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Autor Betreff: Thron Karls des Großen
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[*] Verfasst am: 17-2-2005 um 19:06
Thron Karls des Großen



"DEUTSCHLANDS ÄLTESTER THRON STAND IN MAINZ"

Bernd Funke

Archäologin entdeckt Herrschersitz Karls des Großen. Das archäologische Mainz ist um eine Sensation reicher: Auf dem Gelände, auf dem heute das Kaufhof-Parkhaus steht, hatte Karl der Große seine Königspfalz. Hier wurde 1911 auch eine Seitenlehne seines Throns entdeckt. Dr. Mechthild Schulze-Dörrlamm, Archäologin des Römisch-Germanischen Zentralmuseums, stellt jetzt fest: Es ist ein Teil des ältesten Königsthrons Deutschlands.

Die sensationelle Entdeckung hat Geschichte: Als im Jahre 1911 die Bekleidungsfirma Scheuer & Plaut in der Stadionerhofstraße genau dort einen Anbau errichtete, wo sich heute das Parkhaus des Kaufhofs befindet, wurde ein Stein gefunden, dessen Kanten mit unterschiedlichen Rankenmustern verziert sind. Die Wissenschaft interessierte sich schon damals für ihn. In der Mainzer Zeitschrift von 1912 veröffentlichte Prof. Dr. Karl Körber den Stein, von dem er aber eigentlich nicht mehr sagen konnte, als das er "nicht römisch" sei.

Es sollte 28 Jahre dauern, bis sich erneut ein Wissenschaftler, nämlich Karl Nahrgang, mit dem ungewöhnlichen Fund beschäftigte. In einem 1940 erschienenen Wegweiser des Römisch-Germanischen Zentralmuseums bildete Nahrgang die Kopie des Steines ab - und deutete an, dass er "von einem Thron der Karolingerzeit" stammen könne. Dr. Mechthild Schulze-Dörrlamm: "Sein Hinweis ist aber von allen Forschern, die sich danach mit den Herrschaftszeichen der mittelalterlichen Kaiser und Könige beschäftigten, unter anderem auch von dem berühmten Historiker Percy Ernst Schramm, übersehen worden."

Unerkannt im Magazin
Mehr als 60 Jahre lag der Fund unerkannt in einem Magazin des Landesmuseums - bis dessen Mitarbeiterin Dr. Birgit Heide nach ihm suchen ließ und ihn Dr. Mechthild Schulze-Dörrlamm für die wissenschaftliche Erforschung zur Verfügung stellte. Bei ihren Forschungen zu Steindenkmälern aus dem karolingischen Mainz hat die anerkannte Wissenschaftlerin jetzt festgestellt: "Es handelt sich um die beschädigte linke Seitenlehne eines Throns aus Kalkstein. Anhand des Dekors ist der Thron in die zweite Hälfte des achten Jahrhunderts datierbar." Unverkennbar ist für die Forscherin eine auffallende viertelkreisförmige Kehlung der Vorderkante der Beweis dafür, dass die Lehne zu einem Herrscherthron gehörte. Denn: "Darin gleicht sie sowohl dem Marmorthron Karls des Großen im Oktogon des Aachener Doms als auch dem Bronzethron des Salierkaisers Heinrich IV. in der Kaiserpfalz zu Goslar." Auch weitere Details stimmen überein. Dr. Mechthild Schulze-Dörrlamm: "Die Throne der ersten Karolinger sowie der späteren Kaiser des Heiligen Römischen Reichs hatten trotz Unterschieden in Material und Dekor eine ganz bestimmte Form."

Beweis für Königspfalz
Die Seitenlehne des Throns ist für Archäologin Schulze-Dörrlamm Beweis dafür, "dass in Mainz zur Karolingerzeit eine Königspfalz existiert hat". Sie lag in der heutigen Stadionerhofstraße auf hochwasserfreiem Gelände und überaus verkehrsgünstig an der Kreuzung zweier aus römischer Zeit stammenden Hauptdurchgangsstraße. Zudem waren das damalige Kaufleuteviertel, das Rheinufer und die alte Römerbrücke nicht weit entfernt. Die übrigens ließ Karl der Große im Jahre 813 erneuern - doch brannte die Konstruktion schon am Tag ihrer Einweihung ab.

"Spätestens im Jahre 790", so hat Dr. Mechthild Schulze-Dörrlamm recherchiert, "muss sich Karl der Große in seiner Mainzer Königspfalz aufgehalten haben, denn er hat in diesem Jahr als erster aller Herrscher begonnen, in der Stadt Urkunden auszustellen." Den prächtigen Kalksteinthron aus der zweiten Hälfte des achten Jahrhundert wird Karl zu der Zeit wohl schon genutzt haben. Denn, so die RGZM-Archäologin: "Karl Mainzer Königsthron war jedenfalls etwas älter als sein Marmorthron in der Aachener Pfalzkapelle aus der Zeit um 800 und ist damit der älteste, wenn auch nur in Fragmenten erhaltene Königsthron Deutschlands."

Die Forschungsergebnisse wurden soeben in Heft 4 des Archäologischen Korrespondenzblatts 2004 veröffentlicht. Erhältlich im Römisch-Germanischen Zentralmuseum.

Quelle mit zahlreichen Abbildungen: http://www.allgemeine-zeitung.de - 17.2.2005
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