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Autor Betreff: Vischer: Realität, Fantasie oder beides
Gregor
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Motto: Aufmessen ohne Tachymeter dauert laaange.

[*] Verfasst am: 28-12-2013 um 12:58
Vischer: Realität, Fantasie oder beides



Georg Matthäus Vischers Ansichten haben den Ruf, es mit der Realität nicht immer so genau zu nehmen. Umfassende Untersuchungen zu dieser Thematik gibt es meines Wissens nicht. Lediglich ein Beitrag von Monika Küttner (Johannes Clobucciarich, Georg Matthäus Vischer und Carl Haas. Drei Architekturtopographen und ihre unterschiedlichen Sichtweisen des Bildinhaltes Burg, in: Burgen im Alpenraum (Forschungen zu Burgen und Schlössern 14) widmet sich der Fragstellung, wie nahe die Werke Vischers der Realität kommen.

Da viele im Forum ihre gut bekannten Lieblingsobjekte haben, bietet es sich an, diese den Stichen Vischers (bzw. Trosts) bildlich gegenüber zu stellen und zu beurteilen, ob er die entsprechende Ansicht eher „konservativ“ oder nach „künstlerischen Maßstäben“ angefertigt hat.

Ich mache den Beginn mit Schloss Stibichhofen in Trofaiach. Dabei handelt es sich um einen dreistöckigen Bau über rechteckartigem Grundriss. Vischer hat das Schloss aus südöstlicher Sicht wiedergegeben. Schwierigkeiten hatte er offenbar bei der Darstellung der beiden, aus der Mauerflucht bzw. den Ecken vorspringenden, turmartigen Gebäudeteile. Ohne das Original zu kennen, ist die korrekte Sichtweise für diesen Bereich nur erschwert einzunehmen. Bauliche Details, wie die Anzahl der Fenster und die durch sie gebildeten Achsen stimmen nicht überall mit dem heutigen Zustand überein – hierfür könnten neben einer nicht realitätsgetreuen Wiedergabe auch bauliche Änderungen verantwortlich sein. Die Dachform ist korrekt dargestellt, wie aus späteren Abbildungen ersichtlich, lediglich der womöglich später hinzugekommene Dachreiter fehlt. Die heutige Form erhielt das Dach erst durch einen Umbau.
Das im Süden befindliche Eingangstor wurde im Stich an der richtigen Stelle eingefügt – selbes gilt für die nach Süden vorspringende Mauerflucht.
Eine „leichte“ Übertreibung existiert offenbar bei den kleinen vergitterten Fenstern der turmartigen Gebäudeteile im Erdgeschoss – diese sind bei Vischer beinahe in derselben Größe angeführt wie die übrigen Fenster. Dieser Sachverhalt entspräche der Vermutung, dass sich Änderungen in Vischers Darstellungen meist in eine Richtung bewegen, die der „Vergrößerung“ und optischen „Verbesserung“ des Objektes dienen. Eine verkleinerte Darstellung wäre für die Eigentümer, die oft gleichzeitig Käufer der Werke waren, wenig schmeichelhaft gewesen. Diese Annahme würde auch die Vermutung unterstützen, dass der erwähnte Dachreiter erst später hinzugekommen ist, da ein Weglassen dieses Details, keinen repräsentativen Vorteil mit sich gebracht hätte.
Die Topographie der steirischen Berglandschaft im Hintergrund lasse ich außer Acht, da diese für den auf das Gebäude fokussierten Burgeninteressierten in diesem Fall weniger wichtig ist.

Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass Vischers Darstellung das Schloss Stibichhofen sehr gut wieder gibt – sieht man von baulichen Details und etwaigen Verschiebungen der Größenrelationen ab.

Gregor hat dieses Bild als Anhang hinzugefügt:
Stibichhofen_klein.jpg - 315.97kb
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