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Autor Betreff: Wimberg / Neuhauser Burgstall in OÖ
Pepi
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[*] Verfasst am: 7-7-2012 um 15:33
Wimberg / Neuhauser Burgstall in OÖ



Liebe Forumsmitglieder!
Bevor ich hier die Bilder und Details der Burg Wimberg / des Neuhauser Burgstalls reinstelle, möchte ich die Gelegenheit nutzen und euch mit der Frage nach der zeitlichen Einordnung der Anlagenreste quälen.

Folgendes Bild stammt aus dem Heimatbuch der Gemeinde Wernstein. Kann irgendwer die Fundstücke auf dem Bild grob zeitlich einordnen?

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Wimberg0001.jpeg - 199.18kb
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Pepi
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[*] Verfasst am: 7-7-2012 um 15:38
Mauerreste



Am Burghügel gibt es ganz spärliche Mauerreste. Kann irgendwer von euch von diesen Resten auf eine Errichtungszeit schließen (oder zumindest gewisse Entstehungszeiten ausschließen)?
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Pepi
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[*] Verfasst am: 7-7-2012 um 16:14
Beschreibung Wimberg / Neuhauser Burgstall in OÖ



Die Befestigungsanlage liegt etwa einen Kilometer südlich von Wernstein am Inn, hart an der Kante des ehemaligen Steinbruchs von Wernstein. Teile der Anlage sind bereits dem Steinbruch zum Opfer gefallen, jedoch sind - entgegen den Behautungen Norbert Grabherrs (1976) - noch einige Reste vorhanden, meiner Ansicht nach sogar der vollständige ehemalige Turmhügel.

Hier ein Übersichtsplan:

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Lageplan2.jpg - 169.55kb
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Pepi
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[*] Verfasst am: 7-7-2012 um 16:18
Lage und Anreise



Am leichtesten ist die Anlage von Osten, vom Bauernhof Neuhauser aus, zu erreichen. Durch die unmittelbare Nähe des ehemaligen Steinbruchs ist große Vorsicht geboten, und man sollte sich besser von Osten bzw. ONO nähern.

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Lagephoto.jpg - 97.23kb
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Pepi
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[*] Verfasst am: 7-7-2012 um 16:20
Vorsicht Steinbruch!



Es geht hier ganz schön runter...

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Pepi
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[*] Verfasst am: 7-7-2012 um 16:29
Äußerer Graben



Von Osten kommend stößt man kurz hinter dem Waldrand auf den äußeren Graben, der halbkreisförmig um die Anlage führte. Nur der nördliche Teil ist erhalten, der südliche fiel dem Steinbruch zum Opfer.

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P1050793.JPG - 189.92kb
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[*] Verfasst am: 7-7-2012 um 16:33
Innerer Graben



Einen kurzen steilen Abhang hinunter und man gelangt zum inneren Graben, der nicht sehr stark ausgeprägt ist.

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[*] Verfasst am: 7-7-2012 um 16:35
Burghügel



Der Burghügel (oder Turmhügel) befindet sich gleich innerhalb dieses Grabens. Von Osten kommend ist er nicht sehr beeindruckend, aber man kann deutlich die wenigen Mauerreste erkennen.

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P1050817.JPG - 174.26kb
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[*] Verfasst am: 7-7-2012 um 16:38
Burghügel von Norden



Von Norden ist der Burghügel schon etwas beeindruckender. Mächtige Granitblöcke bildeten die Unterlage des Kernwerks der Wehranlage. An der Westseite war das Gelände zu steil, um nach möglichen Mauerresten Ausschau zu halten, und an der Südseite des Hügels ist unmittelbar der Steilabhang des Steinbruchs.

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P1050812.JPG - 155.29kb
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[*] Verfasst am: 7-7-2012 um 16:41
Am Burghügel



Am Burghügel selbst findet man noch einige spärliche moosbewachsene Mauerreste auf Bodenniveau.

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P1050799.JPG - 197.54kb
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[*] Verfasst am: 7-7-2012 um 16:45
Burghügel von Westen



Ansicht des Burghügels von Westen. Man kann leider nicht viel erkennen, aber da das Gelände dort sehr steil ist, war keine bessere Photoposition möglich.

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P1050801.JPG - 205.1kb
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[*] Verfasst am: 7-7-2012 um 16:50
Alte Planskizze



Der Heimatforscher Johann Ev. Lamprecht hat um 1880 (vor Errichtung des Steinbruchs) eine Lageskizze des Neuhauser Burgstalls angefertigt, die ich euch natürlich nicht vorenthalten möchte. Weiters erwähnt er einen äußeren Graben der durch die Landwirtschaft beinahe völlig eingeebnet und mit Wiese bedeckt war. Da die heutige Waldgrenze auch der damaligen entspricht könnte die Anlage noch über einen weiteren Graben verfügt haben. Im Gelände konnte ich davon leider nichts erkennen (geschuldet der Tatsache, dass an der Stelle, wo der Graben durch die Landwirtschaft nicht zerstört wurde, er vom Steinbruch vernichtet wurde).

Viel Spaß mit den Bildern!

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Lamprecht_Neuhauser.jpg - 184.39kb
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Hagen von Tronje
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[*] Verfasst am: 7-7-2012 um 20:59


Hallo Pepi,
Freut mich, Dich wieder im Forum anzutreffen!

Bezüglich Deiner Fragen zum Neuhauser Burgstall, der von Norbert Grabherr als "Burg Wimberg " angesprochen wurde, liegen mir folgende Informationen vor:

Die Wehranlage wurde in den 1990-er Jahren von Dr. Marianne Pollak (BDA) und Mag. Wilhelm Rager anlässlich der archäologischen Landesaufnahme des Bezirkes Schärding begangen. Aufgrund der Struktur wird von den Experten eine sog. Plateaurandburg angenommen . Solche Anlagen sind vor allem im nördlichen Innviertel, dem Rottachgau und im Einflussgebiet der Passauer Bischöfe bekannt. Obwohl nur für wenige der Anlagen archäologische oder urkundliche Daten vorliegen, sprechen Flurnamen und einzelne Merkmale für eine Datierung ins ausgehende Frühmittelalter (9.-10.Jh.n.Chr.).

Literaturhinweise: Marianne Pollak u. Wilhelm Rager. „In villa Antesna“ – Zur frühgeschichtlichen Siedlungsentwicklung im nördlichen Innviertel. Fundberichte Österreich 39, 2000, 357–379, bes. 361.
Marianne Pollak, Burgstall Pfaffstätt. Nachrichtenlose Burgen des ausgehenden Frühmittelalters in Oberösterreich. Mitteilungen der Archäologischen Arbeitsgemeinschaft Ostbayern, Süd- und Westböhmen. Rahden 2007, 291ff.

Die von Dir aufgenommenen Mauerreste passen aber gar nicht ins Frühmittelalter. Mglw. liegt hier eine Sekundärnutzung einer älteren Anlage vor???

Die Annahme von Grabherr, der hier einen "Heinricus de Wineberge" ansiedelt und daraus eine Burg Wimberg konstruiert, dürfte aber nicht stimmen.

Grüsse
Hagen
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[*] Verfasst am: 8-7-2012 um 04:54


Lieber Hagen!

Danke für deine Info! Die namentliche Verbindung dieser Anlage mit dem 1 km entfernten Ort Wimberg erscheint mit auch etwas weit hergeholt. Noch dazu wo sich das "Wineberge" auch auf einige andere Orte in der näheren Umgebung beziehen könnte (zB Sankt Johann am Wimberg im Mühlviertel, oder Windberg in der Nähe von Deggendorf o.ä).
Die zeitliche Festlegung auf das 9./10. Jahrhundert bei Pollak/Rager klingt aber ebenfalls etwas vage, gegen eine allzu späte Nachnutzung der Wehranlage (neuzeitlich) sprechen aber mE zB die fehlenden schriftlichen Quellen.
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Hagen von Tronje
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[*] Verfasst am: 16-7-2012 um 10:53
Begehung des Neuhauser Burgstalles



Lieber Pepi,

Vorerst vielen Dank für die vorzüglichen Bilder und den Hinweis auf die Mauerreste, die bislang so manchem Burgenforscher entgangen sind. (Diese sind allerdings erst nach "halsbrecherischem" Abstieg erreichbar!).

Ich konnte den Neuhauser Burgstall nun endlich auch einmal begehen und war von der Anlage, trotz der massiven Beeinträchtigung durch den Steinbruch, sehr beeindruckt. Dein Bericht ist gut nachvollziehbar, dennoch möchte ich folgende These zur Diskussion vorlegen: Meiner Auffassung nach handelt es sich mglw. um zwei zeitlich und räumlich getrennte Anlagen!

Mittels moderner Techniken lässt sich nämlich auf der Hochfläche nordwestlich des Anwesens vlg. Neuhauser ein mind. 250 m langer, halbkreisförmiger Graben sichtbar machen, der das Plateau weitläufig abriegelt (er ist mit dem Auge kaum mehr erkennbar). Das von Dir als "äusserer Graben" bezeichnete Annäherungshindernis ist somit bereits der oder ein "innerer Graben". Etwas unterhalb befindet sich dann ein - allerdings arg ramponierter - Hügel, der mglw. dem von Lamprecht gezeichnete Kernwerk entsprechen könnte.

Der von Dir entdeckte Burghügel mit Mauerresten liegt dann noch etwas tiefer, steht eher "exzentrisch" zu den obig genannten Gräben und stellt mglw. eine eigenständige (jüngere?) Anlage dar. Das Mauerwerk stammt jedenfalls mit grosser Sicherheit aus dem Spätmittelalter: Es zeigt lagerhafte Strukturen, ist leicht ausgezwickelt, eine Entstehung zwischen 1300 und 1500 liegt sehr nahe. Weitere verschliffene Rudimente auf dem Felsenriff lassen m.V. eine Kleinburg annehmen, die vermutlich in Zusammenhang mit der Herrschaft Neuburg stand und eine ähnliche Funktion wie Neufels oder Wernstein erfüllt hat. Eigenartig ist aber, dass die Anlage im Kupferstich der "Freien Grafschaft Neuburg am Inn" von Vischer (1674) nicht eingezeichnet ist.

Es kann natürlich sein, dass die weitläufigen, halbrunden Gräben auf der Hochfläche gleichzeitig mit der spätmittelalterlichen Burganlage entstanden sind, ich würde aber hier eine ältere Befestigung nicht gänzlich ausschliessen.

Noch kurz zu den Funden: Die Flügellanzenspitze könnte laut frdl. Auskunft eines Mittelalterarchäologen noch aus dem 14. Jh. stammen, der Schlüssel und das Geschoss sind wohl neuzeitlich.

LG
Hagen
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Hagen von Tronje
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[*] Verfasst am: 16-7-2012 um 10:54
Versuch einer Planskizze





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Neuhauser Burgstall Skizze.JPG - 267.49kb
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[*] Verfasst am: 16-7-2012 um 13:49


Vielen Dank für die erhellende Skizze!

Der verflachte Graben in der Wiese entspricht genau der Skizze und Beschreibung von Lamprecht, der den äußersten Graben außerhalb des Waldes verortet hat.

Der Burghügel passt in der Tat nicht wirklich mit den Gräben zusammen. Einerseits von der Lage her, aber auch andererseits von den Dimensionen. Die Gräben sind für den kleinen Burghügel wohl etwas überdimensioniert.

Die Erklärung, dass der Burghügel eine späte Nachnutzung eines Teils der älteren Anlage ist klingt sehr einleuchtend. Gegen eine größere Nutzung im Spätmittelalter spricht mE auch die Quellenlage. Größere Ruinenreste müßten jedenfalls irgendwo erwähnt/abgebildet worden sein.

Vielen Dank auch für die zeitliche Einordnung!
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Wilhelm von Baumgarten
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[*] Verfasst am: 16-7-2012 um 15:10


@Funde:

anhand des Größenverhältnisses zum Schlüssel würde ich das eher als Armbrustbolzenspitze ansprechen (wahrscheinlich 15. Jhd.), das "Geschoß" hätte ich auch eher als halbkugelförmigen Knopf aus Buntmetall angesprochen (auch 15. Jhd. - so einen habe ich selber schon gefunden).




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