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Autor Betreff: seltsame Steine!
gropli
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[*] Verfasst am: 26-1-2007 um 10:12
seltsame Steine!



Grüezi

Ehr zufällig bin ich hier auf burgenseite.com gestossen – schöne und vor allem auch sehr informative Seite.

Seit langem befasse ich mich mit der Geschichte meiner Heimat (Zentralschweiz). Dabei ist mir eine rätselhafte Sache aufgefallen. Da und dort sehe ich an Kapellen einzelne Steine aus der ansonst glatten Wand vorstehen. Die Steine scheinen keine baubedingte Funktion zu haben. Sie sind aber auch nicht behauen, beschriftet oder so etwas.

Weiss jemand von euch, um was es sich da handelt?

Ich kann das an zwei Beispielen zeigen:
http://www.steinzeichen.ch/seltsam.jpg

Kurz zu den beiden Kapellen:
- St. Jost wurde um 1350 zum ersten mal erwähnt, der Bau dürfte aber älter sein, so um 1200. Die Kapelle wurde um 1650 umfassend umgebaut und erweitert. In der Kapelle befindet das Grabmal eines namenlosen Eremiten aus dem 13. Jahrhundert. Die Tumba steht genau an der Wandinnenseite hinter dem Stein.
- St. Josef Kapelle wurde 1702 erbaut. Ob es einen Vorgängerbau gab, ist nicht ganz sicher. In der Umgebung gab es möglicherweise römische Bauten.

Besten Dank
Gruss Gropli


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lady kitten
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[*] Verfasst am: 26-1-2007 um 12:45


Hallo Gropli!

Könnten die Steine irgend einen rituellen Hintergrund haben. zb. dass der genannte Eremit mit dem Stein in Verbindung zu bringen ist? Bei uns hier in Kärnten gibt es einige Steindenkmäler, auch in Kirchenwänden eingemauert, die irgend eine heilbringende Bedeutung im Volksglauben haben. In der Krypta von Gurk, beim Grabmal der Heiligen Hemma gibt es beispielsweise einen Stein, auf dem die Heilige gesessen sein soll und der in der volkstümlichen Überlieferung bei körperlichen Beschwerden Linderung bringen soll.

An anderen kärntner Kirchen sind römische Spolien angebracht denen man ähnliche Kräfte zuschreibt wie zb einer römischen Sitzstatue ohne Kopf, der Fruchtbarkeitsfördernde Kräfte zugeschrieben wurden, wenn sich Frauen auf ihren Schoß setzten.

In Mittelalter gab es auch den Glauben, dass abgekratzer Steinstaub von Kirchen ein Mittel gegen die Pest war.

Ob eine von diesen Möglichkeiten auf diese Stein zutrifft ist natürlich schwer zu beurteilen. Vielleicht zahlt es sich aus. Auch die örtlichen Sagen als mögliche Lösung für das Rätsel durchzuschauen.
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gropli
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[*] Verfasst am: 26-1-2007 um 14:37


Grüezi lady kitten

Interessant was du da schreibst. :)

All das vermute ich auch, aber es gibt überhaupt keine Sagen oder Legenden zu den Steinen. Ich hoffe deshalb, es gibt irgendwo im Alpenraum vergleichbare Steine, die mir einen Hinweis sein könnten. Es könnte im Mittelalter ja ein verbreitetes Phänomen gewesen sein.

Bei uns in der Nähe gibt es auch das Ritual, Kieselsteine an ganz bestimmte Orte (Wegkreuz, Findling) zu werfen und so böse Mächte zu bannen. Dies erklärt möglicherweise auch, weshalb manche Steinkreuze so stark errodiert sind.
Und irgendwo in Deutschland wurden Steine an eine eingemauerte römische Figur (Spolie) geworfen. Diese war bloss noch als steinerne Beule erhalten. Als man die Beule irgendwann freilegte, hielt man unvermittelt den Unterleib einer Statue in Händen!

Die Sache mit dem Steinmehl kann ich lokal mehrfach belegen. Hingegen gibt es bei uns keine Wetzrillen oder Schabsteine; liegt vielleicht auch an der Geologie?. Wir kennen dafür die „Schabmadonna“, eine gesegnete Marien-Figur aus gepresstem Lehm. Die hilft auch gegen allerlei Gebrechen.

Ich vermute, bei diesen Steinen handelt es sich um eine Kulthandlung aus der Zeit der Christianisierung (700 bis 900) oder des Hexenwahnes (1600 bis 1660). Dann würde es sich aber kaum um ein lokales Phänomen handeln?

Gruss gropli


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lady kitten
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[*] Verfasst am: 30-1-2007 um 20:49


Grüezi,

tja ich bin leider ratlos. Offenbar wollte man ja das die Steine sichtbar sind aus einem bestimmten Grund, bautechnisch macht das ganze auch keinen Sinn. Aberglauben, Volks/Heiligenmythen wären da eine schöne Erklärung gewesen.

Vielleicht haben die Steine irgendeine alte Rechtsbedeutumg stellen eine Markierung dar? Aber solche Steine stehen eher frei.
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chateaufort
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[*] Verfasst am: 1-2-2007 um 20:40


Bei Burgen kenne ich das. Dort handelt es sich um ein "apotropäisches Phänomen".
In der Schweiz ist Burg Dorneck (SO) ein gutes Beispiel, in Deutschland der frühneuzeitliche "Kugelturm" der Hardenburg , eines befestigten frühneuzeitlichen Residenzschlosses, eines der besten überhaupt (Rheinland-Pfalz, Kr. Bad Dürkheim).
Hierzu gibt es einen Artikel in "Burgen und Schlösser":
Udo Liessem, Eingemauerte Kugeln - ein apotropäisches Phänomen, in: Burgen und Schlösser, Zeitschrift der Deutschen Burgenvereinigung e.V. für Burgenkunde und Denkmalpflege, Heft 1982/I, S. 73-76.
Ich kann den individuell einmal zusenden (3188 kb), aber eben nicht hier anhängen.
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Torsten
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[*] Verfasst am: 2-2-2007 um 07:44


Ich vermute einfach mal, das es sich schlicht
um einen Mangel an passendem Baumaterial
handelt. Ich kenne das von verschiedenen
Burgen im Bereich Nordschweiz?, wo bei vielen
Anlagen sehr unterschiedliches Baumaterial wie
Ziegel aber auch grobe Findlinge und Nagelfluh im Mauerwerk
sichtbar sind.

http://www.burgen.ch/images/burgen_CH/SG/sg_altramschwag27KLEIN.jpg

Ein schönes Beispiel für grobe "Brocken" ist Mammertshofen.
Die Besitzt übrigens eine unrestaurierte gotische Bohlenstube
im Obergaden!

rhttp://www.burgen.ch/images/burgen_CH/TG/tg_mammertshofen18KLEIN.jpg
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gropli
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[*] Verfasst am: 2-2-2007 um 13:32


Grüezi chateaufort

Genau um so ein "apotropäisches Phänomen" wird es sich hier handeln. Ich muss gestehen, ich habe den Begriff noch nie gehört ;) und musste erst mal nachsehen... Ich habe sowas vermutet, kannte das Phänomen aber nicht in der Form. Ich kenne zum Beispiel die "Chilen-Zänni" (Kirchen-Grimmassen) um Luzern.

Den Artikel würde ich gerne lesen, wenn du mir den zusenden könntest: steine(a)bluewin.ch.

Vielen herzlichen Dank chateaufort, du bist mir eine grosse Hilfe.


Gruss gropli


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[*] Verfasst am: 3-2-2007 um 17:40
Apotropäische Phänomene und rustiziertes Mauerwerk



Den Unterschied muß man machen, aber in beiden Fällen geht es um das Symbolisieren besonderer Wehrhaftigkeit.
Die "steckengebliebenen Kugeln" kenne ich eigentlich nur von Bauwerken des 16. Jhs., während das rustizierte Mauerwerk (Buckelquaderwerk) zahlreiche Beispiele kennt - aus der Antike, aus dem 12./13. Jahrhundert ("stauferzeitlich"), aus dem 15./16. Jh. (Wiederaufgreifenen antiker und romanischer Bauformen in der Renaissance, schwerpunktmäßig in Italien, aber dann überall in Europa) und im 19. Jh. (Neoromanik, Neorenaissance).

Erstmal eines der klassischen Beispiele aus rustiziertem Mauerwerk, ausgeführt in Kalkstein, in besonders heftiger Ausprägung, von einer Burg, die sehr gut in ein österreichisches Burgenforum paßt:

Gesamtansicht der jüngeren westlichen Anlage von WSW:

chateaufort hat dieses Bild als Anhang hinzugefügt:
##Habsburg-W_126-03A[2004]_G-Ansicht_v_WSW.jpg - 134.09kb
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[*] Verfasst am: 3-2-2007 um 17:42
Fortsetzung



Alles klar, welche Burg ist es?

Und hier die Südwest-Ecke des Bergfrieds - hier sieht man gut, daß die Form des Mauerwerks mit völliger Absicht genau so gefertigt wurde!

chateaufort hat dieses Bild als Anhang hinzugefügt:
##Habsburg-W_125-16A[2004]_Bergfried-SW-Ecke_v_S_Detail.jpg - 154kb
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[*] Verfasst am: 3-2-2007 um 17:56
Hardenburg, Kugelturm, 1



Jetzt noch der berühmte Kugelturm der Hardenburg (Stadt Bad Dürkheim, Landktreis Bad Dürkheim, Rheinland-Pfalz), beide Male aus einer eher seltenen Perspektive aufgenommen.

Schloßruine Hardenburg.
"Kugelturm" (auch "Dicker Turm"), 16. Jh. 18 m Durchmesser, insgesamt ca. 18 m Höhe.
Hervorzuheben sind etliche Sandsteinquadern mit angearbeiteten Halbkugeln sowie die zumeist nachträglich vermauerten, für Geschütze ausgelegten Stufenscharten.

chateaufort hat dieses Bild als Anhang hinzugefügt:
##Hardenburg_157-00A[2002]_Kugelturm+Nord-Kurtine_v_NO_Qf.jpg - 114.16kb
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[*] Verfasst am: 3-2-2007 um 17:57
Hardenburg, Kugelturm, 2





chateaufort hat dieses Bild als Anhang hinzugefügt:
##Hardenburg_86-26[2001]_Kugelturm_F-Ansicht_v_O_Qf.jpg - 147.36kb
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[*] Verfasst am: 4-2-2007 um 22:00


Lieber chateaufort, schon mal vielen Dank.:D
Auch fürs eMail.

Interessant ist das Bild mit der Turmecke, da sieht man ganz deutlich den Eckbehau.


Gruss gropli

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[*] Verfasst am: 5-2-2007 um 06:14


Zitat
Originally posted by chateaufort
Alles klar, welche Burg ist es?

Und hier die Südwest-Ecke des Bergfrieds - hier sieht man gut, daß die Form des Mauerwerks mit völliger Absicht genau so gefertigt wurde!


Habsburg... denke ich doch
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[*] Verfasst am: 5-2-2007 um 21:40


Ja, stimmt alles.

sowohl Groplis Beobachtung was den Eckverband betrifft, als auch Torstens Annahme (kann man in den EXIF-Daten nachlesen). Und die Habsburg darf wohl auch in ein österreichisches Burgenforum, odrr?

Grüße, chateaufort
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Herbert
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[*] Verfasst am: 30-5-2007 um 15:35


Ich finde die scheinbar bautechnisch sinnlosen Steine können Reste eines alten Außenabaues sein (Kapelle) der abgerissen wurde oder geplant und nicht ausgeführt wurde ( Rest einer Eckverzahnung).
Es kann natürlich auch einen rituellen Hintergrund haben, wie Ihn Lady Kitten vermutet.
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