speerstark
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[*] Verfasst am: 22-4-2009 um 21:04


Ein Jammer!

Ich seh` schon, ich muss selber suchen. :cool:
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Der Arnobär!
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Motto: Was ist eine Burg?

[*] Verfasst am: 12-1-2010 um 16:34


Zitat
Ursprünglich verfasst von speerstark
Ich denke es gibt viele Arbeiten wissenschaftlicher Natur darüber, aber gibt es auch eine Art "Zusammenfassung"?
Was haben die alten Römer damit zu tun? Oder eben nicht zu tun? -wie es ja auch die Römer machten-
War auch auf diesem Gebiet der Bindemittel, des Mörtels, Wissen aus der Antike für das MA verloren gegangen?


Lieber Speerstark, wenn ich mit meinem bescheidenen Wissen ergänzen darf:

- Mir ist keine "Zusammenfassung" bekannt und ich glaube das Gebiet ist auch zu komplex und individuell.
- Die Römer haben immer mit irgendwas zu tun, immerhin haben ständig überall alle irgenwas "wie bei den Römern" bauen wollen, schon damals ;)

Informationen und wissenschaftliche Untersuchungen an hist. Kalkmörtel findet man unter anderem über das Fraunhofer IRB http://www.irb.fraunhofer.de/

http://www.baufachinformation.de/publikationen.jsp?s=Kalkm%F6rtel&art=ful...

Wie schon angesprochen, Kalk wurde im "Mittelalter" nur grob zerkleinert und in Lagen mit Sand geschichtet, danach mit Wasser gelöscht und mehrere Tage reagieren lassen.

Dabei entstehen die ebenfalls angesprochenen Kalkspatzen, bis ca. 5mm grosse Einschluesse von reinem gelöschtem Kalk. Es schein wichtig zu sein, dass er durchgeloescht ist, sonst entwickelt der Mörtel eine zerplatzende Wirkung (vor allem in Verbindung mit Frost). Mehr dazu: http://www.baufachinformation.de/denkmalpflege.jsp?md=2001027108015

Da wären wir schon, Frost, der größte Feind von Kalkmörtel. Die moderne Antwort scheint zu sein, hist. rekonstruierten Kalkmörtel mit Trass hydraulischer zu machen (also ein klein wenig zementartiger denke ich, um gegen den Frost bestehen zu können).

Ich werde dieses Frühjahr ein paar Versuche zur Kalkmörtelrekonstruktion angehen (aufgrund des Burgvereins).
Der Burgverein Ruttenstein (OÖ) scheint mit großer Sorgfalt und Mitwirkung des BDA OÖ erfolgreich den hist. Kalkmörtel der alten Bausubstanz zu rekonstruieren (zumindest ohne Zusätzliche Beimengung). Es wäre sicher interessant sich mit denen mal auszutauschen.

http://www.bda.at/text/136/908/13570/

http://www.ruttenstein.at/
http://www.ruttenstein.at/Sanierung2006.htm (unten)

Ich mag keine dieser "Alles oder nichts" Ansichten, meine Motivation ist es, Kalkmörtel aufgrund eines bestehenden Befundes zu Rekonstruieren - zu erproben, vor allem in Sachen Frostresistenz - und wenn es nicht zu bewerkstelligen ist, andere Wege zu gehen, zb. Trass. Was ja nicht schlecht ist.. man wird sehen :)

lg Bernhard
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