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Autor Betreff: Kloster in Lüneburg
lady kitten
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Motto: No Mood

[*] Verfasst am: 16-4-2006 um 12:52
Kloster in Lüneburg



http://www.landeszeitung.de/start.phtml?fd...dx=357420&tid=5

Klostergeschichte ausgegraben
Archäologen untersuchen altes Gemäuer aus dem 13. Jahrhundert in Lüne

Lüneburg. Bislang waren viele der Meinung, ursprünglich habe das Kloster Lüne näher an Adendorf gestanden, erst in späteren Jahrhunderten seien die Nonnen an die Stadt herangezogen, nämlich an den heutigen Standort vis-È-vis der Ilmenau. Doch das ziehen die Archäologen Jan Joost Assendorp und Dr. Edgar Ring stark in Zweifel. Denn bei Erdarbeiten im Innenhof der Klosteranlage fanden Arbeiter jetzt Reste von Mauern und Fußböden, die vermutlich aus dem 13. Jahrhundert stammen. Da das Kloster 1372 verlegt worden sein soll, tauchen bei den Wissenschaftlern große "Fragezeichen" auf.

Ein Rückblick: 1157 wurde zunächst eine Kapelle im Wald nahe der Stadt eingeweiht. 1172 gründeten Benediktinerinnen mit dem Segen des Landesherren Heinrich des Löwen das Kloster Lüne. Zwei verheerende Brände sind aus der Geschichte bekannt: Um 1240 stand das Gemäuer in Flammen und wurde später wieder aufgebaut.

Zu einem zweiten Brand kam es am 30. April 1372. Danach, so meinen Freunde der Stadtgeschichte, sei das Kloster von seinem Standort am Rader Bach in Richtung Lüneburg verlegt worden. Heimatforscher Dietrich Hildebrandt beispielsweise hatte die Adendorf-Theorie mit Funden alter Steine im Lüner Holz belegt.

Ring sieht die Sache anders: "Mir fehlt das Motiv für einen Umzug, es gibt keine Hinweise dafür. Warum sollte man das Kloster nicht an alter Stelle wieder errichtet haben ?" Für diesen Ansatz haben die Archäologen mehrere Belege.

2002 waren im Klosterhof Kanalrohre verlegt worden. Im Bodenaushub hatte Ring Scherben von Gefäßen gefunden, die aus dem 13. Jahrhundert stammen. Als jetzt das Rosenbeet im Klosterhof für eine Neugestaltung ausgehoben wurde, stießen Gärtner auf eine "Backsteinhorizontale". Allein die gebrannten Steine werten die Fachleute als klares Indiz, dass hier ein bedeutendes Haus gestanden haben muss. Denn in dieser Zeit wurden Gebäude in der Regel aus Holz gebaut.

Schon beim bloßen Hingucken ist zu erkenen, das zunächst Steine für einen Boden auf die nackte Erde gesetzt worden waren. In späterer Zeit kam eine zweite Ebene darüber. Reste von Außenmauern laufen auf den Eingang des Klosters zu. "Das spricht für eine Verbindung", sagt Archäologe Assendorp vom Landesamt für Denkmalpflege. Auch ende in der Klosterwand ein tragender Holzbalken genau an der Stelle, wo der verschwundene Bau auf das heutige Kloster traf.

Und: Für die Wissenschaftler liegt die Brunnenhalle im Kloster an einer atypischen Stelle, nämlich am Rand der Anlage, eigentlich sind Brunnen sonst in den Kreuzgang integriert. Assendorp geht davon aus, dass das Gebäude vor 1512/16 verschwand. Denn da entstand gleich daneben das Siechenhaus, in dem heute die Klosterverwaltung arbeitet. Da an den Steinen und im Erdreich Brandspuren zu sehen sind, könnte das Haus durch die Feuer im Mittelalter zerstört worden sein - der Brand von 1372 ?

Äbtissin Barbara Taglang verfolgt die Arbeiten der Archäologen gespannt. Wie die Forscher wünscht sie sich, dass weitere Grabungen und Materialanalysen Gewissheit über die Klostergeschichte bringen. Sie hofft nun, die Behörden überzeugen zu können, dass die Arbeiten für das Projekt "Verborgene Gärten hinter hohen Mauern" Rücksicht auf die Untersuchungen nehmen. Wie berichtet, fördern EU, Land und Klosterkammer das Vorhaben in den Gartenanlagen mit rund 100 000 Euro.
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chateaufort
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Motto: No Mood

[*] Verfasst am: 17-4-2006 um 21:04
Eine mögliche Analogie - hier aus dem Burgenbau



Etwas Ähnliches konnte ich in den letzten Tagen sehen - wobei "sehen" schon ein bißchen zu viel gesagt ist.
Es geht um die Kronenburg (Cronenbourg), östlich oberhalb von Wasselnheim / Wasselonne über dem Kronthal gelegen. Wasselnheim liegt westlich von Straßburg im Elsass.

Hier wurde aufgrund der urkundlichen Überlieferung - die Rede ist von einem Neubau und nicht von einem Wiederaufbau - von einem vollständigen Neubau ab 1215 durch den Amtmann Woelfelin (vgl. auch : Kaysersberg, Pflixburg) gesprochen. Nur: wir haben keinerlei Spuren der "alten", im 12. Jh. untergegangenen Kronenburg an einer anderen Stelle "über der Straße nach Zabern/Saverne" - und: die Fläche der "neuen" Kronenburg ist so groß, daß sie für eine hochmittelaterliche Gründung viel zu groß wäre, denn die Fläche beträgt annähernd 150 x 150 Meter! Zwei Grüne gegen einen "Umzug".

Allerdings hat sich von der bereits während des Interregnums zerstörten Anlage nur sehr wenig erhalten, nämlich in den jüngeren Stützmauern landwirtschaftlich genutzter Terrassen einige Quadersteine sowie zwei gefaste Fragmente eines Portals (an der Westseite zum Kronthal). Die Dicke der praktisch vollständig abgetragenen Ringmauer betrug etwa 2 Meter - der Felssockel und geringe Reste der Innenschale der Mauer sind für den sehr geübten Betrachter an einer Stelle noch zu sehen).
Ferner ist der teilweise stark verschliffene Halsgraben auf der Ostseite noch ablesbar. Möglicherweise sind die Reste einer Terrassenstützmauer am Steilabhang vor dem Standort der abgetragenen Ringmauer nicht neuzeitlich, sondern Überbleibsel einer Zwingermauer der Burg - das Mauerwerk ist jedenfalls völlig anders als das der übrigen Terrassen.

Aber mit diesem mageren Kenntnisstand wird man nicht viel mehr anstellen können als Vermutungen - wie sich das auch in einer der wenigen Literaturangaben nachlesen läßt, die ich hier noch anführe:

Charles-Laurent Salch, Nouveau Dictionnaire des Châteaux Forts d'Alsace, Strasbourg 1991, S. 62.
Entdeckt hat die Burgreste:
Fernand Jaenger, Auf den Spuren der Burg « Kronenburg » im Krontal, in: Cahiers d’Archéologie et d’histoire d’Alsace, N° 117-120, XXXe année, Strasbourg, Mai 1939.

chateaufort

P.S.: Herzlichen Glückwunsch zum (fast) 500. Beitrag!
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