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Autor Betreff: Begrifflichkeiten zur Mauerwerksbeschreibung
Gregor
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Motto: Aufmessen ohne Tachymeter dauert laaange.

[*] Verfasst am: 17-8-2014 um 15:24
Begrifflichkeiten zur Mauerwerksbeschreibung



Hallo Leute,

vor Kurzem hab ich versucht eine Definition des Begriffs „lagerhaft“ zu finden und konnte nur auf http://www.imareal.sbg.ac.at/noe-burgen-online/glossar fündig werden, wobei die dort angeführte Erklärung sehr eng gesteckt ist. Meiner Meinung nach wird das Wort in Bezug auf Mauerwerksstrukturen auch noch in einer anderen wesentlichen Auslegung verwendet.
Im Zuge meiner Nachforschungen hat sich jedenfalls herausgestellt, dass es neben dem angeführten Glossar im Netz und in der Publikation „Fundort Wien. Berichte zur Archäologie 3/2000“ (wobei ich den dort angeführten selbst noch nicht lesen konnte) keine andere zentrale Stelle gibt, in der die unterschiedlichen Begriffe im Zusammenhang mit Mauerwerksbeschreibungen punktuell sowie umfassend aufgelistet und abgrenzend beschrieben werden. Löbliche Ausnahme ist natürlich das Burgenforum und die Mauerwerksseite von Martin, wobei hier eine listenartige Aufbereitung nicht umgesetzt ist.
Aus diesen Gründen starte ich nachfolgend mit einer derartigen definitorischen Auflistung & werde diese zukünftig laufend erweitern. Der Schwerpunkt liegt auf Begriffen, die in Imareal nicht enthalten sind. Sofern bestimmte Erklärungen nicht korrekt sind, bitte ich um eure Mithilfe – ich werde die entsprechende Definition dann anpassen.


Ab-/Ausgleichslagen
Meist aus plattigem Steinmaterial, Ziegel(bruch)stücken und/oder Mörtel gebildete niedrige Lagen, um die Unregelmäßigkeit der darunter liegenden Steinschicht(en) auszugleichen. Durch Ausgleichslagen können Kompartimente oder Schichtpakete gebildet werden.

Arbeitshöhe
Abstände zwischen Abgleichslagen (nach Martin Aigner: http://www.burgenseite.com/mwk_txt.htm).

Balkenkanal/Balkenloch
Balkenkanäle können längs oder quer zur Mauerflucht verlaufen und vertikal oder horizontal situiert sein. Längsverlaufende Kanäle liegen im inneren des Mauerwerks oder finden sich als Nut in der Mauerschale, querverlaufende Kanäle sind als Balkenlöcher sichtbar.
Balkenkanäle können verschiedene Entstehungsgründe haben, im Folgenden werden einige Beispiele angeführt:
(1) Längsverlaufende Balkenkanäle entstehen oft durch zerfallene Maueranker (siehe dort), Polsterhölzer/Tragleisten für Holzvertäfelungen (in diesem Zusammenhang auch als Balkenlager bezeichnet) oder dienten der Aufnahme von Riegelbalken (zum versperren von Toren, Türen oder seltener Fenstern). Auch verrottete Prellhölzer hinterlassen bei Schießscharten Negativabdrücke, die in das Mauerwerk reichen. Während Maueranker und Polsterhölzer vertikal oder horizontal situiert sein können, sind Prellhölzer horizontal gelegen.
(2) Querverlaufende Horizontalkanäle können sich aufgrund von verrotteten Rüsthölzern (siehe Rüstloch) oder Balken, die Aufbauten aus Holz (z. B. Wehrgänge) oder Stein getragen haben, ergeben. Letztere unterscheiden sich von Rüstholzkanälen oft dadurch, indem sie nicht durch das Mauerwerk hindurchreichen und über einen größeren Durchmesser verfügen.
(3) Während die angeführten Beispiele eher Standardeinrichtungen waren, gibt es zusätzlich Balkenkanäle, die sich aus Vorrichtungen für Sonderfunktionen ergeben. Exemplarisch sei der vertikale über 2 Stockwerke reichende Längskanal in der Ruine Stockenfels genannt. Dieser nahm innerhalb der Mauerdicke einen Riegelbalken auf, der seinerseits den horizontalen Riegelbalken zum Verschließen des Fensters im unteren Geschoss fixieren sollte. Ein unbefugtes öffnen des Fensters wurde somit verhindert und konnte nur durchgeführt werden, indem der vertikale Balken im oberen Stockwerk angehoben wurde und somit der horizontal laufende Balken in das Mauerwerk geschoben werden konnte (nach Michael Dittmann (1995): Ein hölzernes Stockfenster des 14. Jahrhunderts auf der Burgruine Stockenfels).

Binderstein
Von der äußeren Mauerschale in die Mauerfüllung reichender Stein.

Binnenmauer
Mauerzug der sich innerhalb eines Gebäudes oder auch eines Berings befinden.

Blendmauerwerk
Zur Gliederung oder Verzierung einer Fassade o. ä. eingesetztes, nicht tragendes Mauerwerk.

Bruchstein
Kantige Steine, die durch das Brechen entlang der natürlichen Schichtung bzw. Klüftung
oder aus dem Steinbruch gewonnen werden (nach Andreas Kinne (2009): Tabellen und Tafeln zur Grabungstechnik).

Buckelquader/Bossenquader
Quaderförmiger Werkstein mit erhaben/buckelig gestalteter Schaufläche (Spiegel). Oft sind die Buckelquader mit einem Randschlag (ebener Streifen am Rand, auch Saumschlag) versehen (nach http://www.imareal.sbg.ac.at/noe-burgen-online/glossar).

Durchschuss/Durchschießerlage
Horizontale Stein- oder Ziegellage, die durch das Mauerwerk hindurchreicht.

Dübellöcher
Kleinere Löcher im Mauerwerk die zur Aufnahme von Holzdübeln dienten, die ihrerseits zur Befestigung von z. B. Holzvertäfelungen verwendet wurden.

Eiserne Schließe
Eiserne Schließen (auch Mauer- oder Zuganker genannt) wirken dem nach außen gerichteten Druck von Mauern entgegen, der sich z. B. aus Gewölbeschub ergibt. Die Schließen befinden sich an der Außenseite zweier gegenüberliegender Mauern und sind über Bandeisen oder auch Holzbalken miteinander verbunden.

Feld-/Lese-/Rollstein
Natürlicher unbearbeiteter Stein (meist in gerundeter Form) (nach Andreas Kinne (2009): Tabellen und Tafeln zur Grabungstechnik).

Fugenstrich/Kellenstrich
Die Lager und Stoßfugen werden mit dem überschüssigen Setzmörtel glatt verschlossen und die Konturen der Steine mit der Kelle nachgezogen. Dadurch entsteht eine scharfkantige Vertiefung im aushärtenden Mörtel die durch ihren Schattenschlag die Mauerfläche auflockert (nach Martin Aigner: http://www.burgenseite.com/mwk_txt.htm).

Futtermauer
Gemauerte Bekleidung, z. B. einer Böschung, zum Schutz gegen das Abstürzen von Felsmassen, im Unterschied zur Stützmauer, gegen Erdmassen (nach: Hans Koepf/Günther Binding (2005): Bildwörterbuch der Architektur).

Gussmauerwerk (opus caementitium)
Zwischen zwei Mauerschalen wird ein mit Steinbrocken durchmischter Mörtel gegossen.

Halte-/Heberinge
In einer Mauer oder einem Gewölbe eingelassene Metalldübel an deren Enden Ringe befestigt sind. An diesen können mit Hilfe von Stangen, Seilen oder Ketten Lasten befestigt werden.

Handquadermauerwerk
Mauerwerk aus Quadern oder quaderhaften Steinen in Lagen mit niedriger Höhe (nach Jürgen Movari (2012): Der steinerne Burgenbau des Hochmittelalters in der Steiermark).

Haustein
Gebrochener Stein, der zu einer regelmäßigen Form gearbeitet ist (nach Andreas Kinne (2009): Tabellen und Tafeln zur Grabungstechnik).

Kompartimentmauerwerk (lateinisch für „abgegrenzter Raum“)
Strukturloses Bruchsteinmauerwerk, bei welchem das Steinmaterial mittels horizontaler Fugen (mitunter durchlaufender Mörtelbänder) abgeglichen und somit zu definierten Arbeitshöhen (Kompartimenten) zusammengefasst wird (in Anlehnung an http://www.imareal.sbg.ac.at/noe-burgen-online/glossar).

Lagensprung
Durch das Aufeinandertreffen unterschiedlicher Steinformate erfolgt ein Höhensprung in der
Lagerfuge. Oft gehen auch zwei oder mehrere Steinlagen in eine einzelne über.

Lagerhafte Bruchsteine
Lagerhaft sind Bruchsteine, wenn sie zwei platte Seiten haben, die entweder von Natur vorhanden oder durch Behauen erzeugt sind, und daher gut (gem. ihrer natürlichen Schichtung) zu vermauern sind.

Lagerhaft verlegtes Mauerwerk ohne Ausgleichslagen
In horizontalen Lagen (nicht hochkant) versetzte Steine, die keine durchlaufenden Einzellagen und keine Schichtpakete bilden. Oft aus plattigem Steinmaterial versetzt.

Lagerhaftes Mauerwerk
Mauerstruktur, bei der die Steine, zuweilen ausgezwickelt, in horizontalen Lagen versetzt sind und zu zwei oder mehreren Steinlagen zusammengefasst werden und somit Schichtpakete bilden (in Anlehnung an http://www.imareal.sbg.ac.at/noe-burgen-online/glossar). Das Zusammenfassen der Einzellagen erfolgt durch Ausgleichslagen, die mit der darunter liegenden Steinlage optisch „verschmelzen“ und somit die genannten Schichtpakete bilden (nach Jürgen Moravi (2012): Der steinerne Burgenbau des Hochmittelalters in der Steiermark).

Lagiges/lagenhaftes Mauerwerk/Schichtmauerwerk
In Einzellagen versetzte Steine (meist Quader oder quaderhafte Bruchsteine). D. h., dass die Oberkante jeder einzelnen Steinlage eine exakte horizontale Unterlage für die nächste Schicht bildet (nach Martin Aigner: http://www.burgenseite.com/mwk_txt.htm).

Maueranker
Holzbalken wurden horizontal oder vertikal im inneren des Mauerwerks verlegt und ggf. auch miteinander verzahnt, um dem Mauerwerk eine höhere Festigkeit zu verleihen. Teilweise auch als Synonym für „Eiserne Schließe“ (siehe dort) verwendet.

Mauerfüllung/Mauerspeise
Kernstruktur der Mauer, die sich zwischen den außen liegenden Mauerschalen befindet und aus grobem und billigem Material besteht (nach Jürgen Movari (2012): Der steinerne Burgenbau des Hochmittelalters in der Steiermark).

Mauerschicht
Der zwischen zwei benachbarten, durch die ganze Mauerdicke hindurchreichenden Lagerflächen befindliche Mauerteil (nach Otto Lueger (1904): Lexikon der gesamten Technik).

Mauerwerksstruktur (siehe Illustrationen am Ende des Beitrages)
Die Mauerwerksstruktur beschreibt den Aufbau bzw. die bestehende Gefügetechnik einer Mauer. Die einschlägigen Begrifflichkeiten zur Beschreibung der verschiedenen Strukturen werden in der Literatur ihrem Bedeutungsinhalt gemäß nicht immer vollkommen einheitlich verwendet. Die festgehaltenen Definitionen orientieren sich an den angeführten Quellen und bilden eine mögliche Variante zur Standardisierung der entsprechenden Nomenklatur. Selbstverständlich gibt es neben den beschriebenen (archetypischen) Strukturen, Übergangs- und Mischformen, wie z. B. lagerhaftes Netzmauerwerk oder lagerhaft verlegtes Mauerwerk ohne Ausgleichslagen. Die Definitionen der nachfolgend angeführten Strukturen finden sich an den zugehörigen Stellen im Glossar.
(1) Lagiges/lagenhaftes Mauerwerk/Schichtmauerwerk (von ungefähr 1100 - 1250)
(2) Lagerhaftes Mauerwerk (von ungefähr 1200 - 1300)
(3) Kompartimentmauerwerk (von ungefähr 1250 - 1400)
(4) Zwickelmauerwerk (ab ungefähr 1400)
(5) Netzmauerwerk (ab ungefähr 1425)

Mischmauerwerk
Mauerwerk aus unterschiedlichen Gesteinsarten sowie Ziegel (-bruchstücke).

Nagelriss/Nagelrissführung
Durch Ritzung aller wichtigen Bildelemente auf dem Putz wird eine Vorzeichnung für die anschließende mit Farben durchgeführte Malerei erstellt (z. B. bei aufgemalten Eckquadern).

Netzmauerwerk
Große Steinblöcke, die ringsum (in Lager- und Stoßfugen) in kleinteiliges Zwickelmaterial eingebettet sind (zuweilen auch in lagerhafter Mauerwerksstruktur). Netzmauerwerk kann als Sonderform des Zwickelmauerwerks verstanden werden.

Nonnen/Orthostaten
Hochkant gestellte Quader die verhindern, dass zwei Stoßfugen genau übereinander liegen (nach Martin Aigner: http://www.burgenseite.com/mwk_txt.htm).

Opus Spictatum (lateinisch für „Ährenwerk“; von ungefähr 1200 - 1300)
Lagen aus schräggestellten, plattigen Steinen. Die Richtung wird von Lage zu Lage gewechselt, wodurch ein ähren- bzw. fischgrätartiges Muster entsteht (nach Martin Aigner: http://www.burgenseite.com/mwk_txt.htm).

Ortstein/Eckquaderung/Betonung der Ecke
Aus Steinen gefügte Rahmung an Gebäudekanten bzw. Betonung der Mauerkanten durch ausgesuchte und (sorgfältig) bearbeitete Steine.

Ortsteindekor/Quadermalerei/aufgemalte Eckquaderung
Auf den Verputz von Gebäudekanten gemalte Eckquaderung.

"pietra rasa"-Verputz (italienisch für "verstrichener Stein")
Beim "pietra rasa"-Verputz, der häufig bei Bruchstein ohne präzise Kanten angewendet wird, überdeckt der glattgestrichene Mörtel nicht nur die Fugen, sondern auch einen Großteil des Steines (nach Martin Aigner: http://www.burgenseite.com/mwk_txt.htm).

Quader/Quaderstein
In regelmäßige und sorgfältige Form gebrachten Haustein bzw. Werkstein mit meist glatten, parallelen Flächen. Binding schränkt noch ein, dass alle Flächen rechtwinkelig zueinander stehen sollen. (nach Rudolf Koch: http://homepage.univie.ac.at/rudolf.koch/geocities/studiolo_2000/steinbearbei...).

Quaderhaft/hammerrecht/blockhaft
Nur grob bearbeitete Bruchsteine zur Herstellung einer quaderähnlichen Form.

Rolllage
Gruppen von hochkant gestellten Quadern (Rollsteinen) (nach Martin Aigner: http://www.burgenseite.com/mwk_txt.htm).

Rustizierung/Rustika (oft auch als Synonym für Ortsteine oder Ortsteindekor (siehe dort) verwendet)
Dekorative große Quader oft aus Putz hergestellt (kann auch aufgemalt sein oder aus Steinen bestehen), die häufig an Toranlagen eingesetzt werden. (nach http://www.imareal.sbg.ac.at/noe-burgen-online/glossar)

Rüstloch
Allgemein: Löcher/Kanäle im Mauerwerk, welche durch die notwendigen Gerüste beim Mauerbau entstehen
(1) Rüstlöcher bei Auslegergerüst: Mehr oder weniger systematisch verteilte Rüstlöcher, die durch die gesamte Mauerstärke laufen und entweder runde oder viereckige Querschnitte haben. Eine zusätzliche Verankerung durch Steher im Boden wurde bei Auslegergerüsten nicht verwendet.
(2) Gerüstbüge: Vereinzelt kann man an den Wänden sehr seicht beginnende und nach oben tiefer werdende Rüstlöcher feststellen. Sie stammen von sogenannten Gerüstbügen, das sind schräge Abstützungen bei Auslegergerüsten
(3) Rüstlöcher bei Stangengerüst: Die Rüstlöcher in der Wand reichen nicht durch die gesamte Mauerstärke, sondern enden manchmal schon nach wenigen Zentimetern, da ein großer Teil der Last durch die im Boden eingegrabenen Steher abgeleitet wird. Aufgrund der Lage im Mauerwerk ist zu entscheiden, ob es sich um ein zeitgleich mit dem Bauwerk hochgezogenes Gerüst handelt (primäre Rüstlöcher, liegen meist unmittelbar an Lager- oder Stoßfugen), oder um die Rüstlöcher einer späteren Erweiterung bzw. einer Restaurierungsphase (sekundäre Rüstlöcher, nehmen oft keine Rücksicht auf den Fugenschnitt der Wand oder auf dekorative Elemente Rücksicht).
(Nach Rudolf Koch: http://www.google.at/url?sa=t&rct=j&q=&esrc=s&source=web&...)

Schalenmauerwerk
Das Mauerwerk wurde üblicherweise als Schalenmauerwerk ausgeführt. D. h., dass zwei parallele Mauerschalenschalen mit groben und billigem Material aufgefüllt wurden (nach Martin Aigner: http://www.burgenseite.com/mwk_txt.htm).

Sichtmauerwerk
Nicht verputztes Mauerwerk, das dauerhaft sichtbar bleibt.

Steinformate (nach Andreas Kinne (2009): Tabellen und Tafeln zur Grabungstechnik)
(1) Kleinformatig: Steine sind mit einer Hand zu befördern
(2) Mittelformatig: Steine sind von einer Person zu befördern
(3) Großformatig: Steine sind nur von mehreren Personen oder durch technischen Hilfsmittel zu befördern

Steinoberflächen (nach Andreas Kinne (2009): Tabellen und Tafeln zur Grabungstechnik)
(1) Bruchrau: Oberfläche rau durch Bruch oder Abspaltung
(2) Gespitzt: Ansichtsflächen mit dem Spitzeisen hergestellt
(3) Gestockt: Mit dem Stockhammer hergestellte Ansichtsflächen (gespitzte Flächen werden mit dem Stockhammer eingeebnet)
(4) Bossiert: Grob gesprengte aufgeraute Ansichtsfläche
(5) Scharriert: Mit dem Scharriereisen erzeugte, gleichmäßige parallele Rillenstruktur, oft an Tür- und Fesnteröffnugen

Streng
Im Bereich der Mauerwerksbeschreibung ein Synonym für genau oder sorgfältig. Streng lagig würde z. B. bedeuten, dass die Steinlagen auf der gesamten Mauerlängen durchlaufen und (kaum bis) keine Lagensprünge aufweisen.

Strukturloses/flächiges/regelloses Mauerwerk
Mauerwerk ohne erkennbare Strukturen wie Lagigkeit, Lagerhaftigkeit oder Kompartimente.

Stützmauer
Erklärung unter Futtermauer.

Trockenmauerwerk
Mauerwerk das ohne Verwendung von Mörtel errichtet wird.

Vierung/Vierungsstück/Kleinstquader
Sorgfältig behauene, kleine Zwickelsteine um die seltenen Fehlstellen beim Zusammentreffen unterschiedlicher Quaderformate aufzufüllen (nach Martin Aigner: http://www.burgenseite.com/mwk_txt.htm) oder Einpassung eines kleinen Quaders an der Stelle einer beschädigten Quaderecke (nach http://www.imareal.sbg.ac.at/noe-burgen-online/glossar).

Werkstein
Meist rechtwinkelig bearbeitete Steine mit geglätteter Oberfläche (nach Andreas Kinne (2009): Tabellen und Tafeln zur Grabungstechnik).

Zangenlöcher
Löcher an Quadern die zum Hochheben mittels Wolf oder Zange dienten.
(1) Beim älteren Wolf, auch Wolfsklaue genannt, wurde auf der Oberseite des Quaders ein sich nach unten verbreiterndes Loch eingearbeitet. In dieses wurden drei speziell geformte Eisenteile derart eingesetzt, sodass sie sich verspreitzen. Mit Hilfe der mit den Eisenteilen verbundenen Öse wurde der Stein hochgehoben. Da sich das Loch an der Oberseite des Quaders befindet, sind an der Mauerfläche keine Löcher sichtbar.
(2) Die scherenförmige Steinzange (auch Hebe-, Adler-, Kropf- oder Teufelszange) griff in zwei vorbereitete Löcher an gegenüberliegenden Seiten des Quaders ein. Beim Versatz der Steine blieb eines der Löcher an der Außenseite der Mauer sichtbar.

Zargenstein
Einzelne Steine, die Mauerteile miteinander verbinden/verzahnen.

Ziegel, Herstellungsspuren auf
(1) Quetschfalten: Die Formgebung der Ziegel erfolgte im Mittelalter durch Einschlagen der Rohmasse in einen Holzrahmen (im 16. Jahrhundert bekommt der offene Rahmen einen Boden und wird somit zur Model) und händisches Nachdrücken des Tons. Dadurch entstanden Quetschfalten, die auch nach dem Brennen an der Außenseite der Ziegel sichtbar blieben.
(2) Hand- bzw. Fingerstrich und Rillen: Das Abstreichen des überstehenden Lehms erfolgte entweder per Hand oder mittels Holzbrett (letzteres vor allem nach Einführung der Model). Wurde der Lehm mit den Fingern entfernt, entstanden parallele mehr oder weniger tiefe Fingerrillen. Wurde mit einem Brett entlang der der Oberkante des Formrahmens abgezogen, blieb eine ebene Oberseite zurück, in der die im Lehm enthaltenen mitgezogenen Sandkörner feine Spurrillen hinterließen. Nach dem Streichvorgang wurde der nach unten hin offene Rahmen nach oben weggezogen. Das Hochziehen hinterließ manchmal senkrechte Rillen, die von mitgestreiften Einschlüssen im Ton herrühren.
(3) Glatte und raue Seitenflächen: Die Formen wurden zum einfacheren Auslösen des Lehms vorgenässt (Wasserstrich) oder mit Sand bestreut (Sandstrich-Verfahren). Im zuletzt genannten Fall zeigen die Ziegelflächen keine glatte, sondern körnige, raue Struktur.
(4) Bei oben und unten offenen Formrahmen konnten sich Lehmwülste unter der Unterkante des Rahmens bilden. Diese Wülste wurden vor dem Brand häufig mit einem Messer abgeschnitten. In diesem Fall können sich die die glatten Schnittflächen von der Struktur der Seitenflächen abheben
Punkt (1) nach P. Warnecke (1998): Forschung über Baudenkmalpflege, Arbeitsberichte & James W. P. Campbell & William Pryce (2003): Backstein. Eine Architekturgeschichte. Von den Anfängen bis zur Gegenwart, Punkte (2) bis (4) nach Christine Maurer (2003): Backsteintechnologien in Mittelalter und Neuzeit).

Ziegeltypen
(1) Mauerziegel (in Deutschland Backstein genannt): Die Seitenlänge mittelalterlichen Mauerziegel liegt in Österreich zwischen 19,5 und 25 cm. Mit Beginn der Neuzeit ändert sich die Seitenlänge auf zwischen 27 und 30 cm. Ein Format von rd. 4:2:1war in Österreich üblich, wobei die Seite 1 aber meistens etwas kleiner ausfiel.
(2) Gewölbeziegel (Anfang 16. Jh.): „Kleinere“ Ziegel mit einer Seitenlänge von rd. 24 cm und einem Format von rd. 3:2:1. Sowohl Mauer- als auch Gewölbeziegel können jeweils in Mauern und in Gewölben vorkommen.
(3) Fortifikationsziegel (ab der Mitte des 16. Jh.): Größer als der klassische Mauerziegel mit einer Seitenlänge zwischen 30 und 36 cm.
(4) Formziegel: Hierunter sind Ziegel zu verstehen, die eine Form haben, die von jener der gewöhnlichen rechtwinkligen Ziegel abweicht. Es sind zwei Arten von Formziegeln zu unterscheiden: Formziegel für konstruktive und solche für dekorative Zwecke. Zu ersten Gruppe gehören z. B. Ziegel mit abgeschrägter Schmalseite für besser getrichterte Nischen, zu letzteren z. B. Formziegel für profilierte Gewölberippen.
(5) Dachziegel: Hohlziegel (Mönch und Nonne) oder Biberschwanzziegel, deren Bruchstücke oft als Zwickelsteine im Mauerwerk eingesetzt wurden.
(6) Bodenziegel (haben keinen besonderen Bezug zu mittelalterlichem und neuzeitlichem Mauerwerk, seien der Vollständigkeit halber dennoch angeführt): Flache Ziegel, die in unterschiedlichen Formaten gefertigt wurden.
(Punkte (1), (2) und (3) nach Paul Mitchell (2009): Mauerziegel am Beginn der Neuzeit. Ergebnisse aus archäologischen Grabungen und Bauuntersuchungen in Wien und Niederösterreich, Punkt (4) nach Otto Lueger (1904): Lexikon der gesamten Technik).

Zonale Wechsel
Auf mehrere durchlaufende Lagen einer Steindimension folgen mehrere durchlaufende Lagen eines anderen Formates (nach Martin Aigner: http://www.burgenseite.com/mwk_txt.htm).

Zwickelmauerwerk
Durch das strukturlose vermauern unregelmäßiger Bruchsteine wird das Auszwickeln der Zwischenräume (Zwickel) mit Hilfe kleinerer Steine oder Ziegelbruchstücke notwendig. Im Gegensatz zum Netzmauerwerk sind die Bruchsteine aber nicht in einem umfassenden „Zwickelnetz“ verspannt.

Zwickelsteine
Kleinere Steine die innerhalb des Mauergefüges Fehlstellen bzw. Lücken ausfüllen, die beim Versatz größerer Steine entstehen können.


Illustrationen zu den verschiedenen Mauerwerksstrukturen:

Gregor hat dieses Bild als Anhang hinzugefügt:
Mauerwerksstrukturen.jpg - 141.33kb
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Oliver de Minnebach
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[*] Verfasst am: 17-8-2014 um 21:30


Lagerhaft trifft Definition 2) zu!
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[*] Verfasst am: 18-8-2014 um 19:14


Hi Oliver!

Im Zusammenhang mit lagerhaftem Mauerwerk wird in der Literatur oft angegeben, dass dieses zu Kompartimenten zusammengefasst wird. Wenn die Lagerhaftigkeit Kompartimente/Schichtpakete per Definition umfasst, warum wird dies dann noch eigens angeführt?

Z. B. "Der völlig unverputzte Bau lässt zu Kompartimenten zusammengefasstes, lagerhaftes Bruchsteinmauerwerk aus kleinformatigem, blockigem Material erkennen."
http://www.imareal.sbg.ac.at/noe-burgen-online/result/burgid/870)

Patrick Schicht führt in "Burg Hardegg" hingegen "Lagiges Bruchsteinmauerwerk ohne deutliche Ausgleichslagen" an (S. 68).

Und wenn Definition (1) nicht lagerhaft ist - mit welchem Wort wird dann eine derartige Struktur beschrieben?
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[*] Verfasst am: 30-8-2014 um 15:29


Hab heute folgende Definitionen hinzugefügt:

Arbeitshöhe
Binderstein
Mischmauerwerk
Orthostaten
"pietra rasa" Verputz
Quader/Quaderstein
Quaderhaft/hammerrecht/blockhaft
Steinformate
Strukturloses/flächiges/regelloses Mauerwerk
Trockenmauerwerk
Zargenstein
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[*] Verfasst am: 30-8-2014 um 22:07


nicht schlecht
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[*] Verfasst am: 13-9-2014 um 15:53


Ah! Lob vom Meister, das motiviert :)
Habe heute folgende Definitionen hinzugefügt:

Binnenmauer
Bruchstein
Buckelquader/Bosse
Feld-/Lesestein
Fugenstrich/Kellenstrich
Handquadermauerwerk
Haustein
Lagensprung
Mauerfüllung/Mauerspeise
Nagelriss/Nagelrissführung
Nonnen/Orthostaten
Rolllage
Streng
Vierung/Vierungsstück/Kleinstquader
Werkstein
Zwickelsteine
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[*] Verfasst am: 13-9-2014 um 17:19


ich bin keine Meister!!! nicht mal ein Geselle!
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[*] Verfasst am: 16-9-2014 um 18:06


... muss ja kein offizieller Titel sein Oliver :P
Habe heute folgende "löcherlastigen" Erklärungen hinzugefügt:

Balkenkanal/Balkenloch
Dübellöcher
Eiserne Schließe
Gussmauerwerk
Maueranker
Rüstloch
Zangenlöcher
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[*] Verfasst am: 18-9-2014 um 19:24


Heute hinzugekommen:

Futtermauer
Steinoberflächen
Stützmauer
& ein paar Adaptierungen
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[*] Verfasst am: 25-9-2014 um 20:10


Heute hinzugekommen:

Ortstein
Ortsteindekor
Rustizierung
Ziegel, Herstellungsspuren auf
Ziegeltypen
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[*] Verfasst am: 25-10-2014 um 00:09


War in den letzten Tagen "künstlerisch" aktiv und hab die verschiedenen Mauerwerkstypen grafisch umgesetzt.
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