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Autor Betreff: Wien - Zentrum eines Netzwerks für Frühmittelalterforschung
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[*] Verfasst am: 3-1-2005 um 21:51
Wien - Zentrum eines Netzwerks für Frühmittelalterforschung



03. Jänner 2005 15:02

Wien wird Zentrum eines internationalen Netzwerkes für Frühmittelalterforschung
Projekt-Start durch Wittgenstein-Preisgeld Walter Pohls ermöglicht

Wien - Wien wird Zentrum eines neuen internationalen Netzwerkes für Frühmittelalterforschung. Keimzelle und Herzstück ist ein Projekt des diesjährigen Wittgenstein-Preisträgers Univ.-Prof. Walter Pohl, Direktor des Instituts für Mittelalterforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) in Wien. Gestartet wurde das mit den 1,5 Mio. Euro Wittgenstein-Preisgeld finanzierte Forschungsvorhaben sowie das Netzwerk, in dem derzeit 30 Frühmittelalterexperten aus Europa und den USA zusammenarbeiten, mit Jahresbeginn 2005, wie Pohl erklärt.

In dem Netzwerk sind bisher Forschungseinrichtungen aus vier Ländern vertreten: Die Universität Utrecht in den Niederlanden, die Universitäten Cambridge und Leeds in Großbritannien, die Sorbonne in Paris sowie die University of California in Los Angeles (UCLA). Dazu kommt Pohls Wiener Institut, das bis 2009 durch ein Team von rund zehn Historikern massiv verstärkt werden soll. Mit dem ausschließlich für Forschung zur Verfügung stehenden Wittgenstein-Preisgeld sollen Post-Docs und Doktoranden angestellt und ausländische Gäste für mehrere Monate bis ein Jahr lang nach Wien eingeladen werden. Ziel sei ein "intensives Forschungsprogramm zum Frühmittelalter", in dessen Rahmen die bisher von der Wissenschaft zu wenig berücksichtigte Zeitspanne von 400 bis 1000 n. Chr. beleuchtet werden soll.

Grundlagen des heutigen Europa

"Vieles, was unser Europa heute prägt, entstand ab dem 4. Jahrhundert nach Christus aus der Umwandlung des römischen Reiches und der Völkerwanderungszeit. Für das Verständnis des gegenwärtigen Europas ist die Erforschung dieses Zeitraumes unabdingbar", erklärte der Historiker. Denn im Frühmittelalter, also zwischen 400 und 1000 n. Chr., habe sich die ethnische und politische Landkarte Europas entwickelt. Fast alle Völker und Staaten, die heute den Kontinent prägten, seien bereits zu dieser Zeit entstanden.

Vor allem diese komplizierten Prozesse der Entstehung neuer ethnischer Identitäten sind laut Pohl Gegenstand des Wittgenstein-Projektes sowie der Forschungsarbeiten im Rahmen des neuen Netzwerkes. "Zweite wichtige Brücke zur Gegenwart ist die Tatsache, dass Migration und Integration der 'Fremden' in der Zeit der Völkerwanderung als ferner Spiegel für die heutigen Probleme der Zuwanderung dienen kann", betonte der Historiker.

Zeitalter des Umbruchs

Am Beginn des Frühmittelalters stehen das Ende der römischen Herrschaft in West- und Mitteleuropa. "Das wird heute nicht mehr als plötzlicher 'Fall Roms' gesehen, so dass kein genaues Datum für eine Zeitenwende angegeben werden kann. Das Ende der antiken Zivilisation war ein längerer Prozess, in dem allmählich die Lebensordnungen des mittelalterlichen Europas entstanden", erklärte Walter Pohl.

Die Übergangszeit von etwa 400 bis 600 n. Chr. - die Völkerwanderungszeit - werde daher oft sowohl der Spätantike als auch dem Frühmittelalter zugerechnet. "Diese Zeit raschen kulturellen und politischen Wandels ist eine der fesselndsten Epochen der Weltgeschichte. Der Niedergang der Jahrtausende alten antiken Mittelmeerkultur und die Machtübernahme in vielen Teilen des Römischen Reiches durch 'barbarische' Zuwanderer ist eines der großen Themen der Menschheitsgeschichte", betonte der Historiker.

Mögliche Gründe des Umbruchs

Wieso das mächtigste Reich der Alten Welt zerfallen sei, ob dies an seiner eigenen Schwäche und Zwietracht oder an der Stärke der bewaffneten Germanen, Steppenvölker und Araber, die neue Reiche gründeten, gelegen sei, wird bis heute diskutiert. Ebenso rätselhaft sei bis in die Gegenwart, weshalb so vieles der klassischen Kultur aufgegeben worden sei. "Waren es die neuen Religionen, Christentum und später Islam, die zu einer grundlegenden Veränderung der Mentalität führten oder eher Bevölkerungsrückgang, Klimawandel und Wirtschaftskrise? Das sind jene Fragen, die uns unter anderem beschäftigen", erläutert Pohl.

Seit dem 7. Jahrhundert war die Mittelmeerwelt in drei Kulturbereiche gegliedert: die islamische Welt im Vorderen Orient und in Nordafrika, das Byzantinische Reich - mit dem Zentrum in Konstantinopel und in direkter Kontinuität zum Römischen Imperium - in Kleinasien und Südosteuropa sowie die lateinische Christenheit in West- und Mitteleuropa. Im Zentrum dieses neuen Europa lag das Reich der Franken, das vom heutigen Frankreich aus auf weite Gebiete östlich des Rheins ausgriff. Um 800 n. Chr. unter Karl dem Großen, der wieder den römischen Kaisertitel annahm, gerieten auch große Teile Italiens unter fränkische Kontrolle.

"Das Verhältnis zwischen dem Kaiser aus dem Norden und dem Papst in Rom blieb das ganze Mittelalter hindurch problematisch. Um 900 n. Chr. zerfiel dann das Frankenreich. Aus dem westlichen Teil entstand Frankreich, und im Osten in einem Jahrhunderte langen Prozess Deutschland. In diesen komplexen Prozessen entstand die europäische Identität in ihrer ganzen Vielfalt", erklärt der Wissenschafter.

Erfassung historischer Quellen

Im Rahmen des fünfjährigen Forschungsvorhabens sollen teils noch kaum aufgearbeitete Texte aus dem Frühmittelalter untersucht werden. Darunter sind unter anderem Geschichtswerke und Gesetzessammlungen, Heiligenleben und Bibelkommentare sowie Inschriften und Briefe. Vor allem von handschriftlichen Überlieferungen erwartet sich Pohl neue Hinweise auf Fragestellungen im Zusammenhang mit ethnischen Identitäten.

Geplant sind zahlreiche Vorträge und Tagungen - das erste Netzwerk-Treffen soll Mitte Februar in Wien stattfinden -, wissenschaftliche Werke sowie mehrere für Laien verständliche Bücher. (APA)


http://www.oeaw.ac.at/gema/

Siehe auch http://archaeologieforum.at/forum/index.php?showtopic=2281
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M.A.Knapp
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Motto: No Mood

[*] Verfasst am: 4-1-2005 um 20:24


Ich hoffe daß das ein gesamtheitlicher Ansatz (Geschichte, Archäologie, Ethnologie, ...) wird sonst haben wir wieder ein weiteres hatschertes Geschichtsbild dieser Zeit.
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