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Autor Betreff: Rehberg Rechberg
norb3
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[*] Verfasst am: 24-6-2005 um 20:16
Rehberg Rechberg



Hallo Moderatoren!

Habt ihr auch das Interesse an Burgen die schon längst verfallen sind, wo eigentlich nichts mehr steht, und nur noch ein paar Gräben übrig sind.

In meiner Heimatgemeinde stand bis ca. 1450 eine Burg namens Rehberg bzw. Rechberg. Dass dort eine Burg stand ist sicher, also keine Sage!

Ortschaft: Rührndorf
Katastralgemeinde: Rührndorf
OG: Ried im Traunkreis
Bez. Kirchdorf an der Krems
Oberösterreich

Ich hätte da noch einige Informationen. Wenn ihr Lust habt sie in eure Liste aufzunehmen kann ich noch einiges besorgen.
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lady kitten
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[*] Verfasst am: 24-6-2005 um 20:24


Hallo,

klar sind wir interessiert an allem, was mit Burgen zu tun hat. Infos über abgekommene, unbekannte und total verfallene sind hier sehr willkommen.
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burgenkunde_markus
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[*] Verfasst am: 28-6-2005 um 11:26


hallo norb3
ist das diese burg die gegenüber von burg altpernstein gelegen hat und aus holz war? die soll während einer hochzeitsfeier auf burg altpernstein abgebrannt sein.
ich habe großes interesse an deinen infos, könntest du diese hier rein stellen oder mir per email zukommen lassen bitte? email: mh@burgenkunde.at
danke vg markus
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martin
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[*] Verfasst am: 28-6-2005 um 21:06


die gegenüber Alt-Pernstein nannte sich Schellenstein.
Vor kurzem erschien in den Beiträgen zur Mittelalterarchäologie ein Artikel von Stefan Krabath :
"3 Hanseschalen aus Österreich , Bericht über Fund einer Hanseschale im Burgstall Schellenstein"
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norb3
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[*] Verfasst am: 30-6-2005 um 22:58


Hier nun das, was ich zu Rehberg, Rechberg gefunden habe:

Aus: Die Pfarrgemeinde Ried im Traunkreis (Zeitungsausschnitt um 1920)

Merkwürdigerweise hat sich über dieses Ereignis eine Sage erhalten, die sich durch genaue Namen- und Zeitangabe von ähnlichen Sagen unterscheidet. Diese Sage weiß zu erzählen, daß die Reinheit der Kirche durch einen Brudermord entweiht worden sei. Es ist die Sage vom Brudermord zu Rehberg, die in etwas geänderter Form der Erzählung „Der Klausner am Jakobsbrunnen“ von F. S. Schall zu Grunde ist. Siehe Oesterreichisches Bürgerblatt“, 38. Jahrgang, Nr. 204 (???) s. dto. 30. August 1856.

In der Ortschaft Rührndorf, auf einer Anhöhe am linken Ufer des Aiterbaches, bestand vor 600 Jahren der Edelsitz Rehberg, der Stammsitz einer gleichnamigen adeligen Familie. Zwei Brüder als letzte Nachkommen desselben gerieten über den Besitz des Schlosses in so erbitterten Streit, daß sie sich bis in den Tod verfolgten. Endlich trafen sie sich einmal hinter dem Hochaltar der Pfarrkirche Ried und durchbohrten sich dort gegenseitig mit ihren Schwertern. Infolgedessen blieb das Schloß unbewohnt, denn die nächsten Erben, die Herren von Pollheim kümmerten sich nicht darum. Die Kirche Ried aber wurde auf Befehl des Bischofs von Passau geschlossen und blieb geschlossen, 30 Jahre lang. So die Sage. Was an dieser Sage Wahrheit ist, läßt sich aus Mangel an schriftlichen Beweisen nicht ermitteln, denn gerade damals und auch in den folgenden Zeiten wurden die Jahrbücher des Stiftes nur mangelhaft geführt. Folgendes kann man aber dennoch als Tatsache hinstellen:
1. Zu Rehberg bestand einst ein Schloß, wahrscheinlich eine Art Bauernburg, wie sie in vielen Pfarren sich finden. Noch heute kann man die einstige Lage und die Gräben deutlich erkennen. Außerdem wurden bei Aufgrabungen am Anfang des 19. Jahrhunderts Grundfesten, zahlreiche Hufeisen sowie ein verschütteter Brunnen gefunden. Endlich deuten verschiedene Namen darauf hin, daß dort ein Schloß bestanden haben müsse; wir finden eine Schloß- oder Hofmühle, Schloßleithen, Schenkhaus, Oberhof und Niederhof, auch dürfte man kaum irre gehen, wenn man den am Fuße des Schloßberges sumpfigen und mit Erlen bewachsenen Wiesenteil als ehemaligen Schloßteich bezeichnet.
2. Die Volkssage bezeichnet bis heute jenen Platz beim Turmgebäude, wo der Efeu sich emporrankt, als Begräbnisstätte der beiden Brudermörder, und schließlich wird ein in die Nordseite der Friedhofsmauer eingemauerter Stein, der den Abdruck eines Rehfußes vorstellen soll, als das vom Portale des Schlosses Rehberg abgenommene Wappen der Herren von Rehberg bezeichnet.
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norb3
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[*] Verfasst am: 30-6-2005 um 22:59


Hier nun ein zweiter Zeitungsauschnitt um die selbe Zeit (ca. 1920)
Aus: Die Pfarre Ried bei Kremsmüsnter
In der Ortschaft Rührndorf, auf einer Anhöhe am linken Ufer des Aiterbaches bestand vor 500 Jahren der Edelsitz Rehberg oder Rechberg, der Stammsitz eines gleichnamigen adeligen Geschlechtes. Zwei Brüder als letzte Nachkommen gerieten über den Besitz des Schlosses in so erbitterten Streit, daß sie sich bis in den Tod verfolgten. Eines Tages nun trafen sie sich bis in den Tod verfolgten. Eines Tages nun trafen sie sich hinter dem Hochaltar der Pfarrkirche und dort durchbohrten sie sich gegenseitig mit ihren Schwertern. Diese Mordtat erregte einen solchen Abscheu, daß nicht nur das Schloß von da an unbewohnt blieb und von den nächsten Erben vernachlässigt in Verfall geriet, sondern daß auch der Bischof von Passau zum Ausdrucke seines Abscheues die Pfarrkirche schließen ließ. Und sie blieb geschlossen „unbesungen“, wie es in einer späteren Aufzeichnung heißt, 30 Jahre lang.
Da von dieser heute noch gangbaren Erzählung in keinem Stiftsbuche Erwähnung getan wird, kann die Wahrheit derselben weder geleugnet noch verteidigt werden, nur das eine kann gesagt werden, wenn der Brudermord auch tatsächlich in der geschilderten Form sich ereignet hat, so war er doch nicht die Ursache für die so langjährige Schließung der Kirche, die wahre Ursache war vielmehr der schlechte Bauzustand derselben. Gewiß ist es, daß zu Rehberg einst ein Schloß bestanden hat. Vor hundert Jahren noch waren dort die Ueberreste eines ansehnlichen Gebäudes zu sehen, auch verschiedene alte Gegenstände wie Hufeisen, Waffen u. dgl. sowie ein verschütteter Brunnen wurden gelegentlich von Grabungen dort aufgefunden. Auch Namen erinnern uns daran, wie z.B. Schloßleiten, Schloß- oder Hofmühle, Schenkhaus, Badhaus weiters dürfte man kaum irre gehen, wenn man den am Fuße der Anhöhe liegenden sumpfigen Teil der Wiese als ehemaligen Schloßteich anspricht. Dieses Rehberg findet sich auch in der Genealogie der Herren und Grafen Pollheim im 14. und 15. Jahrh. (Hoheneck, Genealogie 2. T.) öfters neben Steinhaus und ward somit Eigentum dieser Familie. Auch Namen kommen vor; so werden im Jahre 1357 Weilhart und Pilgram, die Pollheimer von Rehberg urkundlich erwähnt. (Genealogie 3. T. Fol. 39, 133, 148 und 181). Weiters bezeichnet die Ueberlieferung jenen Platz vor dem Turme, wo sich heute der Efeu emporrankt als Begräbnisplatz der beiden Brudermörder, und schließlich wird ein an der nördlichen Friedhofmauer eingelassener Stein, der den Abdruck eines Rehfußes darstellen soll als das vom Portale der Schlosses Rehberg abgenommene Wappen bezeichnet.


Der Stein, der als Portalstein der Burg Rehberg interpretiert wurde ist übrigens römischen Ursprungs:
http://www.ubi-erat-lupa.org/site/datenblatt/datenblatt.asp?Nr=596
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norb3
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[*] Verfasst am: 30-6-2005 um 23:00


Hier nun aus dem Heimatbuch Ried im Traunkreis (1993)

Schloß Rechberg
In der Ortschaft Rührndorf stand einst auf einer mäßigen Anhöhe am linken Ufer des Aiterbaches ein Schloß namens Rechberg, wie noch jetzt bestehende Benennungen als Hofmühle, Schloßleithen, Schenk- und Baderhaus, Ober- und Niedermaier beweisen und noch Spuren von Wassergräben bestätigen.
Ob dies der Stammsitz der Herren von Rechberg war, von welchen wir 1170 Dimo, 1176 Konrad, 1189 - 1206 Heinrich, 1245 - 1247 die Brüder Hermann und Ottokar und 1325 die Brüder Wluinch und Friedrich von Rechperch finden, ist nicht bekannt, aber wahrscheinlich.
Die Sage erzählt, daß zwei Brüder aus dieser Familie über ihren Besitz in so erbitterten Streit gerieten, daß sie einander bis in den Tod verfolgten. Als sie in der Kirche in Ried zusammentrafen, erstach einer den anderen hinter dem Hochaltare. Wegen dieser Greueltat ward der Gottesdienst in der entweihten Kirche auf lange Zeit aufgehoben und das Pfarrvolk in die Kirche nach Weigersdorf beschieden. Weil aber ein großer Teil der Pfarrbewohner von dieser zu weit entfernt war, so wurde er der Pfarre Wartberg einverleibt, von welcher nur mehr, und zwar erst im Jahre 1785, die Ortschaft Voitsdorf wieder zu Ried kam.
Rechberg kam nach dem Aussterben der Rechberger an die Losensteiner, die im Jahre 1339 mit der Gabe des in der Nähe befindlichen Gatterhofes an das Kloster Garsten einen Kaplan in der Kirche zu Losenstein stifteten.
Hierauf finden wir Rechberg im Besitze der Pollheimer. Die Brüder „Weikhard und Pilgram, die Pollheimer von Rechperg“, die auch die am Unterlaufe des Aiterbaches liegende Herrschaft Steinhaus besaßen, verkauften 1357 ihrem Oheim Georg von Volkersdorf ein Gut auf der „Oede“ und „eines im Rollenpache bei Weißenberg“ in der Puckinger Pfarre.
Kurze Zeit darauf ist Rechperg im Besitz der Meurl. Im Jahre 1363 beurkundet Wernhart der Meurl von Rechperg und seine Gattin Kunigunde, daß sie von Abt Johann von Lambach einen Weingarten am Lindberg bei Krems haben, davon sie jährlich den Nonnen zu Imbach 10 Pfennige Burgrecht und in den Lambacher Hof zu Krems ein halbes Pfund Pfennig Dienst zu geben schuldig sind. Dies ist die letzte Nachricht von Rechberg. Wann das Schloß verödete, ist nicht bekannt.
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norb3
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[*] Verfasst am: 11-7-2005 um 00:03


So, ich habe jetzt ein Foto eingescannt.
Dieses Gemälde ist kein Originalgemälde von 1392 sondern eine Kopie der letzten Jahrzehnte. Wohin das Original verschwunden ist weiß niemand. Vielleicht wurde das Original übermalt?

Auf jeden Fall habe ich jetzt ein paar Fragen zur Burg und dem Bild allgemein:

Kann das, was am Bild ist überhaupt stimmen?
Der Bergfried hat oben einen Gang, Balkon - wie nennt man das genau? Ist das üblich für Burgen dieser Zeit?

Anscheinend sind die Häuser der Umgebung mit Ziegeln gedeckt. Meiner Meinung nach gab es damals nur Strohdächer. Auch das Bauernhaus ist aus Stein gebaut, nur die Scheune aus Holz. Eigentlich typisch für das 20. Jhdt.

Was könnte das kleine Bauwerk links der Straße unterhalb des Bauernhofes sein? Ein Keller? War das üblich?

Paßt die Schrift "Burg Rehberg" in diese Zeit?

Passen die Dimensionen der Burg?

Mich würde interessieren was an diesem Gemälde für eine Rekonstruktion geeignet ist, und was ich streichen kann.

norb3 hat dieses Bild als Anhang hinzugefügt:
rehberg klein.jpg - 35.58kb
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[*] Verfasst am: 11-7-2005 um 16:18


Eigentlich sieht die Darstellung recht glaubwürdig aus. In der Khevenhüller-Chronik aus dem 16. Jhd gibts ganz ähnliche Bilder. Wehrgänge oben am Turm sind durchaus möglich. Natürlich hat man es im 19. Jhd mit dem romantischen Wiederaufbauwahn mit Wehrgängen und Türmchen übertrieben. Auf Bergfriede haben auch heute noch die dafür notwendigen Balkenlöcher erkennen. An Strohdächer glaube ich eher nicht. Obs Ziegeldächer sind, kann man bei solchen Zeichnungen schwer sagen, da die Dächer sehr oft rot dargestellt werden, auch wenn es sich um Holzschindeldächer handelt. Vor allem wenn ein Kupferstich später nachcoloriert wurde.

Gegen ein Ziegeldach im 14. Jhd, spricht eigentlich nichts. Die reicheren Bauern, vor allem im Inkreis hatten damals sicher schon die solieden großen Höfe, aus Stein gebaut, von denen auch heute noch einige erhalten sind.

Ich denke, dass die Zeichnung im großen und ganzen stimmt. Natürlich haben die Künstler damals gelegentlich etwas geschummelt, ein paar Fenster dazugetan etc, aber es war wichtig, dass man die Burg eindeutig erkennt und das ist auch hier wohl der Fall. Erstaunlich, dass ein so stattliches Gebäude einfach so verschwindet.

Darf ich fragen woher das Bild stammt?
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chateaufort
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[*] Verfasst am: 11-7-2005 um 22:59


Ja, kommen wir zu einer wichtigsten Übungen, der Quellenkritik.
Einer meiner Freunde, selbständiger Historiker (der daher wenig Zeit am Stück hat, seine Dissertation endlich fertigzustellen), hat mir dieses Thema geradezu eingebleut. Inzwischen gebe ich freiwillig zu - er hat recht.

Es gibt hier zwei Probleme: die Zeitspanne zwischen dem Untergang der Burg und der möglichen Entstehungszeit der kolorierten Zeichnung, die Grundlage der Kopie war, die hier eingescannt wurde. Der Manier nach sieht das nach 2. Hälfte 16. Jh. / Anfang 17. Jh. aus (ohne daß ich Kunsthistoriker bin, vgl. aber Wilhelm Schäfers, gen. "Dilich" angefertigten genauen Zeichnungen der hessischen Burgen, die in Kassel liegen). Über ein Jahrhundert Differenz stellen schon ein echtes Problem dar.
Ich fürchte aber eher, daß es sich um eine durchaus kenntnisreiche Zeichnung aus dem (19.)/20. Jh. handelt, die eine auf Phantasie beruhende Rekonstruktion "in der Manier der Renaissance" darstellt. Dann hat sie für sich einen gewissen Wert, der Quellenwert ist aber Null.
Also: Provenienz klären. Große Hoffnungen kann ich aber nicht machen. Ein Fachmann düfte ein Kopie nach einem Original von einer Phantasiezeichnung jüngerer Zeit unterscheiden können.

Über das Aussehen dieser Burg düften uns die spezialisierten (Mittelalter-)Archäologen am besten Auskunft geben, sofern sie graben dürfen und können...

Zu den Ziegeln als Dachdeckung: Bei der 1350/51 belagerten, anschließend zerstörten und nicht wiederaufgebauten Burg Hohenfels/Donnersberg (Gem. Imsbach, Donnersbergkreis, Rheinland-Pfalz) liegen Unmengen Mönch-Nonne-Dachziegel-Bruchstücke herum.

Viele Grüße, chateaufort

(der sich im besonderen für weitgehend zerstörte Anlagen interessiert. Hier haben übrigens das Elsaß - bzw. die Vogesen insgesamt - einige Spezialitäten zu bieten). Habe gerade heute zum vermutlich 6. Mal die Burgruine Helfenstein (Commune der Philippsbourg, Canton Bitche/Bitsch, Département Moselle (57), F) besucht, um zwei Freunde zu treffen, die die Anlage für eine Veröffentlichung vorbereiten. Einige Fotografien sind gemacht.
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norb3
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[*] Verfasst am: 11-7-2005 um 23:48


Vielen Dank schon mal.

Bei der Burg stört mich das rote Dach nicht. Nur bei den Bauernhäusern. So viel ich über meine nähere Umgebung weiß, waren bis ins 18. Jhdt. die meisten Bauernhäuser aus Holz gebaut, nur die Rauchkuchl war schon gemauert. Also meiner Meinung nach sind die Bauernhäuser untypisch für die Zeit. Vielleicht war es auch die Fantasie des Kopienherstellers. Das Original war angeblich schon ziemlich ramponiert.
Ich werde noch mal recherchieren ob ich den Kopienhersteller noch über den Verbleib des Originals befragen kann. Vielleicht hat er es in den Antikenhandel verkauft und will es jetzt nicht mehr zugeben.

Vielleicht helfen noch ein paar Zusatzangaben, die aber eher wage sind. Angeblich wurden die Steine der Burg zum Bau der Kirche in Ried / Traunkreis verwendet. Die Kirche wurde von 1476 - 1480 gebaut. Ich denke dass sie knapp nach 1392 verlassen wurde und dann bis 1476 verfiel.

Es ist weiters anzunehmen, dass auf selber Stelle oder gleich daneben eine römische Siedlung bestanden hat. Darauf weisen Einzelfunde und auch der Römerstein hin, der angeblich von der Burg Rehberg kommt. Ich habe schon gehofft, das der Burgfried ein umgebauter römischer Wachturm ist.

Zu einer Grabung: Ich weiß nicht ob ich die Gemeinde motivieren kann mal 100.000 € für eine Grabung auszugeben, bei der man wahrscheinlich nicht viel finden wird. Für alle die sich dafür interessieren wär's natürlich toll.

Ist der Burgfried nicht etwas zu klein geraten, bzw. der Rest etwas zu hoch?
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martin
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[*] Verfasst am: 12-7-2005 um 18:55


Noch einmal zur Quellenkritik :
Die Zeichnung kann mit 1392 nix zu tun haben. Damals war man ( in unseren Breitengraden ) einfach nicht in der Lage ein Gebäude so darzustellen. Zu Vergleich hier eine Burgendarstellung um 1430 aus Maria Pfarr ( Salzburg ).
Das ist keine Perspektive in unseem heutigen Sinn, sondern nur eine etwas wirre Anordnung von Fluchtlinien. Auffallend auch das völlige Fehlen eines Gefühls für Proportionen (Vergleich Burg-Mensch).

Der hölzerne Umgang im obersten Geschoss des Bergfrieds ist Standart, ebenso die Deckung mit Dachziegel.

Wenn man wirklich wissen will wie die Burg einmal ausgesehen hat, wird die Gemeinde wohl in die 100.00 Euro hineinbeissen müssen. Auf die o.a. Darstellung würde ich mich nicht verlassen.

martin hat dieses Bild als Anhang hinzugefügt:
maria_pfarr_burg_14.jpg - 51.27kb
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Torsten
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[*] Verfasst am: 13-7-2005 um 09:04


Man achte auf die Wäscheleine, niedlich :D
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Norbert
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[*] Verfasst am: 13-7-2005 um 11:32


Ich bin gerade drauf gekommen, dass ich mit 2 versch. Nicks registriert bin.

Hallo Martin!

Also das Bild spricht für sich, und hilft viel weiter. Auf jeden Fall werde ich mich jetzt auf die Suche nach Gemälden dieser Zeit umzusehen. Wenn es da wirklich nichts vergleichbares gibt kann ich das Gemälde wohl schmeißen.

Gruß
Norbert
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[*] Verfasst am: 13-7-2005 um 21:45


Hallo Norbert,

damit wirst Du rechnen müssen... :(
Selbst wenn das - in der Darstellung sehr schematische - Gemälde ursprünglich noch aus den (ausgehenden ) 16. Jh. stammen sollte, kann man daraus keine Schlüsse mehr über das Aussehen der Burg ziehen. Aber meinem Gefühl nach ist das (Ur-)Gemälde sehr viel jünger..... - womöglich eine naive Darstellung des 19. Jhs.

Was Du als "Bauernhaus" ansprichst, ist eine Mühle mit einem bemerkenswert großen, mittelschlächtigem Wasserrad. Die Dimensionen zeigen ein großvolumiges Gebäude zu drei Geschoßen. Ein Ziegeldach hat sich der Müller vermutlich schon leisten können... - schon aus brandschutztechnischen Gründen eine gute Idee.

Kleiner Exkurs - eigene (leidvolle) Erfahrung:
Ich kenne einen "Fall", in dem ein unbelehrbarer "Heimatforscher" eine Steinzeugkachel aus dem frühen 19. Jh. als Beweis für die Existenz einer weiteren, um oder nach 1400 abgegangenen "Höhenburg" am Stadtrand (außer der in Resten erhaltenen, am Nebenfluß gelegenen Wasserburg) anführt. Die Merian-Darstellung des Städtchens mag nicht in allen Belangen zuverlässig sein, weil sie offensichtlich aus Teilstücken in unterschiedlicher Perspektive zusammengesetzt ist, doch findet sich kein Anzeichen dafür, daß an der postulierten Stelle jemals ein Schloss bestanden hätte - die Stadtmauer nimmt dort einen ganz normalen polygonalen Verlauf. Natürlich fehlen neben schriftlichen Zeugnissen auch jegliche Spuren vor Ort - wie z.B. auffällige Geländebewegungen.
Der besagte Mensch zeigt sich gegenüber jeglicher Quellenkritik als resistent. So kennt er auch nur Literatur, aber keine Archive. Was dieser Mann durch seine Veröffentlichungen in den regionalen Blättern und Blättchen schon für einen Schaden angerichtet hat, kann man sich ja ausdenken...
Mit was man sich manchmal 'rumschlagen muß!!!

Viele Grüße, chateaufort
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[*] Verfasst am: 13-7-2005 um 23:21


Mit dem Bauernhaus habe ich das Gebäude links neben der Burg gemeint. Es müsste eines der heute stehenden Bauernhäuser sein.
Ein typischer Vierkanter eben, die bis ins letzte Jahrhundert noch mit Stroh gedeckt waren.
Die Mühle ist die Hofmühle, sie wird auch im Text erwähnt.

Was mich bisher an die Echtheit glauben ließ, war die Jarheszahl. Warum sollte man ein fiktives Bild mit einer genauen Jahreszahl versehen, die eigentlich nirgends genannt wird.

Schade, schön wär's gewesen.
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[*] Verfasst am: 13-7-2005 um 23:49


Hallo Norbert

Oh, das hatte ich mißverstanden, allerdings aus dem Grund, weil die Hofanlage geradezu riesig zu sein scheint. Die Wirtschaftsgebäude scheinen ein an den Wohnbau angefügtes "U" zu bilden, so daß eine echte Vierflügelanlage entsteht. Daher hatte ich diese Gebäudegruppe als den zur Burg gehörigen Wirtschaftshof angesehen. Oder ist doch die Baugruppe am linken Bildrand gemeint?
Zur Inschrift: aus meiner Region (Südwestdeutschland/Elsaß) läßt sich erst im Laufe des (fortgeschrittenen) 15. Jhs. der Übergang von den römischen zu den "arabischen" Zahlen verzeichnen. Die Typographie kann ich nicht datieren, sie ist aber garantiert nicht (spät-)mittelalterlich.

Immerhin, Du hast den Spatz noch in der Hand: Du weißt, daß Du keine bisher unbekannte Darstellung der Burg hast - und kannst damit keine großen Fehler mehr machen. Die machen übrigens v.a. die, die sich ihrer Sache zu sicher sind. Das kann auch auf "Burgenpäpste" zutreffen. Erfahrung kann mangelnde Sorgfalt nie kompensieren.

Viele Grüße, chateaufort
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Franz/B
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[*] Verfasst am: 4-11-2007 um 20:49


Hallo!

hat jemand ein originalschriftstück von rehberg

franz
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Hagen von Tronje
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[*] Verfasst am: 7-10-2011 um 09:20


Spärlich sind die Nachrichten über das Geschlecht, welches den Namen wie die Burg trug:
Am 4. Jänner 1189 verzichtet in Salchenau Leopold Herzog von Österreich, zu Gunsten des Kloster Kremsmünster auf alle Ansprüche, welche ihm aus der Erbschaft der von Rebgau auf einigen Besitzungen in Scharnstein zustanden. Unter den Zeugen wird neben Hartwig von Pettenbach auch
„Heinricus de reperhe“ genannt: (OÖUB. II. 414).
Im Jahre 1176 übergibt Reginbert, Bischof von Würzburg an das Kloster (Kremsmünster) zwei Hörige
des Chunrats von Rehberg mit ihren Nachkommen zu einen Jährlichen Zins von 5 Pfenningen.
Dass es sich um das Geschlecht der Herren von Rehberg handelt, die am Aiterbach saßen, unterstreicht die Zeugenschaft des Heinrich von Pettenbach.
Schließlich zeugt im Jahre 1206 Heinrich v. Rehberg, der hier als „dapifer“ (Druchseß) bezeichnet wird, in einer Urkunde, in der die Nachkommen des Hartwig von Pettenbach und seiner Gattin Adelheid von Hart geteilt werden. Die zweite Urkunde verrät uns, das Rehberg ein Lehen der Bischöfe von Würzburg, also ursprünglich alter Lambacher Besitz war.

Quelle: Herbert Jandaurek, Das Alpenvorland zwischen Alm und Krems, Schriftenreihe der OÖ. Landesbau-
Direktion Nr. 15. 1957. (Zur Verfügung gestellt von Burgenforscher Leo Mayböck)
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[*] Verfasst am: 8-10-2011 um 09:14
Rehberg



So sieht die Lagestelle der Burg Rehberg heute aus. Der Graben ist anstatzweise noch erkennbar, aber das Kernwerk ist von einem Haus überbaut.

Hagen von Tronje hat dieses Bild als Anhang hinzugefügt:
Rehberg (1).JPG - 59.42kb
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[*] Verfasst am: 8-10-2011 um 09:15
Rehberg heute



Reste des Burggrabens

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Rehberg (2).jpg - 71.9kb
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Wilhelm von Baumgarten
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[*] Verfasst am: 9-10-2011 um 20:14


Beim Bau wird man leider kaum auf Funde geachtet haben, oder ?



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[*] Verfasst am: 10-10-2011 um 14:18


Angeblich wurden beim Bau des Hauses im Jahre 1957 Ziegel gefunden. Die Fundstücke wurden aber leider verworfen. Im Bauernhof südlich des ehem. Burghügels zeigt man ein Modell der Burg Rehberg, leider ein "Fantasieprodukt".
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Ich bin immer wieder verblüfft, wie sich die optische Wahrnehmung und die Möglichkeiten der Darstellung die letzten paar hundert Jahre verändert haben.
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