Burgenforum Zuletzt angemeldet am: Kein Eintrag
Nicht angemeldet [Anmelden - Registrieren]
Gehe zum Ende

Druck-Version | Abonnieren | zu den Favoriten hinzufügen  
Autor Betreff: Fachausdruck gesucht
Gregor
Member
***




Beiträge: 106
Registriert seit: 23-1-2010
Wohnort: Steiermark
Mitglied ist Offline

Motto: Aufmessen ohne Tachymeter dauert laaange.

[*] Verfasst am: 5-6-2012 um 19:59
Fachausdruck gesucht



Hallo Leute,
anbei ein Foto von der Innenwand eines ehemaligen Raumes in der Ruine Unterthal. Gut zu sehen ist der halbkreisförmige (primäre) Kanal, der dazu gedient hat, den Schildbogen des Tonnengewölbes mit der Schildwand zu "verzahnen". Auf der anderen Seite des Raumes stößt der nicht verfallen Rest des Tonnengewölbes noch in den Kanal der Stirnwand.

Habt ihr so was schon mal bei einer anderen Burg, Kirche o. ä. gesehen und wie lautet der Fachausdruck für diesen "Mauerkanal"?

Trotz intensiver Google- und Literaturrecherche konnte ich dazu nichts finden. Lediglich ein paar Wörter sind mir untergekommen, die aber eher behelfsmäßig klingen, wie z. B. Mauernut, -fuge, -schlitz, -aussparung, Mauerverzahnung oder Einschmatzung.

Gregor hat dieses Bild als Anhang hinzugefügt:
Mauerkanal.jpg - 88.56kb
Benutzerprofil anzeigen Alle Beiträge des Benutzers ansehen u2u-Nachricht an Benutzer
Oliver de Minnebach
Posting Freak
*****


Avatar


Beiträge: 1894
Registriert seit: 15-8-2007
Wohnort: Imbach bei Krems
Mitglied ist Offline

Motto: Wen interessiert Bauforschung?!?

[*] Verfasst am: 5-6-2012 um 21:39


Aufmessen mit Tachy ist luuuuxus! ;)

Fachbegriff gibts da keinen definitiven dafür und als "primär" würd ich das eher nicht bezeichnen. Auch nicht als Kanal!

Ich und Kollegen bezeichnen das als "vorbereitete Verzahnung" wenns primär durch Maueervorsprünge oder sg. Zargensteine vorbereitet ist.
Du sihst das ja hier das Rüstholzraster! Wie stellst du dir das mit der "Lehregerüst" für das Gewölbe vor?

Einen vergleichbaren Befund aus NÖ gibts für das Gewölbe der ehem. Westempore der Klosterkirche Sancta Maria in Paradyso. Hier ersetzte sekundär eine unterwölbte Empore eine Vorgängerlösung aus Holz.

(Fotos und weitere Infos folgen wenn morgen besseres Internet)

Oliver de Minnebach hat dieses Bild als Anhang hinzugefügt:
Klosterruine Riederberg (115).JPG - 318.16kb
Benutzerprofil anzeigen Alle Beiträge des Benutzers ansehen u2u-Nachricht an Benutzer
Oliver de Minnebach
Posting Freak
*****


Avatar


Beiträge: 1894
Registriert seit: 15-8-2007
Wohnort: Imbach bei Krems
Mitglied ist Offline

Motto: Wen interessiert Bauforschung?!?

[*] Verfasst am: 6-6-2012 um 10:26


Das ist eine echte vorbereitete Verzahnung für eine Gewölbe.
Unregelmäßig gestufter primärer Vorsprung für ein Gewölbe. Die Ausführung nahm aber dann keinen Bezug auf den zu hoch geplanten Scheitel des Gewölbes.

Oliver de Minnebach hat dieses Bild als Anhang hinzugefügt:
Abb. 6.4.2_9.JPG - 97.95kb
Benutzerprofil anzeigen Alle Beiträge des Benutzers ansehen u2u-Nachricht an Benutzer
Herbert
Member
***




Beiträge: 169
Registriert seit: 30-4-2005
Wohnort: Feldkirchen in Kärnten
Mitglied ist Offline

Motto: Drei Schlösser in Ruinen! Wie ward wohl zwischen ihnen. Von Fels zu Felsen einst verkehrt.

[*] Verfasst am: 6-6-2012 um 11:13


Ich würde sie als Fuge in der Stirnwand die für den Anschluß
des Gewölbebogens dient bezeichnen.

MfG Herbert

Zitat
Ursprünglich verfasst von Gregor
Hallo Leute,
anbei ein Foto von der Innenwand eines ehemaligen Raumes in der Ruine Unterthal. Gut zu sehen ist der halbkreisförmige (primäre) Kanal, der dazu gedient hat, den Schildbogen des Tonnengewölbes mit der Schildwand zu "verzahnen". Auf der anderen Seite des Raumes stößt der nicht verfallen Rest des Tonnengewölbes noch in den Kanal der Stirnwand.

Habt ihr so was schon mal bei einer anderen Burg, Kirche o. ä. gesehen und wie lautet der Fachausdruck für diesen "Mauerkanal"?

Trotz intensiver Google- und Literaturrecherche konnte ich dazu nichts finden. Lediglich ein paar Wörter sind mir untergekommen, die aber eher behelfsmäßig klingen, wie z. B. Mauernut, -fuge, -schlitz, -aussparung, Mauerverzahnung oder Einschmatzung.
Benutzerprofil anzeigen Alle Beiträge des Benutzers ansehen u2u-Nachricht an Benutzer
matthias
Member
***




Beiträge: 327
Registriert seit: 10-1-2005
Wohnort: Passau
Mitglied ist Offline

Motto: No Mood

[*] Verfasst am: 6-6-2012 um 15:01


Wenn schon, dann keine Fuge, sondern tatsächlich eine Nut ...
Benutzerprofil anzeigen Homepage des Benutzers besuchen Alle Beiträge des Benutzers ansehen u2u-Nachricht an Benutzer
Oliver de Minnebach
Posting Freak
*****


Avatar


Beiträge: 1894
Registriert seit: 15-8-2007
Wohnort: Imbach bei Krems
Mitglied ist Offline

Motto: Wen interessiert Bauforschung?!?

[*] Verfasst am: 6-6-2012 um 19:25


Fuge und Nut, Brett und Bohle, Balken und Tram, Schrank und Kasten, Treppe und Stiege... Deutsche Sprache ist eine vielfälltige Sprache!
Benutzerprofil anzeigen Alle Beiträge des Benutzers ansehen u2u-Nachricht an Benutzer
wulf
Member
***




Beiträge: 413
Registriert seit: 20-1-2005
Wohnort: Wien
Mitglied ist Offline

Motto: No Mood

[*] Verfasst am: 6-6-2012 um 20:34


.... nach Wikipedia sind Fuge und Nut zwei unterschiedliche Begriffe .....
Benutzerprofil anzeigen Alle Beiträge des Benutzers ansehen u2u-Nachricht an Benutzer
Gregor
Member
***




Beiträge: 106
Registriert seit: 23-1-2010
Wohnort: Steiermark
Mitglied ist Offline

Motto: Aufmessen ohne Tachymeter dauert laaange.

[*] Verfasst am: 6-6-2012 um 23:17


Danke Leute für die Fotos & eure Rückmeldungen! Ich werd im Folgenden einfach mal die unterschiedlichsten Begriffe verwenden ;)

Zitat

Fachbegriff gibts da keinen definitiven dafür und als "primär" würd ich das eher nicht bezeichnen. Auch nicht als Kanal!

Ich und Kollegen bezeichnen das als "vorbereitete Verzahnung" wenns primär durch Maueervorsprünge oder sg. Zargensteine vorbereitet ist.
Du sihst das ja hier das Rüstholzraster! Wie stellst du dir das mit der "Lehregerüst" für das Gewölbe vor?


Wenn ich das richtig interpretiere Oliver, dann hätte aufgrund der vorhanden Rüsthölzer kein Lehrgerüst aufgestellt werden können, nach dem die „Aussparung“ im aufgehenden Mauerwerk primär angelegt hätte werden können.

Bei näherer Betrachtung der „vorbereiteten Verzahnung“ fällt jedoch auf, dass kein Stein im Mauerwerk nur zum Teil behauen wurde, um die „Nut“ sekundär herzustellen (wie dies z. B. auf deinem ersten Bild zu sehen ist). Weiterhin finden sich in der „Nut“ als Zwickelsteine verwendete Dachziegelbruchstücke die dem Radius folgen, d.h. schräg im Mauerwerk sitzen (im Foto unten gleich direkt unter dem Rüstloch). Insofern kam ich zum Schluss, dass die „Aussparung“ primär sein müsste. Klingt auch irgendwie schlüssig, oder?
...werd mir die Sache morgen aber noch mal ansehen.

Gregor hat dieses Bild als Anhang hinzugefügt:
Verzahnung.jpg - 99.55kb
Benutzerprofil anzeigen Alle Beiträge des Benutzers ansehen u2u-Nachricht an Benutzer
Oliver de Minnebach
Posting Freak
*****


Avatar


Beiträge: 1894
Registriert seit: 15-8-2007
Wohnort: Imbach bei Krems
Mitglied ist Offline

Motto: Wen interessiert Bauforschung?!?

[*] Verfasst am: 7-6-2012 um 09:33


Schau dir die Mauermörtel genau an, dann wirst du des Rätsels Lösung Herr.
Schaut aus als wäre aber um die Nut eine Störung!?!
Benutzerprofil anzeigen Alle Beiträge des Benutzers ansehen u2u-Nachricht an Benutzer
Herbert
Member
***




Beiträge: 169
Registriert seit: 30-4-2005
Wohnort: Feldkirchen in Kärnten
Mitglied ist Offline

Motto: Drei Schlösser in Ruinen! Wie ward wohl zwischen ihnen. Von Fels zu Felsen einst verkehrt.

[*] Verfasst am: 7-6-2012 um 10:11


Meines Wissens wird der Begriff Nut nur bei Holzverbindungen verwendet aber nicht im Steinbau.

MfG Herbert


jedi
Zitat
Ursprünglich verfasst von matthias
Wenn schon, dann keine Fuge, sondern tatsächlich eine Nut ...
Benutzerprofil anzeigen Alle Beiträge des Benutzers ansehen u2u-Nachricht an Benutzer
Oliver de Minnebach
Posting Freak
*****


Avatar


Beiträge: 1894
Registriert seit: 15-8-2007
Wohnort: Imbach bei Krems
Mitglied ist Offline

Motto: Wen interessiert Bauforschung?!?

[*] Verfasst am: 7-6-2012 um 16:10


Auch wenn das jetzt zu einem Experten-Streit führt. Ich sage Nut = Fuge. Trotzdem kommt es darauf an wo du sprachlich zuhause bist!!!
Benutzerprofil anzeigen Alle Beiträge des Benutzers ansehen u2u-Nachricht an Benutzer
Gregor
Member
***




Beiträge: 106
Registriert seit: 23-1-2010
Wohnort: Steiermark
Mitglied ist Offline

Motto: Aufmessen ohne Tachymeter dauert laaange.

[*] Verfasst am: 7-6-2012 um 23:14


Ich hab mir die Nut heute genauer angesehen. Oliver deine These hat was für sich, dass sie sekundär sein könnte. Bei längerer Betrachtung wirkt sie etwas reingepfuscht. Ganz eindeutig kann ich’s jedoch noch nicht sagen. Auch die optische Untersuchung des Mörtels ergab (noch) kein eindeutiges Ergebnis - danke für den Tipp.
Sollte sich herausstellen, dass die Nut sekundär ist, ergibt sich natürlich die Frage wie die Geschossunterteilung davor ausgesehen hat, Holzbalkenauflage/Balkenlöcher gibt's nämlich keine. Lediglich in einem Rüstloch, der Längswand ist ein Stein eingemauert, der von der Größe & Form her eine Konsolenfunktion für einen Holzbalken hätte übernehmen können (die nachfolgenden Rüstlöcher sind aber alle leer).
Kann es sein dass Rüstlöcher anschließend die Funktion von Balkenlöchern übernommen haben (d.h. die Hölzer entsprechend ausgetauscht wurden)?


Noch ein kleiner Beitrag zu Diskussion „Wie gut dass keiner weiß, dass ich Nutfugenirgendwas heiß“: ;)

Es gibt eigene Mauernutfräsen (siehe Bild anbei) zum Herstellen von „Mauernuten“ in denen div. Elektroinstallationen verlaufen, das Wort Nut ist also nicht rein dem Holzbau zuzuordnen.
Weiterhin gibt es DIN-Normen für Größen von „Schlitzen und Aussparungen“, die aus Wänden herausgearbeitet werden (Schlitze & Aussparungen) Wobei hier ein „Schlitz“ bei tragenden Wänden bis 38 cm Breit werden kann und bis 3 cm tief. Bei nicht tragenden Wänden können die Schlitze sicher noch größer & tiefer werden.

Unterm Strich finde ich Mauernut und vorbereitete Verzahnung am praktischsten.


http://www.foerch.at/documents/thumbs/1195314656_20110806124715_800x800_Fit_0_0.png
Benutzerprofil anzeigen Alle Beiträge des Benutzers ansehen u2u-Nachricht an Benutzer
matthias
Member
***




Beiträge: 327
Registriert seit: 10-1-2005
Wohnort: Passau
Mitglied ist Offline

Motto: No Mood

[*] Verfasst am: 8-6-2012 um 08:24


Um es vereinfacht auszudrücken: Nut = längliche Eintiefung; Fuge = Spalt. In der Tat wird der Begriff der Nut nicht ausschließlich im Holzbau verwandt. Hier sind Nutverbindungen aber eben weitaus häufiger.
Benutzerprofil anzeigen Homepage des Benutzers besuchen Alle Beiträge des Benutzers ansehen u2u-Nachricht an Benutzer
Herbert
Member
***




Beiträge: 169
Registriert seit: 30-4-2005
Wohnort: Feldkirchen in Kärnten
Mitglied ist Offline

Motto: Drei Schlösser in Ruinen! Wie ward wohl zwischen ihnen. Von Fels zu Felsen einst verkehrt.

[*] Verfasst am: 8-6-2012 um 11:19


Fuge: 1. der hohle oder mit einem Binde- oder Dichtungsmittel gefüllte Raum zwischen zwei aneinanderliegenden Elementen gleichen oder verschiedenen Materials, auch die sichtbare Grenzlinie zwischen ihnen. Die waagrechte Fuge im Mauerwerk heißt Lagerfuge, die senkrechte Stoßfuge. Eine Fuge ohne Mörtel heißt Luftfuge (Trockenfuge). usw.
;)
Benutzerprofil anzeigen Alle Beiträge des Benutzers ansehen u2u-Nachricht an Benutzer
matthias
Member
***




Beiträge: 327
Registriert seit: 10-1-2005
Wohnort: Passau
Mitglied ist Offline

Motto: No Mood

[*] Verfasst am: 8-6-2012 um 17:19


Genau. Soweit zum Thema Fuge ;-)
Benutzerprofil anzeigen Homepage des Benutzers besuchen Alle Beiträge des Benutzers ansehen u2u-Nachricht an Benutzer


  Gehe zum Anfang

Powered by XMB
Entwickelt von The XMB Group © 2007-2008

[Abfragen: 18] [ 11.5% - 88.5%]