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Autor Betreff: Der Schatz vom Süselsee
lady kitten
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[*] Verfasst am: 4-5-2006 um 15:00
Der Schatz vom Süselsee



Der Schatz vom Süselsee
Süsel - Vor 30 Jahren wurde am Ufer des Süseler Sees ein Fund gemacht. Erst jetzt stellte sich heraus, dass es sich um einen bedeutsamen Schatz aus dem 13. Jahrhundert handelt.

In Wathosen steht ein Angler am Südufer des Süseler Sees und wartet darauf, dass endlich ein Fisch nach dem Köder schnappt. Und während der Urlauber aus Berlin sich in Geduld übt, bringen die Sonnenstrahlen am Grund des Sees etwas Metallenes zum Leuchten. Ein Schatz aus Gold vielleicht? Der Urlauber lässt die Angel Angel sein und geht der Sache buchstäblich auf den Grund. Und glaubt seinen Augen nicht. Münzen, eine Dolchknaufscheibe, goldglänzende fingergroße Barren und Schmuck von anno dazumal sammelt er ein. 20 Teile insgesamt. Der Mann glaubt, das ganz große Los gezogen zu haben. Diesen Urlaub in Süsel wird der Berliner nie vergessen. 30 Jahre ist das jetzt her.

Zurück in Berlin, so berichtet Joachim Kühl vom Archäologischen Landesamt in Schleswig, hatte der Mann die Fundsachen bei einem Goldschmied taxieren lassen. Doch statt des erhofften Edelmetalls bescheinigte ihm der Experte "nur" eine Kupferlegierung. Damit war die Sache für den Angler wertlos, erledigt und reif für eine der verstaubten Kisten auf dem Dachboden. Bis vor einem Dreiviertel Jahr, als der Berliner seine alten Urlaubserinnerungen aus Süsel einem Besucher zeigte. "Einem, der Ahnung von der Materie hatte", sagt Joachim Kühl. "Der hat sofort den Wert der Fundstücke erkannt." Über Nacht wurde das augenscheinlich wertlose Metall zu einer kleinen Sensation. Denn das Metall ist über 700 Jahre alt, und der Fund gilt als einer der "bedeutendsten Schatzfunde aus dem Mittelalter in Deutschland", sagt Kühl.

Nach gründlichen Recherchen hinsichtlich Datierung und Herkunft des so genannten Hortfundes und einen Winter später herrschte gestern Schatzsucher-Stimmung am Süseler See. Den ganzen Tag über durchkämmten sechs Mitarbeiter des Archäologischen Landesamtes sowie geschulte Freiwillige einen 50 Meter lange Uferstreifen des Süseler Sees mit Metalldetektoren. Genau dort, wo der Berliner die "wissenschaftlich sehr bedeutsame Entdeckung" vor drei Jahrzehnten gemacht hatte, so Joachim Kühl. Am Abend sorgten zwei Taucher für Unterstützung. "Wir führen diese Suchaktion zur Sicherheit durch", so Kühl, "damit wir uns nicht vorwerfen können, wir hätten ein Fundstück wissentlich übersehen."

Der Schatz von Süsel ist einer von knapp 200 Schatzfunden des 12. bis 15. Jahrhunderts in Europa. In Schleswig-Holstein, so der leitende Archäologe, gebe es "nur relativ wenige Schatzfunde aus dieser Zeit". Und wohl keinen, der sich in einem so guten Zustand befindet. Das Wasser des Süseler Sees muss das Erbe für die heutige Wissenschaft gut konserviert haben. Nach über sieben Jahrhunderten gibt es weder Spuren von Patina noch von Rost. "Die Fundstücke sind hervorragend erhalten, sie sind praktisch wie neu", erklärt Kühl, der sich die Entdeckung vor 30 Jahren nur so erklären kann, dass der Schatz im Laufe der Zeit vom See freigelegt worden ist.

Derjenige, der den Schatz seinerzeit in einem unterirdischen "Safe" gehortet hat, mutmaßen Kühl und seine Kollegen, müsse schon zu den besser Betuchten gehört haben.

Die Schatzsucher von Süsel haben gestern eine Menge weiterer Fundsachen zu Tage befördert. Schapsflaschen, einen Nachttopf, Hufeisen und sogar einen antiken Türbeschlag, "aber nichts, was uns wirklich interessiert", so Kühl. "Es ist nun mal reine Glückssache."

Die wissenschaftliche Untersuchung des Süseler Schatzes ist damit abgeschlossen. Irgendwann wird er in einer Vitrine des Archäologischen Landesmuseums auf Schloss Gottorf zu sehen sein. Einen Finderlohn gab es für den Angler nicht. Dafür aber ein großes Dankeschön des Chefarchäologen.

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