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Autor Betreff: Hausberg Höhereck bei Oberloiben in der Wachau
Oliver de Minnebach
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Motto: Wen interessiert Bauforschung?!?

[*] Verfasst am: 28-3-2008 um 21:19
Hausberg Höhereck bei Oberloiben in der Wachau





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Oliver de Minnebach
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Motto: Wen interessiert Bauforschung?!?

[*] Verfasst am: 28-3-2008 um 21:20
Bericht für den Aktuellen Band der FÖ



HOCH- und SPÄTMITTELALTER

KG Dürnstein
SG Dürnstein
VB Krems

Niederösterreich

GK-Österreich MGI 34 rechts: -59135 hoch: 5362080

Im September 2006 wurde 1,1 km östlich der Pfarrkirche von Dürnstein bzw. 0,3 km nördlich des „Franzosendenkmales“ in Oberloiben durch den Berichterstatter auf einem markanten von NNO nach SSW ziehenden Geländesporn, dem Höhereck eine bislang unbekannte hausbergartige Anlage entdeckt (Parzelle 199, 200, 203/1). Vom Hinterland kommend führt ein langer schmaler Felsgrat zu einer ersten kleinen Unterbrechung, die vermutlich der äußere Abschnittsgraben ist. An diesen schließt ein kleines ca. 10 m langes Vorwerk an, danach bildet der nur max. 4 m breite Grat eine der Spornrichtung folgende 12 m lange, flache Einsenkung. Nach dieser Einsenkung öffnet sich der Sporn zu einem breiten künstlich aufgeschütteten Kegelstumpf, der ein Plateau von ca. 10 m Durchmesser trägt. Das kegelstumpfförmige Erdwerk fällt gegen Ost, Süden und Westen steil ab.
Auf dem Hausberg findet sich ausschließlich Keramik des 11. bzw. frühen 12. Jahrhunderts. Unter suboptimalen Bedingungen konnten insgesamt 0,5 kg (18 Stück) Keramik aus reduzierend gebrannten Grafittons geborgen werden.
Die Funde stimmen gut mit den historischen Daten überein, schenkte doch Heinrich II. um 1002 das Gebiet um Unterloiben dem Kloster Tegernsee; diese Schenkung wird 1019 zwischen Watstein und Holenstein konkretisiert. Gemeinsam mit der gefundenen Keramik lässt sich mit Vorbehalt ableiten, dass bereits damals der klösterliche Besitz durch einen adeligen Wehrbau auf dem Höhereck geschützt wurde. Offen bleiben muss hingegen, wer hier gesessen hat. Einen Hinweis auf die für diese Frühzeit absolut unübliche Anlage einer Spornburg könnte die Urkunde von 1019 geben, die das eigentlich schon 1002 erhaltene Gebiet nochmals bestätigt und die göttliche Strafe für Zuwiderhandelnde androht. Obwohl damit eine übliche Formel angewendet wurde, scheint auch eine konkrete Bedrohung des Klosterbesitzes denkbar, der durch einen Wehrbau geschützt werden musste.
Die Anlage zeigt schon die typischen Merkmale der Adelsburg: eine unter Bevorzugung eines Spornes abgesetzte Lage von der Siedlung. Das für eine Burg prädestinierte Höhereck bietet ausgezeichnete Fernsicht über das dem Kloster Tegernsee geschenkte Gebiet, anderseits konnte der Sitz durch seine entsprechende Fernwirkung in Szene gesetzt werden.
Besonders wichtig ist die Lokalisierung der beiden Geländeangaben in der Urkunde von 1019. Die Bezeichnung Watstein ist heute noch für den Sporn auf dem sich die Burgruine Dürnstein befindet, sowie den dahinter befindlichen Höhenrücken gebräuchlich. Die Bezeichnung Holenstein ist hingegen nicht mehr gebräuchlich und wurde bereits mit dem Höhereck oder der Felsformation zwischen Förthhof und Rothenhof identifiziert.
Vermutlich leitet sich die Bezeichnung Watstein von Wartstein ab, also Berg bzw. Fels von dem Ausschau gehalten wird. Bereits Schwammenhöfer meldete den Fund von Keramik des 11. Jahrhunderts in großen Mengen (siehe zuletzt FÖ 24/25, 1985/86, 341.) auf dem Burgberg von Dürnstein und schließt das Bestehen eines „Stützpunktes“ im 11. Jahrhundert nicht aus.

Oliver FRIES

Literatur:

Irmgard Meseder, Die Politik Kaiser Heinrichs II., in: 1000 Jahre Loiben, hrsg. Stadtgemeinde Dürnstein, Horn 2002, 19 ff.
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Oliver de Minnebach
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Motto: Wen interessiert Bauforschung?!?

[*] Verfasst am: 28-3-2008 um 21:23
KEINE ANLEITUNG FÜR RAUBGRÄBER!!!



Das soll keine Anleitung für Raubgräber oder sonstig motivierte Leute mit Spaten und Schafel sein....
Bei Begehungen (oberflächiges Absuchen mit den Augen)findet ihr mehr als was euch lieb ist bzw. ihr euch vorstellen könnt.

lG Oliver
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Oliver de Minnebach
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[*] Verfasst am: 28-3-2008 um 21:25
Hausberg Höhereck bei Oberloiben in der Wachau





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Oliver de Minnebach
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[*] Verfasst am: 28-3-2008 um 21:26
Hausberg Höhereck bei Oberloiben in der Wachau



Der Regen den wir Ende Juni hatten war sehr günstig! Es ist zu einigen Errosionsstellen gekommen, an denen "sehr viel" Keramik zu Tage tritt, ich denke das Höhereck ist ein archäologischer Jackpot für unsere Region, die Wachau!!!

Aber liebe liebe Raubgräberlein :mad: lasst die Finger von dieser schönen Anlage!!! :P

Die Fotos von der aufgelesenen Keramik kann ich erst ab Freitag posten! ist aber eindeutig jetzt doch 11. Jh.

Also eine frühe, sehr frühe Gipfelburg!:D
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burgenkunde_markus
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[*] Verfasst am: 10-9-2009 um 20:35


Hallo Oliver

Danke für diesen Beitrag. Wirklich interessant, was Du da schreibst.
Obwohl schon von 2008, könntest Du die Keramik noch posten?
Finde Deine Entdeckung äußerst spannend und werd nun überlegen, der Wachau wieder mal einen Besuch anzustatten. Wie ist denn der einfachste/leichteste Zugang zu diesem Burgstall?

Liebe Grüße aus Linz,
Markus
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Oliver de Minnebach
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[*] Verfasst am: 11-9-2009 um 10:05


die Keramik ist derzeit am BDA aber Fotos hab ich schon - nur ohne Maßstab.

Ab Besten du Parkst unten beim Franzosendenkmal und steigst den tollen steilen Hügel direkt hinauf.

lG Oliver
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Mart
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[*] Verfasst am: 11-9-2009 um 21:11


Ah der Hügel ist das! Ich mir schon ein paar Mal beim vorbeifahren gedacht dass da etwas draufsein muß, es ist ja sprichwörtlich lehrbuchmäßig wie der Hügel seine Umgebung "beherrscht".



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