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Autor Betreff: Wozu der Kantenschlag beim Mauerwerk?
gropli
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[*] Verfasst am: 25-12-2009 um 20:07
Wozu der Kantenschlag beim Mauerwerk?



Grüezi

Kann mir jemand sagen, wozu bei mittelalterlichem Mauerwerk der Kantenschlag gut war? Bautechnisch scheint der keine „Funktion“ zu haben, da er meist erst nachträglich angebracht wurde…

Mein Bild zeigt ein Megalithenmauerwerk, bloss einige Ecksteine weisen Bossen auf.


ich wünsche allen frohe Festtage
Gruss gropli


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gropli hat dieses Bild als Anhang hinzugefügt:
kantenschlagx.jpg - 43.31kb
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Oliver de Minnebach
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[*] Verfasst am: 28-12-2009 um 00:33


Lieber Gropli!

Was meinst du genau mit Kantenschlag?

Du zeigst uns anscheinend eine Eckausbildung mit Buckelquadern. Deine Buckelquader auf dem Bild zeigen einen Randschlag. Das ist der umlaufende plane "Rahmen".

Wenn du mit Kantenschlag den Randschlag der Buckelquader meinst, dann hat das deckorative Zwecke und soll im allgemeinen römisches Mauerwerk "nachahmen".

Könnte 1. H. 13. Jh. sein.
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gropli
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[*] Verfasst am: 28-12-2009 um 14:40


Grüezi Oliver

Ich meine die Bearbeiteung der Ecke, genauer das nachträglich zurechtschneiden der Gebäudeecken; und nur dieser.

Das Bild ist vielleicht etwas verwirrend. Es handelt es sich da tatsächlich um ein Megalitenmauerwerk - auch wenn es auf dem Foto wie Buckelquader ausschaut. Die Steine sind bloss grob zurechtgespalten, polygonal und jeder deutlich grösser als 50cm, oft 1 - 1,50Meter lang. Bearbeitet sind ausschliesslich die Ecken/Ecksteine.

Ich kenne solches Mauerwerk, wie du schreibst, aus dem 13. Jahrhundert. Meines ist aber viel jünger, spätes 19. Jahrhundert. Und da frage ich mich, weshalb machte man diese Art der Eckbearbeitung, wenn sie keine offensichtliche Funktion hat? Warum im 13. und warum im 19. Jahrhundert?

Ich mach nochmal ein Bild...


Gruss Gropli


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Oliver de Minnebach
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[*] Verfasst am: 28-12-2009 um 15:26


Ja bitte noch ein Bild!
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gropli
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[*] Verfasst am: 28-12-2009 um 16:34


Grüezi Oliver

Hier noch mal der gleiche Mauerpfeiler. Die Steinlage auf halber Höhe ist fast 70cm hoch. Und der Brummer am Kopf dürfte gut eine Tonne wiegen!
Der Fugenstrich ist neueren Datums, das eigentliche Mauerwerk wurde ohne Mörtel gemauert.
http://www.bilder-hochladen.net/files/5iw0-1d.jpg
http://www.bilder-hochladen.net/files/5iw0-1e.jpg

Meine Überlegung ist folgende: Wenn man im 13. Jahrhundert und auch im späten 19. Jahrhundert die Ecke scharfkantig behauen hat, so muss das doch einen bautechnischen Grund haben?

(Interessant ist auch zu sehen, wie stark das Mauerwerk in gut 100 Jahren bereits erodiert ist…)


Gruss gropli


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Oliver de Minnebach
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[*] Verfasst am: 28-12-2009 um 20:48


Jetzt sehe ich so einiges klarer!

Muss alles an einem Bauwerk einen bautechnischen Grund haben oder hat man an dieser Mauer nicht einfach sich Beispiel an römischen oder mittelalterlichen Buckelquadermauerwerk genommen.

Es ist einfach eine Sache der Deko.
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speerstark
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[*] Verfasst am: 28-12-2009 um 22:26


Grüezi Gropli!

Bitte Gropli schelte mich wenn ich mich (wieder) irre.

Ist das nicht ein Mauerwerk für Wildbach und/oder Lavinenverbauung?
Am Fuß der Mauer ist feiner bis mittelfeiner (dunkler) nasser Schwemmsand mit größeren runden Steinen.
Im Hintergrund sind Nadelbäume und der Horizonz läßt ödes felsiges Terrain vermuten und wenn ich mich nicht irre, sehe ich da Berge - oder sind das Wolken?

Also .. deine Megalithmauer ... im Wasserbau mag man keine Fugen.
Die Fugen (der Mörtel u.a.) werden rel. einfach ausgeschwemmt und beiwrken eine Verminderung der Funktion bis Versagen der Wand, oder zumindest eine Herabsetzung der Dauerhaftigkeit.

War das ein Wehr? oder Brückenpfeiler?

Die Kantenbearbeitungen ...
... da war jemanden langweilig?

demütigst
speerstark




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gropli
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[*] Verfasst am: 29-12-2009 um 08:38


Zitat
Ursprünglich verfasst von speerstark
War das ein Wehr? oder Brückenpfeiler?

Die Kantenbearbeitungen ...
... da war jemanden langweilig?

demütigst
speerstark

Grüezi speerstark


Mit deiner Einschätzung liegst du völlig richtig! :)
Es ist eine Buhne (Schupfwuhr, Sporn) einer Wildbachverbauung.

Wenn die Kantenbearbeitung tatsächlich aus Langeweile entstanden sein sollte, so war denen damals oft langweilig. Diese scharf gehauenen Kanten finden sich an Dutzenden von solchen Werken!


Gruss gropli


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Blaine
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[*] Verfasst am: 4-1-2010 um 11:26


also ich würd mal auf "zwecks der optik" tippen und schließe mich oliver an
die buckel eines buckelquadermauerwerks
(geiles wort) haben schon einen sinn, aber die "hübschen" kanten sind nur fürs auge...

schöne grüße

Blaine
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martin
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[*] Verfasst am: 4-1-2010 um 19:21


Wie man auf dem Foto sehen kann, sind die Lagerfugen ( horizontal) und Stoßfugen (senkrecht) zwischen den Quadern sehr schmal, d.h. die Quader müssen dort glatte, in rechtem Winkel zueinanderstehende Flächen haben damit man sie so schön verlegen kann. Nur die nach aussen liegenden Schauseiten haben einen Buckel.
Um das zu erreichen macht man auf der buckeligen Seite einen "Randschlag", also einen glatten Rand. Dort kann der Steinmetz dann ein Winkelmaß anlegen um die anliegende Fläche wirklich im rechten Winkel anfertigen zu können.
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speerstark
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[*] Verfasst am: 4-1-2010 um 21:59


Zitat
Ursprünglich verfasst von martin
... Um das zu erreichen macht man auf der buckeligen Seite einen "Randschlag", also einen glatten Rand. Dort kann der Steinmetz dann ein Winkelmaß anlegen um die anliegende Fläche wirklich im rechten Winkel anfertigen zu können.


Grundsätzlich natürlich richtig.
Aber dennoch EINSPRUCH (leider),
weil bei einigen Steinen muss der Steinmetz, oder einige Ecksteinmetze ein bissi viel feuchte Silvesterfeiern hintereinander gehabt haben, so schief sind die Steine -siehe Foto von Gropli-

Ich tippe auf etwas praktisches.
Da es sich um ein Bauwerk der Wildbachverbauung handelt, wie Gropli schon bestätigt hat, tippe ich auf eine "Konstruktion" gegen Verklausung, bzw. gegen Beschädigung der Ecken bei anstoßenden Teilen.
Diese Buhnen (bei uns in A, Pu(h)nen) sollen ja entweder die Fließgeschwindigkeit verringern, oder wie hier auch Energie vernichten - also Schwemmgutgefährdet = mechan. Beanspruchung der Wand.
Daher vielleicht auch weil:
... damit bei ggf. notwendigen Räumungen "an der Ecke", nach dem zumindest abgeklungenen Ereignis, eine einfachere Räumung (von oben) möglich ist, weil da nix hängen bleibt.
Außerdem sind "Aufreisser" (Einbauten an den Kanten) bei Streichwehren an der horizontalen Kante OK, aber nicht bei solchen Ecken.
Trotzdem ist den Schweizern a bissi sehr fad dabei gewesen *ggg*




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Oliver de Minnebach
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[*] Verfasst am: 4-1-2010 um 22:39


Martin hat es mehr als trefflich erklärt!

Das ist eine verlauste Mauer aus dem 19. Jh. Wir sollten uns über andere Sachen unterhalten.

@ Martin: Wie siehst du das dann bei den Buckelquadern ohne Randschlag?

lG Oliver
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speerstark
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[*] Verfasst am: 4-1-2010 um 22:42


Oliver! Bissi mehr Respekt bitte. ("lausig")

Aha, doch nicht 13. Jhdt.? :P
Jojo die Bauforscher, wenns jünger wird, werdens hantig




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gropli
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[*] Verfasst am: 5-1-2010 um 08:13


Zitat
Ursprünglich verfasst von Oliver de Minnebach
Martin hat es mehr als trefflich erklärt!

Das ist eine verlauste Mauer aus dem 19. Jh. Wir sollten uns über andere Sachen unterhalten.

lG Oliver

Grüezi Oliver

Ganz genau; zum Beispiel darüber, warum bei Burgen im 13. Jahrhundert die Gebäudeecken scharfkantig gehauen wurden? Und ob das einen bautechnischen Grund hatte?


Gruss Gropli


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chateaufort
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[*] Verfasst am: 6-1-2010 um 23:40


[Spätestens] seit dem 13. Jahrhundert wird's nunmal wirklich "lausig" mit der Bautechnik. Speerstarks Beobachtung ist zwar korrekt, aber Martin und ergänzend Oliver liegen schon richtig.

Interessant ist aber die "Zuschärfung" stumpfer Winkel durch Bearbeitung dieser Art, wie man in der Pfalz an den Schildmauern von Wilenstein (Kreis Kaiserslautern) und bei weniger extrem stumpfem Winkel der Burg Landeck (Kreis südliche Weinstraße) beobachten kann,

Grüße, chateaufort




"Ein Räthsel, [...] (dessen) Geheimniss sich nur allmählich zu entschleiern beginnt, muss immer wieder vom Forscher neu zu rathen versucht werden. Die beste Vorübung aber erscheint dazu die stets erneute Untersuchung des räthselhaften Objektes selbst." (C[hristian] Mehlis, Zur Dürkheimer Ringmauer, in: Jahresbericht der Pollichia / eines naturwissenschaftlichen Vereins der Rheinpfalz zu Dürkheim a. d. H., Bd. 37-39, 1881, hier S. 71)
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speerstark
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[*] Verfasst am: 6-1-2010 um 23:57


Zitat
Ursprünglich verfasst von chateaufort
[Spätestens] ... Speerstarks Beobachtung ist zwar korrekt, aber ...
Grüße, chateaufort


Wenigstens einer hält zu mir :cool: ... den Rest vom zitierten Text hab` ich überlesen :D

s.




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