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Autor Betreff: Warum Holzdächer?
Knudolf
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[*] Verfasst am: 24-11-2011 um 14:06
Warum Holzdächer?



Hallo!

Ich habe mich hier angemeldet, um gleich mal eine unbedarfte Frage zu stellen:
Warum haben alle (?) mittelalterlichen Burgen Holzdächer? Warum nicht, wie z.B. die neuzeitliche Festung Nauders, Kuppeln oder Gewölbe-Dächer aus Stein?
Denn das muss doch ziemlich genervt haben, dass bei einem Angriff mit Katapult-Geschossen aus brennendem Teer etc. (oder gabs die im Mittelalter nicht?) immer erst mal die Dächer abbrennen...

Danke schon mal!
Otto von Floridus
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Motto: Aufgeben gibt es nicht!

[*] Verfasst am: 25-11-2011 um 09:25


Hallo Knudolf !
Also ,ich würde sagen-es war vor allem eine Frage der Finanzierbarkeit ,Statik und Bauzeit spielen natürlich auch eine wichtige Rolle !
lg otto




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Knudolf
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[*] Verfasst am: 25-11-2011 um 11:04


Hallo Otto!

Ja, Finanzierbarkeit und Statik vermute ich ebenfalls als Gründe... Bzw. der höhere Aufwand wegen der Statik würde auch zu teurerem Bau führen (Strebepfeiler, oder/und vielleicht schräge Wände oder/und dickere Mauern?). Aber würde das den Aufwand nicht lohnen? -Das müsste sich doch nach ein paar Angriffen amortisiert haben, bei denen die Dächer NICHT abgebrannt sind und -für teures Geld wieder aufgebaut werden müssen.
Zudem stelle ich es mir extrem unangenehm vor, mit brennendem Dach eine Burg zu verteidigen: man kann sicherlich nur schwer atmen und kaum was sehen wegen dem dickem Rauch; Das einstürzende Dach dürfte auch alle Fußböden darunter mitnehmen und abbrennen; -Es regnet herein usw. usw..
Oliver de Minnebach
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Motto: Wen interessiert Bauforschung?!?

[*] Verfasst am: 25-11-2011 um 11:35


Da wären wir mal wieder beim Thema Burg=Festung... oder könnte man die zwei Begrifflichkeiten jetzt einmal kurz (nur um ein kleines Stück) voneinander trennen.
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karolyi
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[*] Verfasst am: 25-11-2011 um 12:15


Dafür gibt es unter http://www.textlog.de/38834.html eine gute Begriffserklärung

L.G.

Karolyi
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Motto: Was ist eine Burg?

[*] Verfasst am: 25-11-2011 um 21:39


Lieber Knudolf, willkommen hier im Forum! :)

Das Thema Burgen ist eigentlich eine sehr komplexe Angelegenheit. Oliver schrieb "Burg==Festung?" und das sind ohne weiteren Kontext einmal zwei verschiedene paar Schuhe.
Wenn man von klassischen Burgen im Hochmittelalter spricht, ist erstmal wichtig in welcher Region diese stehen, Burgen des 12. Jh in Franken sind ganz anders als Burgen in England und ganz anders als in Böhmen. Bei uns sind Burgen im Hochmittelalter mitunter meist viel kleiner als im weiteren Ausland. Es sind Sitze von Hochadeligen oder (meist kleinere) des niederen Adels, anfangs meist Ritter die als Ministeriale eine Verwaltungsaufgabe über ein Lehen bekommen.

Festungen kommen, vor allem bei uns erst im sehr späten Mittelalter auf, das hat viele Gründe, und vor allem militärische (unter anderem extrem große Heerestruppen, große Militärkampagnen). Festungen kommen im Hochmittelalter z.B. im heiligen Land vor (große militärische Konflikte, viele Truppen, Schutz von Städten). (???)

Aber zurück zu den klassischen Burgen des Hochmittelalters. Vor allem die des einfachen Ritters, der nun mit einem Lehen betraut wurde. Er steht als Adeliger über dem restlichen Volk, und hier kommt schon die Burg als sein "Haus" ins Spiel, er will seine Macht demonstrieren. Die Burg muss Macht demonstrieren, also wird massiv gebaut, mit wehrhaften Charakter, meist mit einem möglichst eindrucksvollen Bergfried/Turm als demonstration der Macht: die Burg trägt eine representative Rolle.

Diese Burgen sind nicht im stande eine Belagerung zu überstehen, sie sind nicht einmal in der Lage eine ausreichende Truppenstärke unterzubringen. Die klassische Literatur nennt ganze Befestigungslinien aus Burgen, leider hat das wenig mit der Realität zu tun!
Und da kommen auch die Holzdächer ins Spiel, wenn die Burg belagert wird, ist es nicht schwer diese einfach niederzubrennen. Primär spielen diese Burgen im Hochmittelalter auch kaum eine militärische Rolle, viel mehr aber eine politische. Ritter führen fleißig Fehden, Burgen werden auch belagert, aber nicht mit Katapulten die Brandgranaten werfen, einfach mit Truppen, die einen Burg einschließen und den darauf Sitzenden zur Kapitulation zu zuwingen, meist ihn gefangen zu nehmen und gegen viel Lösegeld wieder frei zu lassen. Das Mittelalter ist politisch mindestens so kompliziert wie die Gegenwart (kommt mir vor).

Allerdings kommen diese Holzdächer zwar über das ganze Mittelalter vor, werden aber ab 1200 (?) immer mehr durch dachziegelgedeckte Dächer verdrängt. Wann hier die ersten Dachziegel auftauchen ist glaube ich fast nicht erforscht. Es gibt auch mit Stein/Schiefer gedeckte Dächer, je nach Region, Vorkommen, Finanzkraft, etc..


Lieber Oliver, unser Meister der Brugen, du kannst unserem lieben Knudolf das sicher besser erklären als ich, falls meine Erkärung leider wieder viel Blödsinn enthalten, bitte ohne Rücksicht ausbessern, es interessiert mich selber sehr wie es richtig ist! Danke! :)

lg Bernhard
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Egon
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[*] Verfasst am: 25-11-2011 um 23:12


Das ist mit ein bischen Nachdenken leicht zu erklären

Man kann davon ausgehen dass im frühen MA Burgen überhaupt aus Holz waren - Holz war billig weil überall vorhanden , erforderten eine wesendlich leichteren Dachstuhl und wenn es undicht wurde war es leicht wieder instandzusetzen
- und es ist nicht ganz einfach in Brand zu setzen

Die meisten unserer Burgen sind in Höhenlagen
d. h man müßte ein Kosten/Zeitaufwändiges Katapult sehr sehr nahe an die Mauern bringen um es effektiv einsetzen zu können
Beim Steinschloss haben sie Versuche gemacht die die Grenzen dieser Belagerungsgeräte aufgezeigt haben
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[*] Verfasst am: 26-11-2011 um 01:36


Egon, stimmt, ich glaube generel wurde auch später ziemlich viel aus Holz gebaut.

Aber wo in unseren Breiten wurde schweres Belagerungsgerät vor dem 15. Jh (also keine Kanonen) bei der Belagerung von Burgen eingesetzt? Hat jemand dazu Infos?

Teilweise gibt es ja richtig absurd lange Belagerungen kleiner Burgen, wo sogar Belagerungsburgen erbaut wurden (um diese zu beschießen, was aber nur ein Druckmittel war), in der Eifel gibt es da ein Beispiel einer 2 jährigen Belagerung. Ich hab mir von unseren Burgenexperten sagen lassen, dass man so etwas immer auch aus politischer sicht sehen muss.

http://de.wikipedia.org/wiki/Burg_Eltz#Konflikt_mit_Balduin_von_Trier

Dann fällt mir noch ein, wärend der II. Türkenbelagerung von Neulengbach 1683 wurde das Dach des belagerten Schlosses (verteidigt unter Kommando von Sidonia Palffy) abgetragen um ein Niederbrennen zu verhindern. Muss die Quelle suchen.

Achja, und dann wäre da noch diese Überlegung :D
http://dla.library.upenn.edu/dla/medren/pageturn.html?q=feuer&id=MEDREN_1...
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Wilhelm von Baumgarten
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[*] Verfasst am: 26-11-2011 um 15:22


Die Falkenberg ist 1299 unter Einsatz von Belagerungsmaschinen gebrochen worden, wglw. auch die Kammerstein.



No nobis domine, no nobis,
sed nomine tuo da gloriam !
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Oliver de Minnebach
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[*] Verfasst am: 26-11-2011 um 15:44


Ich bin sicher nicht der Meister der Burgen. Ich lerne bei jedem Objekt neu dazu.
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Egon
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[*] Verfasst am: 26-11-2011 um 18:37


Die Ruine Fohnsdorf wurde meines Wissen durch Untergraben der Mauern 1292 gebrochen -
Man hat an Mauerstellen das Fundament unterhöhlt - diese Öffnung abgestützt - mit Holz gefüllt und wenn das Ganze groß genug war angezündet - damit hat der obere Maueteil den Halt verloren - dazu braucht nur ein paar Bauern zwingen

eine Burg zu belagern und auszuhungern ist eine Zeitfrage (Eppenstein ist von den Ungarn durch Verrat genommen worden )


Für eine Balliste braucht man einem Belagerungsexperten und gute Handwerker und ausgebildetes Bedienungspersonal

So gehte es mit der Blide (Video) http://www.steinschloss.at/
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[*] Verfasst am: 26-11-2011 um 21:51


Danke für die Beispiele! Und danke für den Videolink Egon!
Gibt es zu der Belagerung von Falkenberg näheres?

Was muss ich nur machen um Antworten aus Oliver herauszukitzeln? :P
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Knudolf
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[*] Verfasst am: 27-11-2011 um 07:15


Danke für die interessanten Infos bisher. Steindächer (wie bei neuzeitlichen Festungen und Bunkern) waren demnach im Mittelalter wohl einfach noch nicht nötig. -Auch, weil viele Burgen schlicht Adelssitze waren und -keine Festungen gegen Invasoren. -Für Auseinandersetzungen mit Rittern oder Aufständischen hat es wohl gereicht...

Wenn ich mir Egons Link mit der Balliste ansehe, brauchte man vermutlich auch eine Menge Glück, bis man ein schmales, flaches Burgendach im richtigen Winkel getroffen hatte..
Diese Balliste kommt mir allerdings klein und anspruchslos genug vor, dass man sie auch in unwegsamem Gelände hätte aufbauen können.. -die Mittel für den Bau dürften auch arme Slawen oder -verfeindete einzelne Ritter gehabt haben... (aber vielleicht nicht das Know-How und die Bedienungs-Erfahrung?).
Das mit den brennenden Katzen und Vögeln (Hilfe Tierschutz! :D) aus Arnobärs Link finde ich kreativ, aber kann ich mir nur vorstellen, wenn man Fenster im Burgdach gehabt hätte; -Und selbst dann wären m.E. ein paar durchs Fenster geschossene Brandpfeile effektiver...
Oliver de Minnebach
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[*] Verfasst am: 27-11-2011 um 10:10


Wenn ich mir so manche Burg ansehe, dann hat sich beim Bau keiner Gedanken über den möglichen Verteidigungswert des fertigen Bauwerkes gemacht.

...aber hatten wir dieses Thema nicht schon?

aber leider hat der Martin diesen Beitrag löschen müssen, wegen gewisser Querschläger eines Freuendorfers!
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wulf
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[*] Verfasst am: 27-11-2011 um 12:14


Gewisse Funde lassen schon den Schluß zu, daß es Hartdeckungen auf Burgen gab.
Das "Mittelalter" ist auch nicht auf einen Zeitraum von 10 Jahre beschränkt.
Eine Burg abzufackeln ehe man der Insassen habhaft wurde und Plündern konnte, war damals meine ich, auch verpönt. Nach Eroberung wurde schon des öfteren gezündelt.

LG
wulf
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[*] Verfasst am: 28-11-2011 um 08:52


Hartdeckung - ist nur dort möglich wo es auch entsprechendes Material gibt - z.B Schiefer
Eine Burg zu erobern macht normalerweise nur dann Sinn wenn man sie selber besetzen will -
oder wenn man sie wie z.B die erste Fohnsdorfer Burg als abschreckendes Exempel völlig zerstört

- denn die Kosten einer langen Belagerung sind kaum durch eine Plünderung gedeckt
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stefan der gogatzer
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[*] Verfasst am: 28-11-2011 um 17:13


Die meisten Objekte, ob Kirchen oder Adelssitze, sind wohl aus Versehen abgebrannt:

offenes Licht, offenes Feuer, offene Speisenzubereitung

Für eine harte Deckung braucht es außerdem einen dementprechend maßiven Dachstuhl,- selbst barocke

Dachziegel sind beachtenswert massig. Und Schiefergestein hat wahrscheinlich ein noch höheres Gewicht pro m2.

Denke eher die Schieferfunde auf Burgen stammen von einer Art Mauerkronenabdeckung der nach innen gepulteten (meist?) Strohdächer.
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Alex
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[*] Verfasst am: 28-11-2011 um 17:30


Richtige Belagerungen hats ja wohl auch nur bei Fehden zwischen richtig "großen" Kontrahenten gegeben (Schaunberger Fehde, Lichtensteiner Fehde). Und dann ists auch richtig zur Sache gegangen und viele Burgen wurden gebrochen (bezeichnender Weise bei der Schaunberger Fehde alle Stize der Schaunberger AUSSER der Stammburg - wohl eine Sache des Anstandes!)

Aber welcher "kleine" Adelige kann es sich leisten, eine Burg lange zu belagern?
Söldner sind, wenn überhaupt verfügbar, wohl eher unerschwinglich. Und die Bauern für Kriegsdienste zu lange von den Feldern abziehen wird wohl einen recht hungrigen Winter nach sich ziehen!!! Und fehlendes Saatgut für das nächste Jahr obendrein. Das wär dann wohl ein Schuss ins Knie...
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lady kitten
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[*] Verfasst am: 29-11-2011 um 08:46


Vielleicht hängts auch von der Verfügbarkeit des Materials ab, ob eine Hartdeckung verwendet wird. Siehe Frauenstein in Kärnten: ein schlossartiger Bau aus dem 14. Jhd. Die Dächer und Türme sind mit kleinen Schieferplatten gedeckt. Fast alle Kirchen in der Gegend haben ein Schieferdach. Blättrig brechender Schiefer ist auch genug vor Ort. Ob die anderen Burgen in der Nachbarschaft (Kraiger Schlösser) ebenfalls mit Schiefer gedeckt waren, lässt sich wohl nicht mehr sagen. Holz wird wohl leichter zu verarbeiten und günstiger gewesen sein.

lg

Iris
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Rambo
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[*] Verfasst am: 29-11-2011 um 12:43


Ich glaube, dass nicht jede "Burg" nur dazu bestimmt war einen Feind abzuwehren.
Adelssitze wurden als Burgen angelegt usw. Deswegen war es oft uberheblich dass die Dächer mit Holzschindel gedeckt waren.
Bei Wehrbauten war das sicher anders, da war auch die Wehrhaftigkeit und die taktische Lage ausschlaggebend.

Gruß Rambo
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[*] Verfasst am: 29-11-2011 um 12:43


Ich glaube, dass nicht jede "Burg" nur dazu bestimmt war einen Feind abzuwehren.
Adelssitze wurden als Burgen angelegt usw. Deswegen war es oft uberheblich dass die Dächer mit Holzschindel gedeckt waren.
Bei Wehrbauten war das sicher anders, da war auch die Wehrhaftigkeit und die taktische Lage ausschlaggebend.

Gruß Rambo
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wulf
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[*] Verfasst am: 29-11-2011 um 19:47


Die relativ kleinen Burgen der "Wienerwald-Linie" waren sicher als Verteidigung errichtet. Damals eher Grenzland wechselten öfter die Herrschaftsverhältnisse. Holz war durch die starke Bewaldung gegeben und kostete nix. Später viel Geld für neue Dächer auszugeben haben sich wohl manche überlegt, zumal es dort eh nicht gut wohnlich war.
Kämpfe/Schlachten fanden doch im flacheren Gelände statt.
Somit waren die frühen Burgen Wohn- und Zufluchtstätte die eben verteidigt werden konnte. Nicht immer mit Erfolg.
Mit der Zeit änderte sich die Kriegsführung. Weniger Ritter hoch zu Roß, mehr Fußvolk.
Sitze die beibehalten wurden und erweiterungsfähig waren wurden eben der veränderten Weise angepaßt.
Danach kam der Trend der Wohnlichkeit; vielleicht eben auch weil Burgen später doch nicht so sicher waren.

LG
wulf
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Motto: Was ist eine Burg?

[*] Verfasst am: 30-11-2011 um 00:37


Also den Begriff der Wienerwaldlinie - analog zu Anhäufungen wie entlang des Kamptals, beides in unterschiedlichem Kontext Grenzländer - verstehe ich nicht ganz. Warum die Burgen entlang des Kamptals keine Verteidigungslinie darstellen ist mir inzwischen relativ gut klar geworden - es sind vielfältige Gründe wie topografische durch das Flusstal, die Lehenaufteilung, die Erschließung im 11. Jh., als auch Familien-politische, die zu zahlreichen Errichtung von kleinen Nebenburgen führte - soweit meine Einsicht in die Materie.

..eigentlich ging es ja um Holzdächer, aber das ganze ist jetzt sehr interessant! ;)

Also die auffälligsten Burg(stellen) an der topografischen Wienerwaldkannte sind zum Bleistift von Ost nach West (analog zu nicht direkt auffindbaren/erforschten Awaren- und Hunnenwällen/Wallburgen/Fluchtburgen) - Greifenstein - Ried am Riederberg - Kogl - Neulengbach.
Im flachen Tullnerfeld findet sicher allerdings eine homogene Streuung von Burg(stellen), im Hinterland (Pressbaum, Tullnerbach, Gablitz, Purkersdorf) eine ähnliche homogene Streuung, macht man sich eine Karte aller Burgen, pauschal auf ein Bestehen um 1200/1300 sind das sehr viele, aber auf einen meiner Meinung sehr großen Bereich homogen verteilt (analog zu Lehen?) - dazu kommen dann noch die (eigentlich meistens vernachlässigten Kleinstsitze, heute meist noch Dörfer).
Also in awarischer Zeit (?) gegen die Karolinger macht eine Linie Sinn, auch die Babenberger haben die östlichen Gebiete erst langsam unter Kontrolle gebracht (?), aber was ich jetz nicht verstehe, waren die Ungarn eine lokale Bedrohung schon im 12./13. Jh. ?

Allgemein stellt sich mir die Frage zu den Verteidigungslinien, wie - wenn die vor allem sehr kleinen Burgen deren militärische Rolle wir ja bereits hier hinterfragt haben - diese Burgen eine militärisch wirkungsvolle Verteidigung darstellen? Defensivtruppen konnten ja nirgendwo auf den Burgen unterhalten/einquartiert werden?

Ich sehe derzeit eigentlich die hochmittelalterlichen Burgen in diesem Raum auch nur als machtprotzige Arbeits- und Wohnhäuser von Adeligen, vor allem im administrativen (Lehen) Dienst. So versuche ich mir das vorzustellen um mich von allen klassischen Mittelalterklischees zu lösen - immer auf der ewigen Suche nach: ..was ist eigentlich eine Burg?

Wie seht ihr das?
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[*] Verfasst am: 30-11-2011 um 09:56


@ Arnobär -Ja ,die Magyaren waren in der Tat schon im frühen Mittelalter eine Bedohung !
Magyaren

Nach dem Jahr 900 durchtobten die Madjaren, ein ungarisches Steppenvolk, den Wiener Raum und brachten ihn in ihre Gewalt, so dass bis 1030 keine geschichtlichen Nachrichten über Wien mehr aufzufinden sind. Unter ihrem militärischen Führer Árpád drangen die landflüchtigen Magyarenstämme in mehreren Zügen über die Karpatenpässe und entlang der Donau in das Pannonische Becken vor. Die magyarische Landnahme löste vorübergehend unter den Anrainern erhebliche Irritationen aus und verursachte weit reichende machtpolitische Umschichtungen. Die »Ungarnplage« weitete sich nach der Niederlage des lombardischen Heeres König Berengars I. 899 an der Brenta zu einer akuten Bedrohung der gesamten südöstlichen Grenzgebiete des Ostfränkischen Reiches aus. Seit 900 hatten die Magyaren ganz Pannonien fest in ihrer Hand. Das Großmährische Reich brach 906 unter ihrem Ansturm sehr rasch zusammen. Ein bayerisches Heer wurde 907 bei Preßburg vernichtend geschlagen, Markgraf Luitpold, der Erzbischof von Salzburg, die Bischöfe von Freising und Säben sowie die Besten des bayerischen Adels fanden den Tod.Die magyarischen Steppenkrieger suchten in den folgenden Jahren auf ihren Streifzügen ganz Süddeutschland und Oberitalien heim und drangen westwärts bis über den Rhein vor. Selbst die byzantinischen Kaiser blieben seit dem überraschenden magyarischen Vorstoß im Jahre 934 vor weiteren Übergriffen der ehemaligen Verbündeten nicht verschont. Die Magyaren hatten sich inzwischen mit den Petschenegen verständigt. Auf gemeinsamen Streifzügen bedrohten sie mehrfach die Kaiserstadt am Bosporus und waren nur durch horrende Geldzahlungen zum Abzug zu bewegen. Den mobilen Steppenkriegern waren die schwerfälligen Aufgebote gepanzerter Ritter zunächst hilflos ausgeliefert. Nur mühsam formierte sich eine wirksame Gegenwehr gegen ihre fintenreiche Kriegstaktik. König Heinrich I. gelang es erstmals 933 bei Riade an der Unstrut (in der Nähe von Merseburg), das Schlachtfeld gegen die magyarischen Angreifer zu behaupten. Die Wende führte König Otto I. mit seinem hart erkämpften Sieg auf dem Lechfeld bei Augsburg am 10. August 955 herbei. Der Führer der Magyaren Bulcsu, der 948 den Frieden mit Byzanz erneuert hatte und in Konstantinopel getauft worden war, fiel in die Hand des Siegers und wurde hingerichtet. Unter dem Eindruck der verheerenden Niederlage ebbten die Ungarnzüge ab. Die Magyaren büßten ihre militärische Schlagkraft ein. Sie zogen sich auf ihren pannonischen Kernraum zurück und suchten sich mit ihren christlichen Nachbarn zu arrangieren.

http://www.wien-vienna.at/geschichte.php?ID=249

Super Thema übrigends !:cool:
lg otto




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[*] Verfasst am: 30-11-2011 um 19:17


@Arnobär, ja in diesen Jhdten waren sie noch immer bedrohlich zumal das heutige Burgenland zu ihrer Hoheit gehörte.

Da der Wienerwald in etwa südlich verläuft gehört auch die Linie Wien, Perchtoldsdorf, Kammerstein, Mödling, Baden, Bad Vöslau, Gutenstein etc. dazu.

"Holzdächer" der frühen Steinburgen dieser Linie aus dem Zeitraum ihrer Errichtung.

lG
wulf
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[*] Verfasst am: 1-12-2011 um 09:00


Bleiben wir bei den Tatsachen - das was wir heute als Burgen bezeichen - sind Steinbauten die es zur Zeit der Magyareneibfälle noch nicht gegebenhat

vor 1000 waren bestenfalls ein paar Holzpalisaden auf eine Hügelkuppe eventuell mit einem Turm ebenfalls aus nur aus Holz
Und die "Ungarn Einfälle" die dabei Burgen erobert haben warenin der Steiermark im 15Jh
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[*] Verfasst am: 1-12-2011 um 23:49


Jep Egon, alles Ministerialburgen des 12. und 13. Jh! Die Wienerwaldlinien der verträumten Literatur-Autoren des 19./20. Jh. sind nur die topografischen Grenzen der homogen verteilten Ministerialsitze der Flachländer Tullner-Becken und Baden-Umgebung, siehe Burgen und Schlösser Datenbank im NÖ Atlas ;)

Edit: Vlt. kommt es daher, dass auch die vor- und frühmittelalterlichen Anlagen auf denen später mitunter auch Burgen darüber gebaut wurden, auch auf diesen Linien verlaufen und immerhin war der Wienerwald schon bei den Römern ein Grenzland... hm ich hab leider gar keine aktuelle Literatur dazu, kann jemand etwas empfehlen?
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Oliver de Minnebach
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[*] Verfasst am: 3-12-2011 um 09:52


homogen verteilt? Jesus und Maria im Himmel!!! Bitte nachdenken bevor du was postest.

Bitte einmal einlesen: http://books.google.at/books?id=K6X6fm_BkSoC&pg=PA157&lpg=PA157&d...
Der einzige Besitz der homogen war ist der des Königs bzw. des Kaisers!


Der Wienerwald: ein Grenzland? Zwischen wem??? Zwischen den eher fiktiven Regioneb Noricum und Pannonien?
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[*] Verfasst am: 3-12-2011 um 11:14


Zitat
Ursprünglich verfasst von Oliver de Minnebach
Der einzige Besitz der homogen war ist der des Königs bzw. des Kaisers!

Homogen auf die Fläche bezogen! Also ich meinte Gleichverteilung! Anzahl der Burgen auf die Fläche bezogen sind alle gelichmäßig verteilt. Es sind nicht alle in Linien dubioser Grenzländer und der Rest des Landes frei ;)

Zitat
Ursprünglich verfasst von Oliver de Minnebach
Der Wienerwald: ein Grenzland? Zwischen wem??? Zwischen den eher fiktiven Regioneb Noricum und Pannonien?

Danke, ja ich denks mir eh auch :D Aber in der Literatur ja sehr weit verbreitet... die Linien und Grenzländer........

Danke für den Link!
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[*] Verfasst am: 4-12-2011 um 00:37


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