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Autor Betreff: Zerstörung der Schwedenschanze bei Burg Clam
Hagen von Tronje
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[*] Verfasst am: 11-9-2013 um 10:27
Zerstörung der Schwedenschanze bei Burg Clam



Eigentlich wollte ich über keine Zerstörungen mehr berichten, weil das ganze eh nur mehr frustrierend ist und mir schön langsam graue Haare wachsen …

Der jetzige, aktuelle Fall ist aber insofern so krass, da sich der Grundbesitzer, eine adelige Herrschaft, offenbar als "Kulturbewahrer", "Kulturfreund" oder so was Ähnliches sieht und bezeichnet.

Im Detail: Der Burgstallberg bei Klam im unteren Mühlviertel beherbergt ein höchst interessantes Konvolut an bemerkenswerten Bodendenkmalen. Zum eineren bestehen hier die Rudimente der 1149 urkundlich genannten, zweiten Burg Clam, deren zerborstener Mauerring heute als Erdwall erkenntlich ist.

Etwas unterhalb der ehem. Burg bestehen mehrere mächtige Erdbastionen, die vom Bundesdenkmalamt als "hallstattzeitliche Ringwälle" erkannt wurden.
Siehe auch: Dr. Thomas Kühtreiber, Burgenbau in Oberösterreich, http://www.ooegeschichte.at (mit Vermessungsplan)

www.ooegeschichte.at/Burgenbau.1446.0.html


Blick vom Burgstallberg auf die Burg Clam:

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Hagen von Tronje
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[*] Verfasst am: 11-9-2013 um 10:29
Zerstörung der Schwedenschanze



Wäre das ganze nicht eh schon beeindruckend genug, bestand dann ca. 0,3 km südwestlich, gleich über der Klamschlucht, ein weiteres Bodendenkmal, die sog. Schwedenschanze, die aber bereits in den Hussitenkriegen entstanden sein dürfte (somit Spätmittelalter). Sie wird gegen das Hinterland durch eine etwa 70 m lange Wall-Graben-Anlage abgetrennt. Die Grabensohle selber weist einen äußerst seltenen Stolperwall auf.

Bei meiner Begehung im August 2013 bot sich mir dann folgender, erschreckender Anblick: Der Erdwall der Schanze wurde gleich dreimal (!) von einem frisch angelegten Bringungsweg durchbrochen und somit zerstört. Siehe aktuelle Bilder:
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Hagen von Tronje
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[*] Verfasst am: 11-9-2013 um 10:32
Schwedenschanze



Blick auf die neue "Forstautobahn" die den südlichen Wallteil durchbrochen und somit zerstört hat

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Zerstörung der Schwedenschanze (3) (640x480).jpg - 262.84kb
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Hagen von Tronje
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[*] Verfasst am: 11-9-2013 um 10:34


Auch der nördliche Wall wurde frisch durchbrochen, der seltene Stolperwall weitgehend zerstört.

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Hagen von Tronje
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[*] Verfasst am: 11-9-2013 um 10:35


Frischer Schnitt durch den Erdwall

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Zerstörung der Schwedenschanze (2) (640x480).jpg - 289.33kb
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Hagen von Tronje
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[*] Verfasst am: 11-9-2013 um 10:37


Da mir angesichts dieser sinnlosen Zerstörungsaktion, die offenbar sogar im Auftrag eines sog. "Kulturträgers" (!) durchgeführt wurde, weitere Worte fehlen, erlaube ich mir, einen bekannten Forscher zu zitieren:


"Die Fassungslosigkeit wird mir immer mehr zum Gemütszustand, wenn es um historische Belange geht"
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karolyi
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[*] Verfasst am: 11-9-2013 um 17:20


Hallo Hagen
Mit dieser Symptomatik musst du erst umgehen lernen. Den einerseits ist das BDA hinter jeden Raubgräber mit der Keule und anderseits verschwinden hunderte Ha. Bodendenkmäler durch Bau bzw. Landwirtschaftlicher Nutzung. Ich habe hier in diesem Forum dieses Vorgehen mehr als einmal angeprangert.
l.G.

Karolyi
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Hagen von Tronje
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[*] Verfasst am: 12-9-2013 um 08:10


Hallo Karolyi

Sondengeher (aka "Raubgräber") und Archäologen treffen sich am 13. Sept. im Linzer Schloss und debattieren darüber.

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karolyi
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[*] Verfasst am: 12-9-2013 um 17:46


Hallo Hagen
Leider bin ich am 13.9. mit Führungen ausgebucht. Ein Anliegen an alle Beteiligte möchte ich hier allerdings an euch mitgeben;): es muss eine Verbindung aller interdisziplinären Einrichtungen inklusive der Heimatforscher und all jener Personen die sich für die Sache stark machen geben. Und das muss vom BDA abgesegnet werden!
Ich habe mich bereits sehr oft schon meinen Rüffel verbrannt indem ich versucht habe beim BDA mich für Fundorte einzusetzen. Es kann nur eine große Gruppe diesen Moloch in der Hofburg/Säulenstiege beikommen! Übrigens in Deutschland konnte ich beste Erfahrungen in dieser Sache machen.

l.G.

Karolyi
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[*] Verfasst am: 24-9-2013 um 09:45
Antwort des Grundbesitzers



Fairerweise möchte ich hiermit auch den Standpunkt des Grundbesitzer übermitteln:

"Dankeschön für Ihr freundliches E-Mail. Natürlich betreiben wir in erster Linie Forstwirtschaft. Carl Philip Clam ist aber auch die wissenschaftliche Forschungs-Arbeit an der Burg und auch am Burgstall sehr wichtig. Derzeit haben wir sogar zwei wissenschaftliche Projekte an der Schwedenschanze/Ringwall."

Bei allem Respekt, Herr Graf : Nach einer "wissenschaftlichen Untersuchung" sieht mir das ganze leider nicht aus!
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Oliver de Minnebach
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Motto: Wen interessiert Bauforschung?!?

[*] Verfasst am: 26-9-2013 um 09:54


Nur nicht aufreiben! Bringen tut's gar nix. Aufzeigen und melden... wenn überhaupt.
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Hagen von Tronje
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[*] Verfasst am: 8-10-2013 um 09:37


„Den wer der vergangenen ding nit gedenkt, der verliehrt nützlich zu leben“

Hans Seyfried Hager, 1670
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Hagen von Tronje
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[*] Verfasst am: 31-10-2013 um 11:56


Der Bau von Rückegassen oder Forstwegen, die Wälle durchstoßen oder Gräben überqueren, ist ein massiver Eingriff in die Substanz der Bodendenkmäler und rechtlich nicht zulässig.

Quelle: http://www.lwf.bayern.de/veroeffentlichungen/lwf-spezial/03/linkurl_1.pdf

Offenbar ticken in Bayern die Uhren anders, die sind uns Jahre voraus ...

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Oliver de Minnebach
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[*] Verfasst am: 10-11-2013 um 10:17


Das ist ein suoer Heftl!
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karolyi
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[*] Verfasst am: 12-11-2013 um 16:39


Ja das System in Deutschland ist um einiges besser als bei uns in Österreich. Da gibt es auch eine optimale Zusammenarbeit zwischen der Wissenschaft und den ortsansässigen Heimatforschern.
Bei uns in Österreich darf ein Heimatkundler bzw. Heimatforscher einen Fund dem BDA melden, dann kommt die Antwort darum kümmern wir uns und das war es. In Deutschland habe ich selbst miterleben dürfen wie solche Heimatkundler nach einer Fundmeldung in das weitere Procedere eingebunden werden.
Meiner Meinung nach leben die maßgeblichen Beamten in Österreich noch in der K u K - Zeit und dementsprechend geht man von Seiten dieser Behörden mit Fundorte und auch in zwischenmenschliche Beziehungen derart überheblich um, so dass wir in Zukunft noch wesentliche Funde unserer Heimat verlieren werden.
Es erweckt in mir den Eindruck, dass unsere österreichischen Professionisten Angst vor das Wissen solcher Heimatforscher haben.
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wulf
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[*] Verfasst am: 14-11-2013 um 20:41


Die Bayern freuen sich sicherlich ;)
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